Game of WerewolvesWelchen Werwolf-Film magst du am liebsten? Abgesehen von deinem eigenen natürlich.

Wow. Die erste Frage und direkt ein Schlag ins Gesicht. (lacht) Da kann ich Dir nicht nur einen einzigen Titel nennen. Es gibt sehr viele großartige Werwolf-Filme. Ich liebe zum Beispiel „Wolfman“, also das Original, nicht das Remake. Ich liebe auch „American Werewolf in London“, „The Howling“ („Das Tier“) und „Dog Soldiers“, von dem ich denke, dass er einer der besten letzten Werwolf-Filme ist. Ich kann mir da nicht einen aussuchen, den ich am besten finde. Das wäre zu schwierig für mich.

Also gab es für deine Werwolf-Variante auch kein spezielles Vorbild?

Nein, nicht wirklich. Ich habe diesen Film gemacht, um meine Liebe zu den Horrorklassikern auszudrücken, wie diese von den Universal Studios. Einer meiner Lieblingsregisseure ist Jaques Tourneur, der ja „Katzenmenschen“, „Ich folgte einem Zombie“ oder auch „Der Fluch des Dämonen“ gemacht hat. Und auch die Filme mit denen ich aufgewachsen bin, liebe ich. Damals bin ich ins Kino gegangen und habe mir die Filme von Joe Dante und John Carpenter angesehen. Aus Liebe zu diesen ganzen Werken habe ich „Game of Werewolves“ inszeniert.

Welches schreckliche Geheimnis verbirgt sich in den unterirdischen Gängen?

Ich denke, dass man das in deinem Film auch sieht. Du hast nahezu ausschließlich Make Up-Effekte verwendet. Bist du kein Freund von CGI oder weshalb hast du nur wenige Computereffekte benutzt?

Das liegt nicht daran, dass ich kein Freund davon bin. Ich finde CGI großartig, wenn du genügend Geld hast und auch die richtigen Talente dafür. CGI ist super, um etwas darzustellen, das nicht anders umsetzbar ist, wie etwa die Kulissen in „Der Herr der Ringe“ oder die Effekte in „Avatar“, so etwas eben. Aber manchmal glaube ich einfach, dass sie CGI nur aus Budgetgründen verwenden, um eben Geld zu sparen. Das ist billiger als richtige Effekt-Teams zu bezahlen. Dann sagen sie einfach: „Weißt du was? Wir machen das später in der Postproduktion mit zwei Personen, das ist billiger.“ Aber wenn du dir die Werwolf-Transformationen in „American Werewolf“ ansiehst, ist das einfach großartig. Deswegen wollten wir unseren Film auch auf dem Oldschool-Weg mit Prothesen und Make Up machen. Einige sagen, dass wir das aus Geldgründen gemacht haben, aber das stimmt einfach nicht, weil reale Effekte viel teurer sind. Wenn man natürlich nur einen Werwolf hätte, wäre das alles nicht ganz so kostspielig, weil man das Make Up und die Prothesen dann nur einmal benötigt. Aber wenn du über 40 Werwölfe hast – das ist gar nicht so einfach. Der ganze Dreh hat etwa acht Wochen gedauert, davon haben wir aber drei in der Nacht gedreht, und davon viele große Werwolfszenen. Wir hatten 35 Make Up-Künstler dabei, weil wir es einfach so machen wollten. Und ich denke, dass dies die richtige Entscheidung war.

Wie viele Stunden mussten die Schauspieler in der Maske verbringen, um zu Werwölfen zu werden?

Wir hatten drei verschiedene Werwolf-Typen. Sechs oder sieben brauchten wir, um Naheinstellungen und Detailbilder zu drehen. Und diejenigen verbrachten ungefähr viereinhalb Stunden in der Maske. Und dann hatten wir noch etwa 15 oder 20 Werwölfe, die nicht ganz so detailliert ausgearbeitet waren. Die waren dann auch nur zwei oder zweieinhalb Stunden beim Make Up. Das waren hauptsächlich Darsteller in Affenkostümen, die lediglich im Hintergrund zu sehen sind. Man erkennt aber nicht, dass es sich eigentlich um Affen handelt (lacht)

Die Dorfbewohner sind bereit für den Kampf gegen die haarigen Bestien.

Horrorfilme aus Spanien sind sehr beliebt und erfolgreich in Europa. Wie erklärst du dir das? Was macht die spanischen Genrefilme so besonders?

Diese Frage wurde mir auf Festivals und in anderen Interviews schon einige Male gestellt. Ich weiß aber nicht so wirklich, warum das so ist. Einen Grund kann ich dir vielleicht nennen: Als Franco 1975 starb und die Demokratie nach Spanien kam, wurden erstmal überwiegend politische Filme oder Filme mit sozialen Themen und Komödien gemacht. Und all die Regisseur damals waren – ich will nicht sagen alt – so zwischen 40 und 50 Jahre alt. In den 1990ern kam dann aber plötzlich eine ganz neue Generation: Regisseure wie Juan Carlos Fresnadillo oder Álex de Iglesia. Und die kamen mit einem ganz anderen Hintergrund. Sie waren aus den 80ern, sind mit Spielberg-Filmen groß geworden. Und ich denke, dass diese Personen die Türen geöffnet haben für eine neue Sorte von Film. Und ich glaube, dass es da einen großen Moment gab für Horrorfilme aus Spanien. Filme zu machen in Spanien war immer sehr schwierig wegen des ganzen Prozesses, der Kosten und so weiter. Irgendwann haben sie dann die Filmfunds ins Leben gerufen und mittlerweile ist Spanien ein ziemlich guter Ort, um Filme zu machen, denke ich.

In „Game of Werewolves“ spielt Aberglaube eine große Rolle. Bist du selbst abergläubisch?

Einerseits bin ich das sicher nicht. Andererseits bin ich katholisch aufgewachsen – jetzt bin ich aber kein Katholik mehr. Aber ich bin 15, 20 Jahre meines Lebens auf eine katholische Schule gegangen und du kannst dir vorstellen, wie das ist. Weißt Du, vielleicht bin ich jetzt nicht mehr abergläubisch (lacht), aber in einigen Fällen gebe ich dennoch auf gewisse Dinge Acht. Und Galizien, wo wir gedreht haben, ist vielleicht der letzte Ort in Spanien, der diese magische Tradition von Hexen und Geistern hat. Da glauben sie daran, dass sich in einer Nacht des Jahres alle Geister des Ortes zu einer Parade versammeln, in den Ort ziehen und die Seelen der Bewohner mitnehmen. Das fanden wir sehr interessant und deswegen haben wir uns auch entschieden, den Film dort zu drehen. Spanien ist immer noch ein sehr abergläubisches Land mit vielen Brauchtümern.

Die Werwölfe schrecken auch vor Gesetzeshütern nicht zurück.

Hast du denn Reaktionen auf deinen Film von den Bewohnern Argas oder Galiziens mitbekommen?

Wir haben den Film nicht für oder in einer speziellen Stadt gemacht. Das geht auch gar nicht mehr, schließlich leben wir im 21. Jahrhundert. Selbst in der entlegensten Stadt findest du heutzutage einen Starbucks oder einen McDonald’s. Was wir gemacht haben ist so etwas wie eine Collage. Wir haben also verschiedene Dörfer genommen und aus den Bildern dann mit Plätzen und Stationen ein Gesamtwerk gemacht. Aber die Menschen haben es geliebt. Auch die, die als Statisten mitgespielt haben. Dafür haben wir Castings in den Dörfern gemacht, in denen wir auch gedreht haben. Ich wollte keine professionellen Darsteller, sondern besondere Gesichter. Da sind dann auch eben einige dabei, die niemals daran gedacht hätten, einen Film zu machen, wie zum Beispiel Bauern. Und dann waren sie für drei Wochen mit dabei und waren darauf sehr stolz. Und als wir den Film dann in Galizien vorstellten, kamen alle, um ihn zu sehen. Das war toll.

Warum hast du dich dafür entschieden, Comedy-Elemente mit in den Film zu nehmen und somit eine Horrorkomödie und nicht einen ernsten Horrorfilm zu machen?

Weil ich eine Herausforderung suchte. Das war für mich die eigentliche Herausforderung. Nicht unbedingt als Regisseur, sondern viel mehr als Autor. Es gibt bereits so viele gute Horrorfilme und für mich bestand die Herausforderung beim Schreiben darin, dass beide Genres miteinander funktionieren. Der Horror im Film ist durchaus ernst und der Witz entsteht erst aus den Reaktionen der Charaktere und der Situation, in der sie sich befinden. Und das ist eine ernsthafte Horror-Situation, und genau das wollte ich. Aber um ehrlich zu sein liebe ich Comedy. Comedy ist das Beste in der Welt. Lachen ist das Beste in der Welt. Vielleicht ist Sex etwas besser… Das ist jetzt mein dritter Film. Meine erste Arbeit war eine Komödie, die zweite ein Psychothriller, in dem ich aber auch nicht drum herum kam, ein bisschen Humor mit einzubauen. Und in diesem gab es dann eben wie gesagt die Herausforderung als Drehbuchautor, beide Elemente miteinander zu verknüpfen. Und ich denke, dass ich einen guten Weg gefunden habe. Da haben natürlich auch meine Einflüsse, über die wir eben schon gesprochen haben, mit reingespielt. „American Werewolf in London“ hat einen großen Sinn für Humor. Natürlich ist das noch längst keine Komödie, aber trotzdem gibt es viel zu lachen. Und so etwas wollte ich auch machen.

Die Arbeiten an „Game of Werewolves“ sind mittlerweile schon ein Jahr her. Welche Pläne hast du nun? Vielleicht ein Sequel? Ein Prequel? Oder gar eine Serie?

Nein, nein, nein. Kein Sequel, kein Prequel, nichts von all dem. Im Augenblick bin ich fertig mit Werwölfen. Es hat großen Spaß gemacht und war eine tolle Erfahrung und der Film hat mich sehr glücklich gemacht, auch weil er außerhalb Spaniens so gut ankommt. Er lief auf vielen Festivals und wurde in einige Länder verkauft. Das passt alles. Momentan bin ich in Frankreich und arbeite an einer Science-Fiction-Geschichte. Außerdem haben einige amerikanische Produzenten den Film in Los Angeles gesehen. Sie mochten ihn und ich habe mich mit ihnen getroffen. Vielleicht wird mein nächstes Projekt auch in den USA sein. Wir werden sehen. Das ist ein langer Weg bis dorthin. Aber vielleicht passiert es. Auf jeden Fall will ich versuchen, meinen nächsten Film in englischer Sprache zu drehen. Ich liebe mein Land und meine Sprache, aber manchmal ist die Sprache eine Barriere, um deinen Film einem großen Publikum vorzustellen. Nebenbei: Wie ist der deutsche Titel von „Game of Werewolves“?

Um den Fluch zu beenden, müssen ungewöhnliche Opfer gebracht werden.

Genauso wie der internationale: „Game of Werewolves“. Aber wir haben noch einen Untertitel.

Ah, interessant, weil das ja gar nicht der richtige Titel ist. Aber irgendwer meinte, wir sollten das in „Game of Werewolves“ umändern, warum auch immer.

Wahrscheinlich kann man diesen Titel besser verkaufen.

Ich hasse den Namen „Game of Werewolves“.

Welchen Titel hättest du für Europa gewählt?

Na, „Lobos de Arga“ natürlich. Das ist doch ein guter Titel für jedes Land.

Aber englische Titel versteht nun mal jeder.

Ja, aber „Game of Werewolves“ klingt für mich so nach „Game of Thrones“. Das ist so blöd. Da gibt es ja auch gar keine Spiele. Und vor allem war es meine Produktionsfirma, die sich dazu entschieden hat, den Titel zu ändern. Das war unser eigener Fehler.

Hast du denn nichts dagegen gesagt?

Doch, natürlich. Aber sie sagten mir auf einem freundlichen Weg „Fuck off“. (lacht) Du bist zwar der Regisseur und Autor deines Films, aber wenn der Film einmal fertig ist hast du keine Meinung mehr, die zählt. Es sei denn, du bist auch der Produzent.

>> verfasst und geführt von Janosch Leuffen




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