|
"Rec" finde ich großartig, vermutlich einer der besten First-Person-Filme überhaupt, "Troll Hunter" habe ich bis jetzt noch nicht gesehen. Es stimmt, die Europäer haben da oft einen etwas frischeren Ansatz als die Amerikaner. Ich bekomme so viele von diesen Filmen zugeschickt und soll dann etwas dazu sagen. Viele davon werden niemals von einem Verleih gekauft, aber hin und wieder ist auch was Gutes dabei... Halten dich die Leute also für einen Experten in dem Genre? Ja, das kann man schon so sagen. Es war lustig: Als ich "Paranormal Activity" zum ersten Mal sah, hat er mir natürlich sehr gut gefallen, der Regisseur hat gute Arbeit geleistet. Gleichzeitig dachte ich aber auch: "Verdammt, warum bin ich nicht darauf gekommen? Warum hab ich den Film nicht gedreht?" Ob meine Version besser oder schlechter gewesen wäre – wer weiß? Aber Fakt ist, ich weiß wie man solche Filme dreht, darum ärgere ich mich jedesmal ein bisschen, wenn so ein Film erfolgreich ist und denke: "Warum war ich daran nicht beteiligt?" Aber ich schätze das ist normal, so fühlt sich George Romero vermutlich auch immer, wenn ein neuer Zombiefilm einen Haufen Geld einspielt. (lacht) Erzähl doch mal ein bisschen was über "Lovely Molly". Worum geht es und wann bekommen wir den Film in Europa zu sehen? Wir suchen zurzeit noch einen amerikanischen Vertrieb, zu Europa kann ich also noch nichts sagen, außer, dass wir viele Anfragen haben. Wir wollten mit dem Film diesen Sommer eigentlich zu ein paar europäischen Festivals, aber das klappt wohl erst im nächsten Jahr. Die Idee hinter dem Film stammt von meinem Co-Autor Jamie Nash, und zwar geht es um die Frage, was passieren würde, wenn sich jemand selbst filmt, der glaubt besessen zu sein. Zuerst sollte der Film also komplett aus der Perspektive der Hauptfigur gedreht werden, was mir aber, aus zuvor genannten Gründen, irgendwann nicht mehr so gut gefiel. Darum ist der Großteil des Films nun konventionell gedreht worden und wir wechseln nur in kurzen, spannungsreichen Momenten in die subjektive Perspektive. Das ist eine sehr interessante Mischung und man hat so sozusagen das Beste aus beiden Welten. Je stärker sich Mollys Besessenheit (oder ihre Psychose, das bleibt offen) auswirkt, desto öfter setzte ich dieses intime, voyeuristische Stilmittel der Handkamera ein. Dir scheinen ja diese ambivalenten Plots zu gefallen, bei denen man nie genau weiß, ob etwas Übernatürliches passiert oder nicht... Das stimmt, das gefällt mir sehr. Wenn man einmal weiß, wer oder was das Monster ist, ist es doch schon nicht mehr unheimlich. Bei Horrorfilmen braucht man meiner Meinung nach einfach ein gewisses Mysterium, das nicht erklärt werden kann. Warum sind denn seit Jahrzehnten die Geschichten über Big Foot, UFOs und Loch Ness so beliebt? Weil man sie weder vollständig beweisen noch widerlegen kann! Angenommen man würde den Big Foot fangen, dann wäre das für eine kurze Zeit eine Riesenstory, aber irgendwann würden sich die Leute daran gewöhnen und es wäre eben auch nur irgendeine neue Tierart. Da man aber nicht genau weiß, ob er existiert, bestehen diese und andere Legenden auf der ganzen Welt und bleiben lebendig. Es gibt in "Lovely Molly" zwar einige Szenen, die relativ eindeutig übernatürlich sind, aber dennoch lässt das Ende einiges offen. Bisher reagiert das Publikum etwa so darauf wie bei "Blair Witch", dessen Ende ja auch recht offen ist: Manche Leute lieben es und diskutieren darüber, andere mögen es weniger. Es wird aber immer schwieriger, solche Filme zu machen, da es die großen Studios immer recht gerne eindeutig haben wollen. Darum haben wir ja damals auch Geld dafür bekommen, alternative Enden für "Blair Witch" zu drehen, haben aber zum Glück darauf bestanden, das von uns beabsichtigte Ende zu behalten. Dein nächstes Projekt "Exists" handelt ja von dem bereits von dir erwähnten Big Foot. Kannst du uns darüber schon etwas berichten? Ja, gerne. Der Film hat ein sehr kleines Budget, wir drehen bald in Austin, in einem kleinen Studio mit einer tollen Außenanlage. Das Skript zu "Exists" ist bereits das dritte Drehbuch, das ich über Big Foot geschrieben habe. Das erste hätte gute 80 Millionen Dollar gekostet, das zweite dann um die 20, bei diesem hier sind wir nun im niedrigen Millionenbereich. Wir hoffen aber, dass dies der erste Film einer ganzen Big-Foot-Trilogie werden wird, das hängt natürlich von unserem Erfolg ab. Seitdem ich zwölf Jahre alt war, wollte ich immer einen Film über Big Foot drehen, das ist also so etwas wie ein Traum-Projekt von mir. Kürzlich haben wir angefangen mit den Make-Up- und Kostüm-Tests für den Film: Der Schauspieler, der Big Foot spielen wird, hat schon mal den Big-Foot-Anzug angezogen. Wir wollen so wenig wie möglich CGI verwenden, denn, das wird dir jeder bestätigen, bei Monsterfilmen wirken echte Schauspieler in Kostümen viel authentischer als Computergrafiken. Eine Firma aus Neuseeland, die oft auch mit Guillermo del Toro zusammenarbeitet, hat den Anzug für uns designt und ich kann dir sagen, es sieht super aus! Normalerweise muss man bei solchen Kostümsachen ja immer schauen, wie man versteckt, dass es sich um ein Kostüm handelt. Das wäre hier gar nicht notwendig, so echt sieht unser Big Foot aus. Ab April fangen wir dann mit den Dreharbeiten an. Unheimliche Mythen und Legenden scheinen dir ja zu liegen. Wie kamst du denn ausgerechnet auf den Big Foot, diese typisch amerikanische Legendengestalt? Hm, so auf Amerika beschränkt ist das gar nicht. Klar, hier sind diese Geschichten am bekanntesten, aber denk mal an den Yeti! Und auch in Russland gibt es da wohl einen entsprechenden Mythos. Vermutlich hat jede Kultur eine Geschichte die sich mit dem Thema "Haariger Mann im Wald" beschäftigt. Ich glaube, dass ist auch der Grund, warum "Blair Witch" so erfolgreich war: Jeder hat an einem gewissen Punkt in seinem Leben mal Angst vor dem Wald, es gibt immer Gerüchte oder Geschichten, dass sich im Dunkeln des Waldes etwas Gefährliches verbirgt. Deswegen hoffe ich, dass ich mit "Exists" ein Thema anspreche, mit dem sich Menschen weltweit identifizieren können. Abgesehen davon gab es schon seit ewigen Zeiten keinen guten Big-Foot-Film mehr. Der Schlüssel wird, wie schon bei "Lovely Molly", sein, eine Mischung aus normalen Filmaufnahmen und "First Person" Videoaufnahmen zu verwenden. Denn mit was für Bildern assoziieren wir Big Foot? Mit verwackelten Fotos und Videos, die man nicht genau einordnen kann. Eine letzte Frage, die du wohl öfter hörst: Wie stehen die Chancen für einen dritten "Blair Witch"-Teil? Die Situation ist ähnlich wie schon seit einigen Jahren, aber langsam machen wir Fortschritte. Dan und ich haben eine gute Idee für eine Fortsetzung des ersten Teils und Lionsgate hat bereits Interesse gezeigt – noch gibt es aber keine konkreten Absprachen. Ich bin mir aber sicher, dass sich bald etwas tun wird. Generell wäre es natürlich ganz schön schwer, die Erwartungen der Fans zu erfüllen, aber das ist natürlich auch gerade das Spannende an der Sache. Und auch unsere eigenen Ansprüche wollen wir halten: Der Film muss von Herzen kommen und nicht bloß ein sinnloses Sequel sein. >> geführt und verfasst von Tim Lindemann |
|