Paranormal Activity 4Jason, zunächst einmal folgende Frage: Die „Paranormal Activity“ Filme erzeugen durch kleine Mittel, zum Beispiel schließende Türen, Schatten, das Bewegen von Bettdecken, gruselige Augenblicke. Wieso scheinen solche Szenen beim Zuschauer mehr Grusel auszulösen, während größere Produktionen mit erzwungenen Boo-Schockern und dem Einsatz lauter Musik keinen Erfolg haben?

Ich denke, in „Paranormal Activity“ verbringen wir eine Menge Zeit damit, eine Geschichte zu erzählen, in welcher die Zuschauer die emotionale Reise der Charaktere hautnah miterleben. Die Gruselszenen stehen da erst an zweiter Stelle und ob sie funktionieren, hängt sehr davon ab, auf welche Weise eine Geschichte erzählt wird. Wenn ein Publikum an dem beteiligt ist, was auf der Leinwand passiert, sind die Gruselszenen, so simpel sie auch sein mögen, sehr viel effektiver.

Auch eure Reihe zählt mittlerweile vier Filme. Was glaubst du, wie weit man mit dem Franchise noch gehen kann? Habt Ihr bereits über ein Finale nachgedacht?

Da habe ich keine Ahnung. Wir machen immer einen Film nach dem anderen und warten zunächst ab, wie dieser aufgenommen wird. Als wir damals den ersten Film gemacht haben, hätte ich vor dem Kinostart niemals erwartet, dass wir jemals einen zweiten Teil drehen würden. Ich habe also wirklich keine Ahnung, wie sich das beim neuesten Ableger verhalten wird.

Die Fortsetzungen erscheinen jeweils mit jährlichem Abstand. Entsteht da kein Zeitdruck oder sind zwölf Monate tatsächlich genug für einen kleineren Genrevertreter wie „Paranormal Activity“?

Ich würde sagen, die Antwort auf diese Frage lautet: Ja, zwölf Monate sind genug Zeit, da es sich, wie Du es bereits selbst erwähnt hast, um Produktionen im kleineren Rahmen handelt. Aber der Druck ist trotzdem enorm, definitiv.

Das Übernatürliche hat eine neue Familie heimgesucht.

Nachdem klar war, dass eine Fortsetzung zum Original her muss: Stand denn jemals zur Debatte, sich vom Found Footage-Stil zu verabschieden und einen normalen Horror-Thriller mit gewöhnlichem Filmlook umzusetzen?

Wir hatten damals ganz viele verschiedene Ideen, was die Fortsetzung betraf. Es war uns aber immer klar, dass es wieder ein Found Footage-Projekt werden würde. Ich fand, dass das einfach zur Sprache von „Paranormal Activity“ gehört und unsere Sequels nach dem Muster gestaltet werden sollten. Und so waren wir der Ansicht, dass das Sequel auch diesen realistischen Touch haben muss, weil es sich gerade dabei um ein entscheidendes Stilmittel im Erstling handelte.

Glaubst Du, „Paranormal Activity 2“ hätte auf diese Weise einen ähnlichen Effekt auf das Publikum gehabt wie damals „Book of Shadows: Blair Witch 2“?

Ja, ich denke, das hätte es tatsächlich.

Henry Joost und Ariel Schulman, die Regisseure von „Paranormal Activity 4“, haben betont, sie würden gerne die Mythologie des Dämons ausweiten und bis zu den Ursprüngen verfolgen. Riskiert man damit nicht eine gewisse Auflösung des Mysteriums?

Doch, ich glaube schon. Wir versuchen jedoch zu erzählen ohne zu viel zu verraten. Das ist einer dieser großen Fehler, die sehr viele moderne Horrorfilme machen. Sie zeigen einfach zu viel. Je mehr man enthüllt, desto weniger beängstigend ist es.

Seit dem Erfolg von „Paranormal Activity“ setzen nun immer mehr Major Studios preiswerte Genrevertreter um, die breit in den US-Kinos gestartet werden. Würdest Du sagen, Euer Film hat jungen Talenten, die ewig auf ihre Chance gewartet haben, so manche Tür geöffnet?

Ja, auf jeden Fall. Der Erfolg des ersten Films hat gezeigt, dass man mit einer großartigen Idee auf den Einsatz von zu viel Technologie verzichten kann. Der Film war sehr viel preiswerter als man es eigentlich gewohnt ist. Wenn Du also talentiert bist und eine originelle Idee hast, besteht die Möglichkeit, dass dein Projekt irgendwann der Welt präsentiert werden kann. Zwischen Entstehung und Kinostart des ersten „Paranormal Activity“ Films mögen zwar zweieinhalb Jahre gelegen haben, aber er hat es letzten Endes dann trotzdem auf die großen Leinwände geschafft.

Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Nachbarsjungen?

Dann sind Erfolge wie die von „Paranormal Activity“ oder „Insidious“ auch eine Art Beweis, dass es dem Horrorfilm-Publikum weniger um Effekthascherei und viel eher um intimere Elemente geht, die auch ohne Millionen schwere Produktionskosten realisierbar sind? Schließlich wurden 2012 noch deutlich weniger Remakes als in den Jahren zuvor, dafür aber mehr Filme basierend auf einem völlig neuen Konzept gezählt.

Ja, ich denke, das ist wahr. Die Filme haben bei den Studios sicherlich einen kleinen Effekt erzielt und der Annahme, Kinogänger würden auf originale Ideen nicht anzusprechen sein, wirkungsvoll entgegengesetzt, dass es eben doch anders sein kann. Es gibt natürlich viele Leute, die nach wie vor Remakes sehen wollen, aber es existiert nun auch viel Platz für diejenigen, die an originalem Filmstoff interessiert sind.

Als Produzent bist du für diese aktuelle Erfolgswelle mitverantwortlich und sicherlich auch stolz darauf.

Ich bin ziemlich glücklich und wirklich sehr stolz darauf, auch weil es mir sehr viel Spaß bereitet. Jedes Jahr treffen wir uns wieder gemeinsam in einem Raum, um weitere solcher Projekte zu entwickeln und so etwas finde ich sehr erfreulich.

Deine kommenden Projekte lassen sich kaum an zwei Händen abzählen - ob nun „Jessabelle“, „Mockingbird“, „Dark Skies“ oder „Vigilandia“. Welche Trends siehst du selbst für die Zukunft des Genres? Kann der Found Footage-Trend dauerhaft erfolgreich sein?

Die meisten Filme, an denen ich zurzeit arbeite, werden nicht im Found Footage-Stil gedreht. Ich denke jedoch, dass diese Art von Film immer irgendwie um uns herum sein wird, auch wenn es sich sicherlich auf wenige Produktionen begrenzen wird, die auch wirklich Gebrauch von dieser Richtung machen können. Denn ich denke, dass sehr viele Geschichten nicht funktionieren, wenn man sie als Found Footage umsetzt.

Verstörende Erlebnisse werden auf Video aufgenommen.

Du arbeitest außerdem an der Umsetzung von „Ouija“. Bis vor kurzem war die Rede von einer 100 Millionen Dollar Produktion, mittlerweile wurde aber auch dieses Projekt als Low Budget-Adaption bestätigt. Kannst Du beschreiben, wie es zu dieser drastischen Änderung kam?

Beim Abkommen, das Universal Pictures und ich eingegangen sind, haben wir beschlossen, aus „Ouija“ einfach einen unheimlichen Low Budget-Horrorfilm zu machen, der auch mit niedrigen Kosten umgesetzt werden kann. Mit der ursprünglichen Idee hätte sich die Produktion in ganz andere Dimensionen bewegt. Das wäre dann wirklich ein ganz großer Film geworden. Die Jungs von Platinum Dunes, Hasbro und ich haben gemeinsam daran gearbeitet. Universal Pictures kam schließlich auf uns zu und fragte, ob es denn keine Möglichkeit gäbe, auch eine Adaption auf kleinerem Fuß zu drehen. Wir haben die Geschichte daraufhin abgeändert und anschließend eine völlig neue Handlung entwickelt. Es wird nun ein ganz anderer Film werden, dafür aber ein sehr viel kostengünstigerer.

Du warst auch in „The Amityville Horror: The Lost Tapes“ involviert, der allerdings keinen US-Kinostart mehr hat und um den es generell wieder sehr ruhig geworden ist. Wird das Projekt noch realisiert?

Wir befinden uns da immer noch in der Entstehungsphase. Zurzeit sind wir mit dem Drehbuch beschäftigt. Bei diesem Projekt arbeiten wir mit Dimension Films zusammen. Die Chancen stehen aber gut, dass wir den Film noch machen können, allerdings noch nicht jetzt, weil das Drehbuch eben noch nicht soweit ist.

>> verfasst und geführt von Carmine Carpenito




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