Silent Hill 2Bevor wir beginnen, würde ich gerne erfahren, ob du mit den Spielen schon vor deiner Verpflichtung vertraut warst.

Ja, ich habe die Spiele zu diesem Zeitpunkt bereits gekannt und sie gespielt, als ich noch jünger war. Damals haben sie mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt. (lacht) Ich habe sie über einen ziemlich langen Zeitraum gezockt, allerdings würde ich jetzt nicht unbedingt sagen, dass sie eine große Rolle in meinem Leben gespielt haben. Als es um den Film ging, war ich mir dessen bewusst, was mich da erwartet.

Hast du dich in irgendeiner Weise verpflichtet gefühlt? Immerhin verkörperst du mit Vincent eine aus „Silent Hill 3“ stammende Figur.

Eigentlich nicht. Ich kann leider nicht zu sehr ins Detail gehen, weil ich das nicht darf, aber für mich fühlt sich der Charakter aus dem Film anders an und nicht so wie jener aus dem Spiel. Er wurde umgeformt. Wenn sich Fans der Vorlage unseren Film ansehen und denken, meine Figur würde auf dem Vincent aus dem Videospiel basieren, kann ich nur von diesem Gedanken abraten, weil es sich um eine komplett andere Persönlichkeit handelt. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass ihnen die Umwandlung zusagt. Aber nein, ich habe mich nicht dazu verpflichtet gefühlt, die Figur aus der Vorlage zu porträtieren.

Der Vergnügungspark mutiert zur reinen Geisterbahn.

Also gab es keinen Druck am Set um den hohen Erwartungen der Film- & Spielfans gerecht zu werden?

Also so wie ich das damals miterlebt habe, gab es eigentlich keinen Druck, nein. Wobei es sicherlich trotzdem eine gewisse Belastung mit sich bringt, wenn man an einem Film arbeitet, der von einer bereits vorhandenen Fangemeinde verfolgt wird. Aber wenn du dich zu sehr an diese Tatsache klammerst, kommst du nie dazu, einen Film zu machen. Man muss das in diesem Moment einfach vergessen können. Doch wie gesagt, bei uns gab es keinen Druck am Set, was das angeht.

Macht es für dich als Schauspieler einen Unterschied, ob deine Figur aus einem Videospiel wie „Silent Hill“ oder einem Roman wie „Game of Thrones“ adaptiert wurde? Du hast ja selbst betont, dass du dich gerne mit der ursprünglichen Quelle und Figur auseinandersetzt.

Oh ja, da existiert tatsächlich ein Unterschied. Bei „Game of Thrones“ habe ich mich zum Beispiel extrem umfassend mit der Vorlage beschäftigt, weil ich einfach mehr über Jon Snow erfahren wollte. Ich fand das treu und richtig, weil mir klar war, dass der filmische Jon auf dem Jon aus dem Buch basiert. So war es mir dann auch möglich, mich nahe an der Buchversion zu orientieren, um diese Figur in bewegter Form darstellen zu können. Aber im Fall von „Silent Hill: Revelation“ war das ganz anders, weil mir da ziemlich schnell bewusst wurde, dass man den Charakter aus der Vorlage gar nicht übernehmen wollte. Für mich bedeutete es somit eine andere Herangehensweise. Ich habe mich auch gar nicht näher mit der Figur aus der Vorlage befasst, da es mir nicht weitergeholfen hätte, weil er eben anders ist. Das war in dem Fall dann auch der wesentliche Unterschied zwischen einer Roman- und einer Videospielverfilmung.

Kann Heather ihren Freund noch in letzter Sekunde retten?

Und wie stehst du zu solchen Abweichungen? Wie viel darf man als Filmemacher aus der Vorlage streichen und wann wird man der originalen Materie gegenüber ungerecht?

Man muss in Film und Vorlage zwei unterschiedliche Unterhaltungsmedien sehen. Wenn sich Leute darüber aufregen, weil eine Adaption nicht der eigenen Vorstellung entspricht oder ihrer Meinung nach einfach falsch angegangen wurde, so kann ich diese Aufregung nicht ganz nachvollziehen. Ich meine, wenn du den Film nicht gut findest, dann findest du ihn eben nicht gut. Als Fan der Vorlage solltest du dir die Adaption ansehen und wenn sie dir dann missfällt, dann ist es leider so.

Trailer und Bilder versprechen einen schaurigen Ausflug nach „Silent Hill“. War diese Atmosphäre auch während der Dreharbeiten zu spüren?

Ja, das war wirklich klasse! Besonders deswegen, weil speziell bei den Kreaturen nicht so viel CGI eingesetzt wurde und wir mit richtigen Schauspielern arbeiten konnten, die in ihre Kostüme geschlüpft sind. Das war eine tolle Sache, weil es uns natürlich sehr in unserer Arbeit unterstützt. Michael (J. Bassett) wollte, dass sie so real wie möglich wirken, während wir direkt auf ihre Handlungen eingehen und reagieren konnten. Das finde ich schon ziemlich einzigartig an unserem Film, denn in vielen aktuellen Produktionen, speziell im Horror-Genre, wird mittlerweile vermehrt mit CGI gearbeitet. In „Silent Hill 2: Revelation 3D“ wirken die digitalen Szenen nicht überladen, weil sie wohldosiert und vergnüglich sind - eben auch weil der Rest des Films ganz ohne diese Elemente auskommt.

Ein unbekanntes Monster hat seine neuesten Opfer anvisiert.

Glaubst du, dass klassische Monster-Effekte auch zukünftig ein fester Bestandteil bleiben?

Ja, ich glaube schon. Wobei CGI natürlich ebenfalls funktioniert, wenn es richtig eingesetzt wird. Das kann also durchaus auch effektiv sein. Aber in einigen Fällen wird es eben leider überstrapaziert. Wenn sie dir eine Sache, egal ob eine Kreatur oder etwas anderes, immer und immer wieder zeigen, dann wird es auf Dauer einfach langweilig und du verlierst das Interesse daran. Ich fand es schon faszinierend, im Fall von „Silent Hill“ mit richtigen Schauspielern und Gegenständen gearbeitet haben zu dürfen.

„Game of Thrones“ war dein Einstieg ins TV- und „Silent Hill 2: Revelation 3D“ jener ins Kino-Format. In beiden Fällen hattest du die Ehre mit Sean Bean zu arbeiten. Zufall?

Auf eine Weise war es natürlich ein reiner Zufall. Es war so, dass ich für den Film gecastet wurde und sich dann erwies, dass Sean (Bean) seine Rolle wieder aufgreifen würde, weil er bereits im Erstling zu sehen war. Es war also wirklich nur eine dieser witzigen Überschneidungen. Und es hat am Ende alles gut gepasst, aber letztlich habe ich meine Entscheidung wegen der zu spielenden Rolle getroffen.

Da du ja mit beiden Projekten deine ersten Erfahrungen als TV- & Filmschauspieler gesammelt hast: Gibt es bereits eine Tendenz, in welche Richtung es dich in Zukunft eher zieht?

Ich möchte weiterhin beides tun. Ich mag es, wenn ich einen Charakter studieren und erforschen kann. Ich fühle mich ziemlich gesegnet, eine Figur wie Jon über eine solch lange Zeitspanne begleiten zu können, weil sich das für einen Schauspieler sehr interessant gestaltet. Bei einem Film arbeitest du im Hier und Jetzt und wenn alles im Kasten ist, hast du mit dem Charakter abgeschlossen. Aber bei „Game of Thrones“ kann ich immer wieder zu Jon zurückkehren und ihn über Jahre hinweg vertiefen und weiterentwickeln. Ich empfinde das als sehr interessanten Prozess, zwischen den einzelnen „Game of Thrones“ Staffeln andere Projekte in Angriff zu nehmen, neue Charaktere zu verkörpern und mich anschließend wieder der Serie zu widmen.

Heather und Vincent versuchen Claudias Plan zu durchkreuzen.

Kommt das Genrekino dabei auch zukünftig in Frage?

Ja, auf jeden Fall! Ich nehme gerne Bücher aus diesem Bereich entgegen, weil mir „Silent Hill“ so viel Spaß bereitet hat. Und wenn man wieder mit so einem interessanten Projekt an mich herantritt, dann würde ich garantiert zurückkehren, ja. Aber es muss eben auch der richtige Film sein.

Du arbeitest zurzeit an „Seventh Son“, einer weiteren Adaption eines Romans. Hast du dich da auch schon im Vorfeld mit der Vorlage befasst?

Nein, in diesem Fall habe ich das leider nicht. Aber ich habe das sofort nachgeholt und das Buch gelesen, als wir mit dem Dreh angefangen haben. Ich spiele irgendwie immer in Adaptionen mit, aber ich finde das auf eine Weise ziemlich großartig.

Darfst du uns denn schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Film geben?

Also ehrlich gesagt kann ich leider noch nichts Konkretes über den Film erzählen, weil ich noch nicht weiß, ob ich zu diesem frühen Zeitpunkt bereits darüber sprechen darf. Aber ich kann sagen, dass es ein richtig toller Film wird!

>> verfasst und geführt von Carmine Carpenito




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