JIM SONZERO - Interview

BlairWitch.de: Meine erste Frage: Wie empfandest Du und die Crew den Dreh in Rumänien?

Jim Sonzero: Die Menschen waren sehr, sehr nett, luden uns ein, und nahmen uns freundlich auf. Wie du weißt, spreche ich englisch, sie mussten also viel Energie aufwenden, um mit uns zu kommunizieren. Ich denke, sie machten ihre Arbeit gut, die Atmosphäre war fantastisch, sie kümmerten sich sehr um uns. Aber es war schwierig für uns, ein Bild von den USA in Rumänien zu erschaffen. Als wir dann drehten waren wir überrascht, weil wir fanden, dass wir einen Look für Teile Amerikas kreierten, aber wir mussten etwas Unheimliches erschaffen, etwas Deprimierendes, etwas Ödes, Tristes.


BlairWitch.de: Mit Kristen Bell, Ian Somerhalder und Christina Milian besteht ein Großteil der Cast bereits aus Mitgliedern, die sich in den Köpfen der Zuschauer auf eine bestimmt Rolle eingebrannt haben - beispielsweise Kristen Bell in Veronica Mars. Beeinflusste das Deine Wahl? Wenn ja, warum?

Jim Sonzero: Das Studio wollte unbedingt Kristen Bell. Aber ich war mir mit ihr in der Rolle nicht sicher, weil ich nach einer Schauspielerin suchte, die „kaputter“ aussah. Das Studio mochte sie jedoch sehr und als ich zum ersten Mal ihren Auftritt in dem Film „Spartan“ von David Mamet sah, war ich überzeugt, dass sie die Technik und die technischen Fertigkeiten besitzt, um die Rolle zu spielen. Sie ist sehr interessant. Wenn ich einen Close-Up mache, hält sie das Bild fest, kann über ihre Blicke kommunizieren und Emotionen auf das Publikum übertragen. Außerdem spiegelt sie die Angst und die ernüchternde Situation wider, die für die Rolle der Mattie von wichtiger Bedeutung waren.


BlairWitch.de: Kirsten Dunst war ursprünglich für den Charakter Mattie vorgesehen?

Jim Sonzero: Ich bin mir nicht sicher. Das muss gewesen sein, als ich noch nicht an dem Projekt beteiligt war. Eigentlich sollte Wes Craven bei dem Film die Regie übernehmen, aber er verstritt sich mit den Weinsteins wegen seines Projekts „Verflucht! (Cursed)“. Sie gaben bekannt, dass sie sich von Miramax trennen und Bob Weinstein übernahm Craven und sein Projekt. Und deshalb brauchte die Weinstein Company einen neuen Regisseur. Ich arbeitete mit ihnen schon an anderen Projekten, und sie boten mir an, „Pulse“ zu drehen. Ich nahm diese Gelegenheit wahr und griff zu. Die Story stand bereits, als ich dazu stieß.


BlairWitch.de: Vom Standpunkt der Wirkung und Intensität aus gesehen: In welcher Weise unterscheidet sich PULSE von KAIRO?

Jim Sonzero: Ich denke, es gibt große Unterschiede. Der größte ist, dass das Original KAIRO aus Japan kommt. So viel Einsamkeit mit esotherischen und unvollendeten Bestandteilen. KAIRO war sehr erfolgreich in der japanischen Sprache. Du darfst nicht zu schüchtern sein, das ganze Szenario für ein amerikanisches Publikum zu inszenieren und auch nicht zu schüchtern, um mit einem US-Studio zu kooperieren. Das amerikanische Publikum will für alles eine Erklärung und dann läuft auch der Vortest gut. Du musst eine logische Führung im Film haben. Deshalb mussten wir in der US-Version mit mehr Dingen klar kommen, zum Beispiel Gründe für Geschehnisse angeben, alles konkreter darstellen, dafür aber weniger esotherisch. Ich denke, KAIRO und PULSE sind zwei völlig verschiedene Filme. KAIRO handelt von Kommunikations-Computern und Dingen, die aus der Hölle, aus einer anderen Welt kommen. Sie haben jede Menge Energie, mit der sie durch das kabellose Internet in unsere Welt finden


BlairWitch.de: PULSE stand unter großem Druck, einem jüngeren Publikum zu gefallen und psychisch dennoch in die Vollen zu gehen. Welche Kompromisse musstest Du hier eingehen?

Jim Sonzero: Das war interessant, weil ich immer für einen R-Rated-Horrorfilm war und die Schockszenen so hart wie möglich haben wollte, aber das Studio war dafür, den Film mit einer PG-13-Freigabe zu versehen. Wir hatten also das R-Rating, aber das war dem Studio zu viel und sie nahmen einiges an Intensität heraus. Das größte Problem für die MPAA (Anm.: Freiwillige Selbstkontrolle der US) war, dass man Teenager im Film sah, die Selbstmord begingen. Und deshalb war der Film für sie R. Also mussten wir immer wieder einen Schritt zurück und dann wieder nach vorne gehen und aus dem Film die Intensität rausschneiden. Das Studio nahm einige Szenen aus dem Film, aber die Angst und die Atmosphäre blieben erhalten und wir denken, dass der Kern der Idee trotz der Kürzungen weiterhin besteht.


BlairWitch.de: Bei Testscreenings kam es speziell mit dem Finale in PULSE zu Problemen. Wie erklärst Du dir das?

Jim Sonzero: Es gab Probleme mit dem Ende, denn als dieser besondere Film in die Produktion ging, hatten wir noch kein fertiges Drehbuch. Wir begannen trotzdem zu drehen, was eigentlich nicht üblich ist für Hollywood. Und so entstanden verschiedene Enden, zwischen denen wir uns entscheiden mussten. Deshalb sicherten wir jedes. Wenn du als Regisseur einen Film beginnst, der noch kein fertiggestelltes Skript hat, dann sind dir für einen Moment die Hände gebunden. Ein intelligenter Regisseur dreht mehrere Enden und mehrere Szenen, damit du dir Optionen beim Schneiden offen halten kannst. Das war der Grund, warum das Ende von PULSE in der Testvorführung nicht funktionierte, doch dann fanden wir ein passendes, welches beim Publikum mehr Anklang fand.


BlairWitch.de: In PULSE sind die Klebebänder, die die Geister abhalten, rot. Auch in anderen Filmen wie „The Village“ spielt die Farbe rot eine wichtige Rolle. Was übt die Grundfarbe auf Dich für eine Wirkung aus?

Jim Sonzero: Die Sache mit den Klebebändern haben wir aus dem Original KAIRO übernommen, weil ich einige Dinge aus dem Original auf jeden Fall auch im Remake haben wollte.


BlairWitch.de: Wie entstand das Bild der Internet-Geister? Warum sollten sie genau SO aussehen?

Jim Sonzero: Wir verbrachten viel Zeit damit, die Kreaturen zu gestalten, und versuchten sie so zu kreieren, wie es in dieser Art noch keine gegeben hatte. Wir wollten sie nicht normal aussehen lassen. Die Idee war, dass die Geister durch das Wlan und eine böse Radio-Frequenz kommen. Sie versuchen, sich in die Realität zu integrieren und wenn sie einmal in der Realität sind, zerstören sie diese, weil sie merken, sich nicht intergrieren zu können. Es basiert alles auf dem logischen Punkt, dass sie durch diese virtuelle Schnittstelle kommen und sich nicht in der Realität manifestieren können. Und um sie angsteinflößend und schrecklich wirken zu lassen, entwarfen wir effektvolle Augen, die Gestalt ihrer Köpfe und fügten einige Details beim Aussehen ihrer Körper hinzu, um sie noch unwirklicher erscheinen zu lassen. Die Art, in der sie die Menschen attackieren, war ebenso wichtig.


BlairWitch.de: Welche Gefahren sehen sie für den Menschen in einer Welt, die mehr und mehr von technischen Geräten bestimmt wird?

Jim Sonzero: Ich denke, dass PULSE eine fragenstellende Fabel ist. Das Paradoxe an unserer Gesellschaft ist, dass wir immer mehr von der Technologie abhängig sind. Wir nehmen an, dass diese Welt uns miteinander verbindet und näher bringt, aber in Wirklichkeit verbringen wir mehr Zeit alleine und isoliert von der Außenwelt, mit allen möglichen Geräten, die aus Sound- und Text-Bytes bestehen. Aber das sind nicht wir, die einen Kontakt oder eine Schnittstelle zu Anderen herstellen, es sind die Maschinen, die darauf warten, dies zu tun. Das Paradoxe am Film ist also, dass uns die technische Welt eigentlich zusammenführen soll, aber genau das Gegenteil, nämlich Isolation und Einsamkeit, erzeugt. Wir leben in einer kalten, technischen Welt mit all dem Handel und den Illusionen von „High Life“ und dem digitalen Lebensstil wie zum Beispiel mit MySpace. Schau dir nur an, was wir tun.


BlairWitch.de: Wie sieht Deine Zukunft nach PULSE aus?

Jim Sonzero: Sie sieht sehr gut aus. Ich schaue mir im Moment verschiedene Projekte an, zum jetzigen Zeitpunkt kann ich noch nicht genau sagen, wovon sie handeln. Eines ist ein Science-Fiction-Film, ich werde auch einige Filme machen, die sich direkt auf das Internet beziehen und sehr cool sind. Natürlich werde ich auch weiterhin Werbespots drehen. Ich bin sehr aktiv und bin gespannt, was mein nächstes Projekt sein wird. PULSE war für mich als Regisseur auf jeden Fall eine großartige Erfahrung und ich freue mich auf die nächsten Projekte.

 

Interview: Janosch Leuffen

 

STECKBRIEF JIM SONZERO

Geburtsdatum06.11.1961
GeburtsortChicago
Land, in das Du gern reisen würdest?Brasilien
Ort, an den Du niemals reisen würdest?
Irak
Song, der Dein Leben veränderte?
"The Wall" von Pink Floyd
Wenn nicht Filmemacher, welchen Beruf würdest Du dann ausüben?
Drehbuchautor
Person, die Du gern treffen würdest?
George Bush
Monster, vor dem Du als Kind am meisten Angst hattest?
Monster aus "Die schwarze Lagune"
Film, den Du in diesem Moment gern sehen würdest?

Suddenly, Last Summer

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