Gehe ich richtig in der Annahme, dass Du die Erforschung übernatürlicher Phänomene deshalb begonnen hast, weil Du in der Vergangenheit selbst damit in Kontakt kamst?

Ja und nein. Ich habe als Kind zwar meine Erfahrungen damit gemacht, tatsächlich geforscht habe ich dann aber erst später ab dem College. Damals war ich noch Illusionist und mit der Zeit kamen dann immer mehr Leute auf mich zu, die behaupteten, irgendetwas Merkwürdiges würde in ihrem Haus vorgehen beziehungsweise ein Dämon hätte Besitz davon ergriffen. Also habe ich irgendwann damit angefangen mich zu fragen: ‚Also gut, wie wäre es denn, wenn wir solchen Fällen wirklich nachgehen und herausfinden, wie viel Wahrheit sich hinter diesen Phänomenen verbirgt?‘ Ich habe mich aber wirklich nie näher damit auseinandergesetzt, erst später als ich am College war.

Und als Du dann Anfragen dieser Art bekommen hast, wie habt Ihr entschieden, welche Fälle und Familien eine Untersuchung wert sind?

Also im Grunde haben wir damals alle parapsychologischen Ansätze studiert und aufgenommen. Ich habe gemeinsam mit einem Partner daran gearbeitet und wir haben niemanden abgewiesen, der nach Hilfe gesucht hat. Wir haben zu der Zeit alles untersucht. Später dann, als ich einer wissenschaftlichen Gruppe beigetreten bin, haben uns die Einsätze um den gesamten Globus geführt. Wir hatten es mit unzähligen Fällen und verschiedenen Arten von Phänomenen zu tun. Die Wissenschaftler, mit denen ich unterwegs war, entschieden sich dann aber zumeist für aktive Phänomene. Denn wir konnten keine Gruppe bis ans Ende der Welt schicken, wenn das Paranormale bei unserer Ankunft längst verschwunden war. Man wollte keine möglichen Beweise, sondern Fälle, bei denen das Phänomen auch tatsächlich aktuell präsent war. Die Aufträge wurden daher sehr präzise selektiert. Jahre später und nach meinem Austritt habe ich angefangen als Berater zu fungieren. Viele Anfragen trafen von Doktoren, Priestern, verschiedenen Orden und manchmal auch von Unternehmen ein. Ich tue das überwiegend um Menschen zu helfen, denn solche Erfahrungen verursachen echte Traumata.

Für Kinder oder eine Familie kann es kaum etwas Schlimmeres geben. Ich sitze hier momentan in einem Haus, das erst kürzlich von einem Paar bezogen wurde. Sie blieben nur zwei Tage hier und sind dann geflüchtet, weil sie paranormale Aktivitäten verspürten. Vor der Abreise haben sie mich dann hinzugezogen, damit ich die Räumlichkeiten genau untersuchen kann. Ich halte mich jetzt seit 24 bis 30 Stunden in diesen Räumlichkeiten auf und es lassen sich in der Tat Poltergeist-Aktivitäten beobachten. So zittern zum Beispiel Türen und Fenster, die Lichter in der Mitte des Hauses spielen verrückt und außerdem fühle ich nach rund einer Stunde eine kleine Erschütterung, die um das Haus herum wandert. Ich kam aber vor allem her um den traumatisierten Bewohnern zu helfen. Manchmal muss ich solche Menschen auch auf eine Therapie hinweisen, weil sie diese Erlebnisse so sehr mitgenommen haben. Nach außergewöhnlichen Erfahrungen muss man irgendwie zur Normalität zurückfinden oder sich einfach durch Freunde ablenken.

Das Übernatürliche hat eine neue Familie heimgesucht.

Du betonst, dass sich rund 70 bis 80 Prozent der Fälle mit natürlichen Ursachen erklären lassen. Was ist mit den restlichen 20 bis 30 Prozent, wie viele dieser Fälle werden tatsächlich gelöst?

Die 20 bis 30 Prozent sind im Grunde der Beweis für das Übernatürliche. Aus wissenschaftlicher Sicht macht die Erforschung von Poltergeist-Aktivitäten, Außerirdischen oder Besessenheit bei einem Exorzismus wenig Sinn. Die ganze Wissenschaft bei solchen Fällen ist anormal und ergibt keinen Sinn. Wenn man dann aber endlich bei den 20 bis 30 Prozent angelangt ist, bei denen tatsächlich paranormale Aktivitäten zu verzeichnen sind, muss man auf jeden Fall über den sonst eng gesteckten Kreis und diverse Glaubensrichtungen und Kulturen hinaus denken. Es gab da zum Beispiel einen Fall, wo es einem Priester auch nach drei Tagen nicht gelungen war, an einem Besessenen einen erfolgreichen Exorzismus durchzuführen. Nach der Einweihung einer dritten Person mit anderem Glauben war das Problem in fünf Minuten gelöst. Solche Fälle kann man manchmal aber auch auf wissenschaftliche Weise lösen, da auch wir Dinge anwenden können, die Menschen von Besessenheit befreien können.

Die „Paranormal Activity“-Reihe erwies sich in den vergangenen Jahren als so erfolgreich, dass kein anderer Genrevertreter auch nur in die Nähe der Einspielergebnisse kam. Glaubst Du, dass der Erfolg vor allem durch das Ungewisse beeinflusst wird? Schließlich ist weit verbreitet, dass weder Werwölfe noch Vampire existieren. Wenn es aber um das Übernatürliche geht, scheinen sich sehr viele Menschen unsicher zu sein.

Es gibt zwei Gründe, die das erklären. Zum einen wird es die Art und Weise sein, wie diese Filme inszeniert sind. Die Tatsache, dass dieser realistische Stil verwendet wird, lässt beim Zuschauer das Gefühl aufkommen, echte Aufnahmen von irgendwelchen Leuten zu sehen. Das verändert für den Moment die Sichtweise auf das Medium. Wenn man den Film sieht, fängt das Gehirn an zu denken, es beobachtet etwas, das tatsächlich in der Realität passieren könnte. Wenn das Paranormale dann eintritt, sind die Schockmomente deutlich verstärkt, weil beim Zuschauer eine höhere Belastung erzeugt wird. Ich vermute, das hat eine Menge zum Erfolg der Reihe beigetragen.

Auf der anderen Seite ist es in der Tat die Materie an sich, da hast Du also absolut Recht. Das Thema paranormale Aktivitäten ist überall auf der Welt weit verbreitet. Die Menschen glauben an Geister, an das Leben nach dem Tod und das Übernatürliche im Allgemeinen. Ich meine, diejenigen, die sich solche Filme ansehen, tun das in erster Linie natürlich der Unterhaltung wegen. Aber ich bin mir sicher, dass einige von ihnen auch deshalb so interessiert daran sind, weil sie an solche Phänomene glauben oder sich sicher sind, dass es Dinge gibt, die sich nicht erklären lassen. Viele Menschen sind überzeugt davon, dass außerhalb unserer Atmosphäre noch anderes Leben existiert, und deshalb hat die Reihe auf breiter Basis Erfolg.

Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Nachbarsjungen?

Gab es denn Fälle, wo eine Familie von einem übernatürlichen Wesen von Haus zu Haus verfolgt wurde?

Ja, solche Fälle gibt es tatsächlich. Sogar in Deutschland gab es sie, und ich habe auch schon in Städten wie Köln, München, Frankfurt und Düsseldorf geforscht. Es gab da diesen einen Fall, wo ein Pärchen - zuerst die Frau, dann der Mann - mit einem unbekannten Etwas in Kontakt trat, das sie gar nicht sehen konnten. Es hat sie wortwörtlich angegriffen! Sie sind auf der Stelle umgezogen und in ein Hotel gegangen. Doch das Wesen ist auch dort aufgetaucht. Seither waren sie stets auf der Flucht vor diesem Phänomen. Sie sind schließlich bis in eine andere Stadt in Europa umgezogen, wo sie das Übernatürliche dann endlich auch in Frieden ließ. Bis ich so weit aufholen konnte, waren sie schon in Frankreich.

Es begann also in Deutschland, aber diese Poltergeist-Aktivität hat sie quer durch Europa gejagt. Es gibt also Phänomene, die auf diese Weise geschehen. Solche Fälle erweisen sich aber immer als besonders schwierig, weil man eigentlich nicht versuchen sollte, dieses Etwas zu finden, denn man hat es mit einer Sache zu tun, die man viel zu wenig kennt. Durch frühe Forschungsarbeiten kann man immerhin schon versuchen zu definieren, um was es sich denn dabei genau handelt, ob nun ein Gespenst, Poltergeist oder doch etwas anderes. Bevor man sich einer solchen Sache annähert, muss man fest definieren, alles verknüpfen und sich die Möglichkeit offen halten, dass das Phänomen sich ständig wandeln kann.

Gibt es einen bestimmten Grund dafür, weshalb immer „nur“ einzelne Familien oder Paare dem Übernatürlichen zum Opfer fallen und Menschenmassen, zum Beispiel in einer Mall, verschont bleiben?

Es kommt durchaus vor, dass einer größeren Gruppe von Menschen ein Erlebnis dieser Art widerfährt. Es ist immer wieder leicht zu sehen, wie so was abgewiesen und als ungewöhnlicher Sturm dargestellt wird, der ein kleines Einkaufszentrum erfasst. Das ist ein ziemlich simpler Prozess, paranormale Phänomene abzuweisen. Ich denke nicht, dass irgendeine Regierung mit Poltergeist-Geschichten an die Öffentlichkeit treten möchte, also erfinden sie lieber etwas und machen beispielsweise einen Sturm dafür verantwortlich. Manche Dinge sind allerdings unerklärlich, wie eben diese Geschichte über das Pärchen aus Deutschland, welches flüchten und ins Ausland gehen musste. Da gab es zum Beispiel keinen Grund, wieso es das tat. Viele kommen dann schnell auf den herkömmlichen Gedanken, dass es sich um jemanden handeln muss, der in unserer Welt gefangen ist oder dass irgendetwas Dämonisches oder Böses dahinter steckt. Wenn etwas Übernatürliches passiert, dann bedeutet das aber nicht automatisch, dass auch etwas Böses am Werk ist. Oft passiert etwas, obwohl man bestimmten Personen nicht bewusst schaden will. Sie sind oft nur zur falschen Zeit am falschen Ort, wenn das Phänomen auftritt.

Verstörende Erlebnisse werden auf Video aufgenommen.

Viele Menschen suchen bewusst den Kontakt und versuchen diesen unter anderem mit dem Hexenbrett herzustellen, so wie es auch die Charaktere aus „Paranormal Activity“ ausprobiert haben. Da es überall als Spiel verkauft wird: Ist es tatsächlich nicht mehr als ein Spaßobjekt oder wurden dadurch tatsächlich schon erfolgreiche Verbindungen zu Zwischenwelten aufgebaut?

Eigentlich ist es wirklich nur ein Spiel. (lacht) Aber die Absicht, mit etwas kommunizieren zu wollen, das über uns steht, ist eine total andere Angelegenheit. In antiken Zeiten war es mitunter die Wahrsagerei, die sich mit der Metaphysik auseinandersetzte. Das war ihre Methode, mit dem in Kontakt zu treten, was eben nicht greifbar ist. Es wurden auch Spiegel eingesetzt. Das Hexenbrett wurde erst sehr viel später entwickelt und, wie Du bereits sagtest, nur als Spiel produziert und als witzige Möglichkeit der Kommunikation eingeführt. Irgendwie öffnet man aber trotzdem Türen damit. Es muss nicht immer etwas Übernatürliches dabei entstehen, aber es hat sicherlich einen unbewussten Einfluss.

Ich kann Dir dazu ein gutes Beispiel nennen, denn es gibt da eine Sache, die nennt sich RSPK - Recurrent Spontaneous Psychokinesis (Poltergeistphänomene als wiederkehrende spontane Psychokinese). Und Telekinese bedeutet bekanntlich, die Fähigkeit zu besitzen, Gegenstände um dich herum bewegen zu können. Während Du und ich nun miteinander reden, könnte einer von uns irgendetwas in Bewegung setzen, ohne dass wir uns dessen bewusst wären. So etwas passiert aufgrund von Überlastungen. In manchen Fällen dieses Phänomens, zum Beispiel beim Einsatz eines Hexenbretts, werden tatsächlich das Brett oder andere Dinge in Bewegung gesetzt. Allerdings nicht, weil sich ein Geist im Raum aufhält, sondern einer der Beteiligten die RSPK auslöst.

Muss man an übernatürliche Phänomene glauben, um sie wahrhaft zu erleben?

Das ist eine gute Frage. Lass mich Dir darüber folgendes erzählen: Nach meiner Tätigkeit als Illusionist war ich sehr skeptisch. Als ich mich dem wissenschaftlichen Team anschloss, haben sie uns dazu ermutigt, offen für alles zu sein, gleichzeitig sollten wir aber auch keine Gläubigen werden. Sie glauben an eine Sache, die man den Beobachter-Effekt nennt. Das bedeutet, dass deine eigene Befangenheit deine eigene Umgebung verändert. Wenn man also an einen Ort geht und dort als Gläubiger paranormale Phänomene studiert, dann ist das das Schlimmste was passieren könnte, da Du diese paranormalen Phänomene produzieren könntest oder Du dir psychologisch vorstellst, sie könnten passieren. Skepsis wäre aber auch ein Hindernis und zwar für die wissenschaftlichen Beobachtungen, da sich deine Befangenheit auf die andere Umgebung überträgt.

Man könnte also Dinge verpassen. Es gibt da ein Phänomen, welches den Namen Confirmation Bias (Bestätigungsfehler) trägt. Dabei handelt es sich um ein psychologisches Phänomen, bei dem man glaubt, etwas hätte deine Erlebnisse beeinflusst. Das Beste, was man als Wissenschaftler tun kann, ist, alles aus objektiver Sichtweise zu erforschen. Und genau das hat man uns beigebracht, als ich damals zur wissenschaftlichen Gruppe gestoßen bin. Wir haben uns immer nur um das aktuelle Phänomen gekümmert. Es ist aber ganz egal, ob man nun daran glaubt oder nicht: das Paranormale passiert. Wie Du das ganze wahrnimmst, liegt dann allerdings an Dir. Denn wenn du die Tatsache ablehnst oder verweigerst, dass es tatsächlich passiert, dann macht das dein Verstand irgendwann nicht mehr mit.

>> verfasst und geführt von Carmine Carpenito




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