Markus Welter - One Way Trip 3D

Zunächst einmal: Wie oft warst Du seit der Premiere in der Schweiz im Wald Pilze sammeln?

Markus Welter: Äh… seit der Premiere keinmal. (lacht)

Dann würde ich sagen, wir glauben das jetzt einfach mal und widmen uns „One Way Trip 3D“, der für dich im Allgemeinen eine Premiere darstellt, da es sich um Deinen ersten Ausflug ins Horror-Genre handelt und gleichzeitig sowohl den ersten Schweizer 3D Film als auch den ersten Schweizer Slasher überhaupt repräsentiert. War da der Druck für Dich als Regisseur nicht besonders hoch? Immerhin gab es durch diese eben erwähnten Punkte sicher eine gewisse Erwartungshaltung seitens heimischer Filmfreunde.

Der war schon in einer Form da, ja, weil man unter Beweis stellen muss, dass man auch in dem Genre arbeiten und sich gleichzeitig an diese 3D Sachen herantrauen kann. Einen gewissen Leistungsdruck kann ich also nicht verneinen.

Zu diesem Zeitpunkt ist noch alles in Ordnung.

Jetzt, wo die Auswertung in der Schweiz und in Österreich erfolgt ist und auch in Deutschland vor der Tür steht: seid Ihr mit dem Erreichten zufrieden oder hat man sich insgeheim dann doch vielleicht etwas mehr erhofft?

Also ich muss sagen, dass ich persönlich sehr zufrieden bin. Auch mit dem Verkauf nach Russland, wo der Film ja auch schon in den Kinos lief und jetzt immerhin 150.000 Besucher überschritten hat. Dass man keine Komödie gemacht hat oder ein Sozialdrama, das war allen klar. Auch dass man da nicht in diese Verkaufszahlen hineinkommt, war, glaube ich, jedem klar. Aber dafür, dass es der erste Horrorfilm war, mit allen Schwierigkeiten die wir gehabt haben, und dann auch noch der erste 3D Film, wo man Überzeugungsarbeit leisten muss, damit die Leute sehen, dass das nicht nur die Ausländer können, bin ich eigentlich mit dem Ergebnis zufrieden. Aber es kann immer mehr sein. (lacht)

Mit „One Way Trip 3D“ habt Ihr ein bislang einzigartiges Experiment im deutschsprachigen Raum gewagt. Gibt es trotzdem etwas, wo Du sagst: „Ja, das hätte man vielleicht besser oder anders machen können“?

Ich kann nur sagen, dass meine Mannschaft und ich unser Bestes unter den gegebenen Voraussetzungen geleistet haben. Wir haben wirklich alle versucht diese Zitrone auszupressen. Und man muss ja bedenken, wir hatten halt eine Null weniger beim Budget hinten dran und dafür sind wir alle eigentlich sehr zufrieden. Ich würde nicht viele Sachen anders machen wollen. Wenn ich jetzt noch einmal einen Film in diesem Genre und in 3D drehen würde, dann würde ich einfach versuchen noch mehr Geld im Vorfeld einzusammeln. Denn gewisse Effekte und Dinge, die wir gemacht haben, die sind echt an die Leistungsgrenzen von Schauspielern, vom Material und allgemein gegangen. Es war manchmal auch riskant, weil da viele Dinge passieren können. Gott sei Dank ist bei diesem Film nichts passiert, aber es war schon manchmal an der Grenze des Zumutbaren.

Aufwendige Setaufbauten.

Was glaubst Du denn, weshalb es in der Schweiz so lange gedauert hat, bis es Sponsoren gab, die sich dazu bereit erklärt haben einen Horrorfilm zu unterstützen?

Grundsätzlich ist es so, dass es auch aus dem Grund der erste Horrorfilm war, weil die Kombination zwischen Horror und 3D funktioniert hat. Denn nach Statuten und all diesen Dingen kriegt man eigentlich keine Förderung für gewaltverherrlichende Filme oder Pornographie. Und wir haben einfach auf die Tat ausgespielt und gesagt, dass wir vor allem einen 3D Film machen wollen. Am Anfang sind wir sofort auf sehr viel Unglaubwürdigkeit gestoßen, denn das Projekt hat ja schon Ende 2007, Anfang 2008 begonnen. Und da sind eigentlich alle immer der Annahme gewesen, dass das so wie bei „Der weiße Hai“ wird, wo dann der Fisch aus der Leinwand kommt. Das haben wir ganz oft gehört. Und „Avatar“ war ja noch nicht draußen. Wir haben dann gesagt, dass das heute nicht mehr so ist, anders aussieht und anders daherkommt.

Wir haben dann auch das erste Geld bekommen, welches wir dann aber, zumindest einen Teil davon, statt in die Drehbucharbeiten in einen Mini-Trailer investiert haben. Den haben wir dann ähnlich fertiggestellt wie so einen Kino-Trailer. Damit sind wir dann inklusive eines Monitors, eines Laptops und 3D-Brillen von Institution zu Institution gelaufen, um zu zeigen, wie das nachher so aussehen würde. Und dann kam „Avatar“ raus, oder auch kurz davor, und dann haben sie gesagt: „Ah, dann ist das ja wie bei 'Avatar'“. Dann haben sie gemerkt, dass es eine technische Weiterentwicklung des Kinos ist, wo man bei Verlusten auch mal einstecken muss. Und dass sich das Genre dafür angeboten hat, war dann auch jedem Wissenschaftler und Premium Mitglied klar und ich glaube, dass wir die Finanzierung auch aus dem Grund so auf die Beine stellen konnten. Wäre „Avatar“ nicht gewesen, hätten wir bestimmt kein Geld gekriegt.

Würdest Du also sagen, dass es in der Schweiz auch in Zukunft eine Herausforderung sein dürfte, einen Horrorfilm dieser Größe finanziert zu bekommen?

Ich glaube, dass die Schweizer, im Gegensatz zu den Deutschen, immer ein bisschen progressiver in so Dingen gewesen sind, dass sie auch gefunden haben, sie müssten auch gewisse Genres für das Publikum bedienen. Vor allem, es wurde ja auch schon ein Sci/Fi-Film gemacht. Also die Ohren sind da nicht ganz so verschlossen, wie das vielleicht in Deutschland ist. Das muss man den Schweizern auch zu Gute halten. Sie sind auch gewillt, klassische Genres zu unterstützen. Und ich glaube, das war auch der Hauptgrund, weshalb wir das Geld am Ende noch bekommen haben, weil es ein Genre ist, das auch von großen Filmemachern und Meistern berührt worden ist. Kubrick hat „The Shining“ gemacht und Roman Polanski „Rosemary’s Baby“. Es ist also nicht so, dass das partout ein verbotenes Genre ist, sondern einfach zur Kultur gehört. Deswegen hat die Schweiz das auch unterstützt.

Finaler Showdown mit weiblichen Hauptdarstellern?

Du hast es vorhin bereits angesprochen und zwar konnten die Auswertungsrechte an „One Way Trip 3D“ bereits nach Russland verkauft werden. Hat Euch das nicht überrascht, dass Euer Film bereits so kurz nach der heimischen Premiere in einem für die Filmindustrie mittlerweile sehr wichtig gewordenen Land ebenfalls in den Top 10 der Kinocharts vertreten war?

Also mich hat das wahnsinnig gefreut, muss ich sagen, denn das ist mein erster Film, der wirklich verkauft wurde und ins Ausland gegangen ist. Und auch, dass es gleich so schnell gegangen ist, hat mich sehr gefreut. Der Film hat dort auch gute Zahlen geschrieben und ist eben in die Top 10 gegangen. Ganz am Anfang sind wir, glaube ich, sogar kurz in die Top 5 reingerutscht. Das weiß man vorher nie so genau, da das immer den Verleih angeht. Man muss da also einfach abwarten. Ich finde das aber super und es ehrt mich natürlich total.

Wie kam diese Zusammenarbeit denn überhaupt ins Rollen? Das muss ja recht frühzeitig über die Bühne gegangen sein, wenn man bedenkt, dass der Film bereits eineinhalb Monate nach dem Kinostart in der Schweiz über russische Kinoleinwände flimmerte.

Der russische Verleih hat uns schon während der Dreharbeiten angesprochen. Die haben da schon vom Film gehört, weshalb alles schon relativ früh losgegangen ist. Dann kam eben eine Anfrage, ob sie etwas sehen dürften, weil sie an „One Way Trip 3D“ interessiert wären. Man kann so einen 3D Film natürlich nicht einfach so auf DVD brennen und den dann irgendwo in der Welt rumschicken, um ihn dann auf irgendwelchen Downloadportalen zu finden. Man muss da zunächst einmal eine Vertrauensbasis aufbauen. Und die haben dann eigentlich schon zugeschlagen, bevor der Film so richtig ins Rollen kam. Das hat mich, uns alle sehr überrascht. Es hat uns einfach geehrt, dass wir den Film schon verkaufen konnten ehe er große Zahlen und große Auswertungen verbuchen konnte. Die sind das Risiko eingegangen, den Film zu kaufen und das ist super gewesen.

Sind denn auch schon weitere internationale Veröffentlichungen in Arbeit? Deutschsprachige Produktionen scheinen es im Ausland, speziell in den USA oder Großbritannien, oftmals sehr schwer zu haben.

Ja, das ist natürlich immer so eine Sache. Die Sprache ist etwas, das dazu beiträgt, wie ein Film ankommt. Der Film ist in Russland ja auch in russischer Sprache synchronisiert worden, der erschien da also nicht mit Untertiteln sondern als Synchronfassung. Und das sind halt immer Kosten, die sich die Labels gut überlegen müssen, ob sie wirklich Geld in eine Synchronisierung investieren wollen. Das Einzige, was ich jetzt letztens so gehört habe, ist, dass sich der Film gerade in China in der staatlichen Zensur befindet. Das war also noch so im Gespräch, ob der Film auch in China einen Kinostart bekommt. Aber was und ob daraus was geworden ist, da bin ich nicht involviert.

Sabrina Reiter liegt am Boden.

Eine Remake-Anfrage aus den USA gab es also noch nicht?

Nein. (lacht) Das glaube ich auch nicht, dass da was kommt. Man muss bescheiden bleiben. Aber es wird sicher sehr interessant zu beobachten sein, wie sich der DVD-Start im deutschsprachigen Raum so verhält, wenn der Film im Frühjahr erscheint. Die Verkaufszahlen in Deutschland werden dann sicher auch einen Einfluss auf den Weltbetrieb haben.

Oft werden Regisseure eines Originals von den Studios gefragt, ob sie das Remake ihres eigenen Films vielleicht selbst inszenieren möchten, zum Beispiel bei „Funny Games“ Michael Haneke oder bei „The Grudge“Takashi Shimizu. Wäre so etwas auch für Dich interessant oder langweilt Dich der Gedanke eher, Deinen eigenen Film noch einmal mit amerikanischen Schauspielern zu drehen, um ihn für die breite Masse zugänglich zu machen?

Man muss sagen, ein Remake von dem Film wird es ja so nie geben. Ein Film ist in seiner Entstehung immer einzigartig. Ich würde mir das sicher gut überlegen, ob ich mir diese Tortur noch einmal geben würde. Auf der anderen Seite war ich drei Jahre lang drüben in den Staaten und weiß, wie da gearbeitet wird. Es ist natürlich eine andere Art und Weise, wie dort gearbeitet und produziert wird. Und das würde mich sicher reizen. Es ist mehr Geld da, es ist mehr Zeit da und es sind natürlich andere Schauspieler am Start. Aber die Einzigartigkeit von unserem Lokalkolorit und so weiter würde dann in einer gewissen Weise auch verloren gehen. Daher ist „One Way Trip 3D“ in der Art, wie er jetzt ist, für uns einzigartig im deutschsprachigen Raum. Wenn die Amerikaner das ausprobieren wollen, dann bin ich sicher dabei. Jeder Meter Film, den man machen darf, ist ein Geschenk. Und das muss man annehmen.

Auf blutige Tatsachen müssen Genrefans auch hier nicht verzichten.

Euer Film wurde bereits während der Dreharbeiten oft mit dem britischen Horror-Slasher „Shrooms“ verglichen. Was möchtest Du deutschen Genreliebhabern sagen, die von „One Way Trip 3D“ nur eine Kopie dieses Films erwarten?

Es ist ja so, und das hat auch Drehbuchautor Bastian Zach mehrmals geschrieben und veröffentlicht, dass „Shrooms“ tatsächlich eine Produktion ist, die parallel gelaufen ist. Wir haben schon an unserem Film gearbeitet bevor „Shrooms“ da war. Dann kam der Film aber eben raus und musste man sich halt fragen, ob man nur deswegen wirklich alles über Bord wirft oder man bei der Sache bleibt die man hat und den Film mit den Geldern entwickelt, die einem zu Verfügung gestellt wurden. Das ist eigentlich der Hauptgrund gewesen. Aber unser Film ist anders als „Shrooms“, den ich jetzt nicht schlecht finde, weil er gleichzeitig rausgekommen ist. Es ist einfach eine eigene Produktion in England und wir sind eine Produktion in der Schweiz. Die Leute sollen sich ihr eigenes Bild bilden. Aber die Charaktere, die Auflösung und vor allem die Hintergrundgeschichte bei uns, wie alles ins Rollen kommt, ist grundsätzlich eine andere. Dass es dann mit „Shrooms“ verglichen wird, damit muss ich leben.

Du hast in Deiner bisherigen Zeit als Filmemacher immer wieder das Genre gewechselt. Wirst Du das auch in Zukunft so handhaben oder würde es Dich reizen noch mehr düstere Kost anzugehen?

Ich mache jetzt gerade den Film „Der Teufel von Mailand“ von Martin Suter. Der befindet sich zurzeit im Schnitt und läuft dann im September im ZDF. Es ist also ein Fernsehfilm. Ich habe gerne Spannung und ich unterhalte gerne Menschen. Und ich glaube, dass dies das Entscheidende ist. Ob ich sie nun zum Lachen oder zum Weinen bringe oder sie erschrecke, ist mir letzten Endes egal. Die Geschichte muss einfach stimmen und unterhalten können. Und „One Way Trip 3D“ ist insofern auch gelungen, weil der Film einfach gute Unterhaltung ist und Spaß macht. „Der Teufel von Mailand“ ist ein Psycho-Drama, Psycho-Thriller, wo auch wieder mit Ängsten und so Sachen gespielt wird. Das gefällt mir sehr gut. Ich würde also sicher wieder einen Horrorfilm drehen, wenn ein gutes Buch daherkommt. Aber ich würde mich genauso über eine Komödie freuen. Die würde dann sicher auch etwas dunkler und schwärzer werden als es normalerweise der Fall ist.

>> verfasst von Carmine Carpenito




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