DARREN LYNN BOUSMAN - Interview

Hattest Du Bedenken, die große Erwartungshaltung nach „Saw“ mit dem Nachfolger nicht einhalten zu können?

Darryn Lynn Bousman: Natürlich, so etwas birgt immer große Bedenken. Ja, ich machte mir große Sorgen. Auf der einen Seite hatten wir den Vorgänger, der bereits eine unglaubliche Qualität vorlegte, und auf der anderen Seite die massiven Erwartungen - die Hoffnungen, die Fans aufbauen. Es ist natürlich grundverschieden, einen Film zu drehen, von dem niemand etwas erwartet, aber deswegen ist es für mich als Regisseur nicht einfacher einen Film wie „Saw 2“ zu drehen, dem Menschen mit derart hoch gesteckten Zielen entgegen fiebern.  

Saw war finanziell ein Überraschungserfolg, zog dementsprechend schnell eine große Fangemeinde an. Wie war Deine Reaktion, als „Saw 2“ am Eröffnungswochenende in den USA bravourös den ersten Platz der Charts einnahm und einschlug wie eine Bombe?

Bousman: Ich glaube, niemand hätte erwartet, dass Saw so durchstartet, mit all dem Erfolg, den der Film verbuchte. Es war einfach wahnsinnig aufregend, wie ein Traum – mein Traum, Horrorfilme nach eigenen Maßstäben zu drehen, die womöglich auch noch erfolgreich sind. Es ist einfach unglaublich, den Erfolg des Sequels beobachten zu dürfen und das mit meinen 26/27 Jahren.

Bei „Saw 2“ sind gewisse Parallelen zum Film „Cube“ erkennbar: Mehrere Menschen wachen in einem Raum auf und sind völlig ratlos, warum sie in dieser Lage stecken. Woher kam die Inspiration?

Bousman: Nein, eigentlich nicht wirklich, doch es ist witzig, dass Du es erwähnst. Mehrere Gesprächspartner sprachen mich bereits auf die gleiche Thematik an. Es war eine schier unüberschaubare Zahl an Filmen, die mich gewissermaßen beeinflusst hat - wie zum Beispiel “House of 9”, in dem etwas Ähnliches passiert. Aber das ist nicht der springende Punkt, denn andere Filme haben weitaus stärker gewirkt: Du weißt schon, 10 Leute erwachen, 10 Leute gehen zu einer Dinnerparty und beginnen damit, einen unbekannten Mörder ausfindig zu machen. Nichtsdestotrotz finde ich, dass die Cube-Serie (Trilogie) eine wirklich spannende und unterhaltsame Filmreihe darstellt, die ich übrigens sehr mag. 

Wie kam es dazu, dass Du auf dem Regiestuhl sitzt und kranke Pläne für immer böswilligere Fallen ausheckst?

Bousman: Ich denke, den größten Einfluss übte Darren Arronofsky (Requiem for a dream, PI) auf mich aus, denn seine Filme sind unglaublich, wunderbar durchdacht und in der Struktur einfach atemberaubend. Außerdem hat auch Quentin Tarantino seinen Beitrag geleistet. Es ist einfach so: egal, was er in die Finger bekommt, mit jedem neuen Film erfindet er ein Genre neu oder definiert es zumindest auf seine moderne Art. Filme wie From Dusk Till Dawn und Pulp Fiction, die eine Wirkung versprühen; dieses kontinuierliche Neudefinieren von Genres ist definitiv auch eine Sache, die ich bewundere und die ich mit meinen Film auch erreichen möchte.

Du selbst wirst, wie zu hören war, an einem vierten „Saw“ Film nicht mehr beteiligt sein. Hast Du Angst, von dieser Filmreihe zu sehr gebranntmarkt zu werden?

Bousman: Nein, es geht mir im Großen und Ganzen allein um die Story, die diese Filme erzählen. Bin ich von einer Geschichte gefesselt und möchte sie eigenhändig erzählen, bin ich dabei. 

In der letzten Zeit versagen Horrorfilme an den Kinokassen immer häufiger. Ist Deiner Meinung nach bereits eine Übersättigung des Horrormarktes abzusehen?

Bousman: Du musst es Dir nur ansehen: “The Hitcher”, ein aktuelles Beispiel für viele weiteren Remakes wie “Black Christmas”. Man sollte dem ursprünglichen Gedanken treu bleiben, zu den Wurzeln zurückkehren, die den Horror und speziell Horrorfilme furchterregend gemacht haben – man soll dem Publikum Dinge zeigen, die sie in ihrem gesamten Leben noch nicht gesehen haben. Das ist es, was Horrorfilme gruselig macht. Horrorfilme sollten in ihrer Grundfunktion Sachen erfüllen, die wir im normalen Leben als Tabu deklarieren würden. Der neue Horrorfilm wirkt in seiner Struktur wie eine Massenproduktion, wo Filme wie von der Stange erworben werden können – jeder Film spiegelt das gleiche Muster wieder. Wiederholungen treten natürlich schnell ein, da der Zuschauer immer wieder den gleichen Mechanismen ausgesetzt wird. Ich denke, wir als Horrorgemeinde streben es konstant an, neue, andersartige Horrorfilme präsentiert zu bekommen. So sollte es sein, weshalb der Horrorfilm auch nie untergehen wird. 

Angenommen, Du wachst in einem Raum auf und weißt nicht, weshalb Du in dieser Lage steckst. Wie würde Dein Vorgehen aussehen?

Bousman: Schreien! [leicht scherzhaft]Ich sag Dir was, Blut und Gewalt kann ich nicht ertragen, weshalb ich mich in eine Ecke verkriechen würde, wo ich dann bitterlich anfange zu weinen.

Ähnlich wie Alfred Hitchcock, der ja auch kein Blut sehen konnte...

Bousman: Genau so! 

Was sagst du zu dem Stempel "Splat Pack", der Dir und anderen Regisseuren wie Eli Roth von der US-Presse aufgedrückt wurde?

Bousman: Ich finde es großartig! Weißt Du, ich bin einfach überglücklich, Horrorfilme drehen zu können. Diese Gemeinschaft aus Regisseuren wie Neil Marshall, Rob Zombie und all den anderen Kerlen – das sind Pioniere! Das Beste daran ist, dass wir die jungen Spunde sind, die dem Horror in der heutigen Zeit eine neue Bedeutung verleihen. Ähnlich, wie es damals bei Tobe Hooper, Wes Craven oder Stuart Gordon war. Jetzt ist es die neue, jüngere Generation, die diese Filme dreht, deswegen bin ich total aus dem Häuschen und fühle mich sehr geehrt, Teil dieser Bewegung, Teil des “Splat Packs” zu sein.

Du willst also wirklich etwas Neues definieren?

Bousman: Exakt. Es ist mein Anliegen, Horrorfilme in einem neuen Gewand zu verpacken, was ich auch anstrebe. Einer meiner nächsten Filme wird eine Rock-Oper sein; eine Art Rocky Horror Picture Show, extrem brutal, sehr freizügig und sehr furchterregend. 

Etwa eine Art Exploitation-Movie?

Bousman: In gewisser Weise schon, aber es ist ein wenig mehr an den frühen Werken der 70er Jahre orientiert. Rock-Opern erfreuten sich im Amerika der 70er Jahre großer Beliebtheit. Es gab unzählige Beispiele, darunter auch die “Rocky Horror Picture Show”, aber es war dann immer wieder die gleiche Prozedur. Ein Grund, weshalb ich die Produzenten überreden konnte, einen ähnlichen Film in Auftrag zu geben, der dieses Szenario in ein neues Gewand des Schreckens verpackt. Das Thema ist im Moment sehr beliebt und erlebt ein Revival: Zum Beispiel “Dreamgirls”, der sogar für den Acadamy Award nominiert ist, Jack Black mit seinem Tenacious D. Film, oder Tom Hanks, der ein Remake des Klassikers “Mamma Mia” machen wird. Deshalb denke ich, dass ich mit meinen Fähigkeiten, den Horror auf die Leinwand zu bannen, ein spannendes Abenteuer kreieren kann.

Was kann man von Dir zukünftig noch erwarten?

Bousman: Ich werde bei Dimension Films arbeiten und vielleicht auch einen Film für die Weinsteins drehen, was mich sehr freuen würde, da sie für viele meiner Lieblinge wie Pulp Fiction, Desperado und aktuell Grind House verantwortlich waren. Allein der Gedanke, dass die Jungs als Produzenten vieler Quentin Tarantino Filme verantwortlich zeichneten, entfacht in meinem Körper ein unglaubliches Verlangen. 

Eine andere Frage: Wie lief die Zusammenarbeit mit Charlie Clouser?

Bousman: Charlie Clouser ist ein Genie, der Mann ist einfach der Wahnsinn schlechthin! An einem einzigen Tagen zaubert er mit ein wenig Experimentieren diesen unglaublichen Industrial Sound. Er ist mein Held.

Dann magst Du also auch die Nine Inch Nails?

Bousman: Ich liebe die Nine Inch Nails. Die Art von Musik, wie ich sie liebe: Nine Inch Nails, Tool, definitiv diese Richtung. 

Du magst Tool?

Bousman: Ich bewundere sie...

Tool ist ebenfalls einer meiner Lieblingsbands!

Bousman: Cool! Tool, A Perfect Circle – Maynard ist ein musikalisches Genie!

 




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