Du hast es versprochen„Du hast es versprochen“ repräsentiert das Spielfilmdebüt von Alex Schmidt. Ist man da als Schauspielerin besonders vorsichtig?

Mina Tander: In diesem Fall nein, weil uns Alex Schmidt wirklich die Möglichkeit gegeben hat, sie und ihre Herangehensweise kennenzulernen. Wir haben sehr viel geprobt und ich habe sogar schon vor dem Casting mit ihr telefoniert. So etwas ist auch eher selten, dass Regisseure dafür überhaupt offen sind. Deshalb konnte ich mich da schon sehr gut auf sie verlassen, weil ich auch einfach gemerkt habe, dass sie sehr gut gucken kann, was total wichtig ist als Regisseur für die Schauspieler.

Sie hat während eines Interviews betont, dass sie starke Frauen in Filmen sehr gerne sieht. Solche, die sowohl Opfer als auch Täter sind. Glaubst du, dass es sich für eine Frau schwieriger als für einen Mann gestaltet, eine solche Persönlichkeit glaubwürdig zu verkörpern?

Ich glaube nicht, dass das für die Frau, also die weibliche Schauspielerin, schwieriger ist. Ich denke einfach, es gibt nicht so viele Rollen in dieser Richtung. Und das ist es dann, was es schwierig macht. Dass man eben auch zwei Gesichter haben darf, aber trotzdem irgendwo sympathisch ist. Männer haben da oft ein viel größeres Rollenspektrum, wie zum Beispiel die der Bad Boys, die irgendwo aber auch toll und cool sind. Und so was gibt es bei Frauen sehr wenig.

Hanna ahnt nicht, welche Reise in die Vergangenheit ihr bevorsteht.

Also glaubst du, es liegt eher daran, dass viele Regisseure oder Produzenten eine solche Rolle einer Schauspielerin nicht so recht zutrauen?

Es gibt immer mehr, das muss man schon sagen. Es wächst auf jeden Fall, das Interesse an vielseitigen Frauenrollen. Aber ich glaube, da ist noch Aufbaubedarf. (lacht)

Du bist im wahren Leben auch Mutter, so wie im Film. War die Vorbereitung auf die Rolle deshalb einfacher für dich?

Ich bin ja erst seit einem Jahr Mutter und den Film habe ich davor gedreht. Und von dem her hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrungen als Mutter. Das war aber eigentlich sehr lustig, weil genau in dem Jahr als wir gedreht haben, habe ich noch zwei weitere Male eine Mutter gespielt. Irgendwie kam das also auch von beruflicher Seite auf mich zu. Aber selbst Erfahrungen auf dem Gebiet hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Musstest du dich in deiner Kindheit denn auch mit Mutproben beweisen, um in einer Clique dabei sein zu können?

Ich hatte eine Freundin, die sehr abenteuerlustig war. Und da gab es dann schon so ein paar Gespräche wie: „Komm, wir hauen einfach ab von zu Hause und gehen in den Wald und warten ab, ob uns die Erwachsenen finden“. Wir sind auch oft zusammen in den Urlaub gefahren. Und dann sind wir auch mal einfach so weggegangen. Da war ich acht, neun Jahre alt oder so, also ungefähr so alt wie die Mädchen im Film. Wir sind dann auch einfach in den Wald gelaufen und haben anschließend gehofft, dass wir gefunden werden. (lacht) Ich muss jetzt aber ehrlicherweise eingestehen, ich weiß nicht, ob wir von alleine zurückgekommen sind und es keiner wirklich gemerkt hat. (lacht) Aber für uns war es natürlich total abenteuerlich.

Welches dunkle Geheimnis umgibt die beiden Freundinnen?

Du hast erzählt, dass du unter anderem deswegen bei „Du hast es versprochen“ mitspielen wolltest, weil es sich auch von dem unterscheidet, was du normalerweise drehst. Ist es da für eine Schauspielerin besonders reizvoll in einem Genre mitzuwirken, welches in Deutschland eher selten produziert wird?

Ich finde schon. So ein differenziertes Buch war wirklich eine Ausnahme. Ich hatte, muss ich ehrlich sagen, bestimmt vor acht Jahren das letzte Buch in dieser Richtung überhaupt in der Hand. Ich hatte auch jetzt wieder ein tolles Buch, einen Genrefilm, in der Hand. Aber das war eben auch ein Männerfilm. Die Frauenrolle war dann wirklich kleiner. Es war also schon etwas Besonderes, so etwas überhaupt lesen zu dürfen, das stimmt schon.

Gäbe es denn für dich eine Grenze im Genrekino?

Naja, also ich finde, das ist schwierig, weil die Klassiker teilweise ja auch sehr blutrünstig sind. Ich kann nur sagen, wenn jetzt die Gedärme durch die Gegend fliegen und die Frauen nur schreien, dann hätte ich nicht wirklich Lust darauf. Das muss schon von der Rolle her interessant sein. Und wenn das stimmt, dann kann ich mir schon vieles vorstellen.

Dann wärst du also Filmen wie „Martyrs“ oder „Inside“, französische und von Alex Schmidt gern gesehene Genrevertreter, nicht abgeneigt, sofern eine Aussage hinter der Brutalität steckt?

Genau. Für mich geht es wirklich darum, dass das Drehbuch und die Figur für mich stimmig sind und mich interessieren. Mir geht es dann sehr um die Qualität der Geschichte des Buches und der Figur.

Mysteriöse Szenen spielen sich ab - was ist real?

Wo in „Du hast es versprochen“ liegt denn der eigentliche Horror für dich persönlich?

Schon in dieser Unsicherheit, auf welcher Ebene sich die Figur gerade befindet. Ich finde, das ist eigentlich das Spannendste daran. Nicht zu wissen, ob das denn jetzt ein Traum, Wirklichkeit oder übersinnlich ist. Das empfinde ich schon als das Spannendste. Ich finde auch, dass die Bilder sehr stark sind und gerade im Kino noch besser rauskommen. Aber der Horror liegt für mich wirklich in diesem schleichenden Prozess von Hanna, was wirklich geschehen ist und auf welcher Ebene sie sich gerade befindet, mit dem was sie sieht und an das sie sich erinnert.

Wie bereits angesprochen sehen wir dich im Kino normalerweise eher in Komödien wie „Männerherzen“ oder „Maria, ihm schmeckt’s nicht“. War die Umstellung ins Genrekino deshalb eher schwieriger?

Für mich gibt es eine Unterscheidung zwischen Komödie und Drama. Drama kann wirklich vieles sein, es kann Mystery sein, es kann ein Thriller sein, es kann Action sein. Für mich ist das alles eine Richtung. Nämlich, dass ich etwas nicht lustig, ironisch und mit Augenzwinkern betrachtend spiele. Das ist für mich eine andere Richtung. Und wenn ich gerade in dieser Richtung unterwegs bin, dann macht das für mich keinen großen Unterschied mehr. Dann ist es eine Inszenierungsfrage. Wenn der Regisseur jetzt möchte, dass ein bestimmter Blick stehen bleibt, weil das eben für einen Genrefilm sehr wichtig ist, dann mache ich das. Aber für meine Rollenentwicklung und die Frage, wie ich etwas spiele, ist das im Prinzip diese Richtung Drama. Und ich habe schon viele sehr ernste Sachen gemacht. Es ist aber einfach nur so, und ich merke das immer wieder in eigentlich fast jedem Interview, dass natürlich die beiden Komödien, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, einfach sehr viel erfolgreicher waren als andere ernste Filme. (lacht) Im Verhältnis mache ich auf drei oder vier Filme vielleicht eine Komödie und die ist dann im Kino einfach viel erfolgreicher. Von daher kann ich also nicht wirklich sagen, dass das für mich eine Umstellung war.

Kein Weg zurück - Hanna muss des Rätsels Lösung finden.

Es gibt Schauspieler, die es als schwieriger empfinden in einer Komödie zu agieren, weil sie das Publikum zum Lachen bringen müssen. Siehst du das denn auch so oder siehst du in einer ernsteren und intensiveren Rolle eher eine Herausforderung?

Eigentlich sind es genau die Sachen, die du angesprochen hast. Die finde ich in etwa gleich schwierig, gleich herausfordernd. Einmal die Intensität bei einem ernsten Stoff empfindend darzustellen, die seelischen Untiefen auszuloten, aber auch das Timing, welches ganz viel mit Humor zu tun hat. Lustiges hat ja auch ganz viel mit Timing zu tun. Die Leichtigkeit bei einer Komödie fällt mir nicht schwer, aber natürlich das Timing, eine „lustige“ Figur zu erschaffen, die Blicke und all so was bedarf schon viel Arbeit. Das sind alles verschiedene Herausforderungen, aber ich kann nicht sagen, welche davon ich schwieriger finde. Es ist aber wirklich großartig, dass ich beides machen kann. Weil ich denke, dass das vor ein paar Jahren noch gar nicht möglich gewesen wäre. Es ist also beides auf seine Art herausfordernd.

>> verfasst und geführt von Carmine Carpenito




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