Cockneys vs. ZombiesMatthias, euer Film beschäftigt sich mit einer Gruppe Pensionierter, die den Untoten den Krieg erklären. Ein in Hollywood eher untypisches Protagonisten-Team im Horror-Genre. Worin bestand der Reiz darin, die Geschehnisse aus ihrer Perspektive zu erzählen?

Mit „Cockneys vs. Zombies“ haben wir versucht, einen herzhaften Zombiefilm umzusetzen. Dieser Generationswechsel war da ein ganz toller Ansatzpunkt, um die Geschichte zu erzählen. Auch deshalb, weil ich in Ostlondon das Gefühl habe, dass die alte Generation praktisch vertrieben wurde und deren alten Werte nur noch sehr schwer zu finden sind. Und so wollten wir quasi diese „Old Cockneys“ einbringen, um speziell den jungen Menschen zu zeigen, wie man Probleme richtig anpackt und dass die Männer damals noch richtige Kerle waren. Nicht so wie die jungen Generationen von heute, zu denen auch ich gehöre. (lacht) Auf der einen Seite meint Hollywood natürlich, man solle nur junge Menschen für einen Film nehmen.

Auf der anderen Seite jedoch war der erfolgreichste britische Film 2012 „The Best Exotic Marigold Hotel“. Und der handelt auch von älteren Generationen. Ich glaube, das ändert sich auch. Wenn die Themen interessant sind, finden auch diese Filme ihr Publikum. Wir haben uns auch keine Gedanken darüber gemacht, ob das kommerziell Sinn macht oder nicht. Wir fanden die Idee dahinter einfach nur lustig, denn in einem Zombiefilm hat man bis jetzt noch keine pensionierten Leute gesehen, die mit Maschinengewehren herumballern.

Auf mich hat der Film sogar so gewirkt, als hätten gerade die älteren Generationen noch deutlich mehr Spaß gehabt als ihre jugendlichen Kollegen.

(lacht) Die ältere Generation hatte in der Tat extrem viel Spaß an dem Film. Auch aus dem Grund, weil sich selten für Schauspieler in diesem Alter die Gelegenheit ergibt, zu dritt oder zu viert miteinander agieren zu können. In vielen Fällen gibt es normalerweise immer nur eine Rolle zu vergeben, die von einem älteren Schauspieler verkörpert werden soll. Alle fünf Darsteller in unserem Film haben zusammen in etwa an die 250 Jahre Schauspielerfahrung. Sie haben super miteinander gearbeitet. Es hat ihnen sehr viel Freude bereitet, Actionhelden spielen zu dürfen. So eine Chance gibt es wirklich nur äußerst selten, weshalb am Set mit den älteren Schauspielern eine tolle Atmosphäre herrschte. Es war aber auch wunderbar anzusehen, wie toll sie mit den jungen Kollegen harmonierten. Sie konnten sich sozusagen gegenseitig inspirieren.

Nicht nur die alte Cockney-Generation weiß sich zu verteidigen.

Was muss man als Nachwuchsregisseur außerdem beachten, um einem neuen Vertreter aus dem mittlerweile angestaubten Subgenre zu frischen Impulsen zu verhelfen?

Das Zombie-Genre ist inzwischen fast schon zu einem eigenen Genre wie Thriller oder Romantic-Comedy verkommen. Das ist einfach ein Genre für sich. Wenn man einen Film auf diesem Gebiet machen will, muss man sehr gut aufpassen, dass man die Materie mit neuen Elementen erweitert. Der Ton von unserem Film ist eher actionreich, wie bei einem Abenteuer. Die Cockney-Helden sind etwas, was man noch nie in einem Zombiefilm gesehen hat. Für mich ist es auch keine Zombie-Komödie beziehungsweise Zomedy, sondern ein Zombie-Adventure, also ein Zomventure. Auf der anderen Seite war das eine frische Herangehensweise, weil die Rentner noch langsamer sind als die Zombies. Das hat dem Zombiegenre Szenen beschert, die neuwertig sind. Für mich hatte eine neu angelegte Tonalität Priorität.

Von der Fachpresse wird der Film auch als der würdige Nachfolger von „Shaun of the Dead“ bezeichnet. Ehrt oder stört dich sowas eher?

„Shaun of the Dead“ ist super! Ich finde es toll, dass viele Journalisten die beiden Filme nicht miteinander vergleichen und erkennen, dass „Cockneys vs. Zombies“ auf seinen eigenen Beinen steht. „Shaun of the Dead“ funktioniert als ZomRomCom, also als eine Art romantische Komödie mit Zombies. Unser Film ist wie gesagt vor allem als Adventure aufgebaut. Aber es ist natürlich trotzdem schön, dass einige Leute das so sehen.

Hereinspaziert - Untote finden einen Weg ins sichere Versteck.

Und das Abenteuer lässt auch nicht lange auf sich warten. Immerhin wissen die Charaktere sofort, was Zombies sind und dass sie sich nur mit einem Schuss in den Kopf töten lassen.

Genau! (lacht) Mir war es wichtig, dass wir in den ersten vierzig Minuten unseres Films die Charaktere nicht herausfinden lassen, dass es sich um Zombies handelt. Sie sollten sich von Beginn an im Klaren sein: „Zombies? Let’s go!“ (lacht) Es wäre zu schade gewesen, zu viel Zeit mit Erklärungen zu verschwenden. Etwa wie die Charaktere lernen, wie man Zombies umbringt oder dass es sich bei diesen langsam latschenden Dingern überhaupt um Untote handelt. Sie wissen in unserem Film von Anfang an Bescheid, weshalb wir die Geschichte rund um die Cockneys auch sofort weiterspinnen konnten.

Apropo Cockney: Hast du als Deutscher Bedenken, der Film könnte schwächer aufgenommen werden als er eigentlich ist? Immerhin trägt gerade der Cockney-Akzent einiges zum Humor bei, der bei der Synchronisation verloren geht.

Der Film spielt sehr viel mit dem Cockney-Akzent und viele der Witze sind auch von der Cockney-Kultur inspiriert. Aber es existieren ja noch zahlreiche andere Gags und auch die Performences der einzelnen Schauspieler sind sehr witzig. Das lässt sich schon gut in eine andere Sprache transportieren.

Und wie sieht es mit der Baby-Szene aus? Kam es da in der Vorproduktion zu irgendwelchen Zweifel oder gaben die Produzenten sofort ihr „Go“ für diese mutige Idee?

Diese „Zombie kick scene“ war eine Szene, die mir persönlich sehr am Herzen lag, da sie eine Hommage an „Braindead“ darstellt. Es ist eine meiner Lieblingsszenen. Die Produzenten hatten aber tatsächlich ein bisschen Angst, dass es Probleme damit geben könnte. Sie haben mich sogar gefragt, ob ich diese Szene nicht lieber aus dem Film schneiden möchte. Ich bin aber dickköpfig geblieben und habe geantwortet: „Vertraut mir, das wird eine der besten Szenen. Die muss drin bleiben!“ Und wir sind alle sehr glücklich, dass wir das auch wirklich durchgezogen haben. Aber selbst Drehbuchautor James Moran war sich zuerst nicht ganz sicher und hatte Bedenken, weil er bereits in der TV-Serie „Torchwood“ ein Baby überfahren ließ. (lacht)

Er hat deswegen damals über Twitter und andere Onlineportale auch sehr viele Hassnachrichten bekommen, weshalb auch er erst fragte, ob wir das mit dem Baby auch wirklich bringen wollen. „Auf jeden Fall“, habe ich gesagt. (lacht) Man sieht ja, dass das Baby zu einem Zombie mutiert war, bevor es gekickt wurde. Das deutlich zu machen, war dann meine Aufgabe als Regisseur. Ich habe von dem Baby auch keine Nahaufnahmen gemacht, um zu große Emotionen zu vermeiden. Die Herausforderung war es, die Szene richtig zu schneiden.

Die Cockneys werden von einer Horde Zombies überrascht.

Du hast gesagt, dass dich Horror-Komödien wie „Tanz der Teufel 2“ und eben auch „Braindead“ stark inspiriert haben. Könntest du dir denn trotzdem vorstellen, auch bei einem ernsten Genrevertreter Regie zu führen?

Also einen Mix zwischen ernst und übernatürlich könnte ich mir durchaus vorstellen. Aber ich mag ehrlich gesagt die lustige Seite beim Horror am liebsten. Man ekelt sich und ist schockiert, kurz darauf kann man aber schon wieder lachen. Es liegt auch in meiner eigenen Natur, dass ich mich selbst nicht ganz so ernst nehme.

Hast du denn schon ein neues Projekt in Aussicht?

Ja, ich arbeite zurzeit an einem Sci/Fi-Projekt.

Ein Geheimnis?

Es ist noch geheim, ja. Aber ich hoffe, ich kann demnächst eine offizielle Ansage machen.

Dann habe ich noch eine abschließende Frage an dich: Auf wen würdest Du bei einem Wettrennen setzen: Zombie oder Mr. Hamish?

(lacht) Hamish wird immer gewinnen! (lacht) Der menschliche Kampfgeist wird immer gegen einen Zombie siegen!

  • verfasst und geführt von Carmine Carpenito


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