MARK STEVEN JOHNSON - Interview




Mr. Johnson, der bisher eher unbekannte Wes Bentley erhielt die Rolle des Schurken Blackheart. Wie kam er an diese Rolle und weshalb waren Sie sich sicher, dass er der Richtige dafür ist?


J: Ja, es ist richtig, dass du fragst, weil ich mir darüber auch Gedanken gemacht habe. Ich denke, er ist wundervoll. Ich habe draußen überall Plakate von „American Beauty“ gesehen. Lief der Film hier noch nicht im TV? Die Plakate sind ja wirklich überall hier. Also, ich habe ihn in „American Beauty“ gesehen und er brannte sich in mein Gedächtnis. Er ist so kraftvoll und ein sehr guter Schauspieler. Wes hatte so viel Erfolg mit dem Film und zog sich dann zurück. Er ist ein wahrer Künstler, ein sehr sensibler, netter Kerl. Und ich wollte etwas mit ihm machen. Sie baten ihm „Spider-Man“ an, aber er lehnte ab. Ich vergas ihn nie und ich sagte Sony, dass ich Wes Bentley haben will, weil ich dachte, dass er einen großartigen Sohn des Teufels abgeben würde. Und sie sagten: Vergiss es, das wird er niemals tun, er wird garantiert ablehnen. Trotzdem traf ich mich ein paar Mal mit ihm und zeigte ihm die künstlerischen Darstellungen, die ich bis dahin gemacht hatte und er sagte: Sehr cool, das haut mich um. Er ist großartig.

Worin haben Sie bei der Umsetzung Schwierigkeiten gesehen und weshalb?

J: Wir begannen letzten Sommer im August mit den CGI-Effekten. Wir hatten den Totenkopf, aber noch nicht das animierte Feuer. Und das brachte uns fast um. Weißt du, wenn die Person nicht richtig gut aussieht, scheitert dein Film. Verstehst du? Und ich habe keine Augen wie Gollum oder Davy Jones aus „Fluch der Karibik 2“, die hatten Augen, Lippen, Knöchel und wir halt nur einen blanken Totenkopf. Also musste das Feuer ein Teil seiner Persönlichkeit sein. Und das sieht man im Film auch: Wenn er traurig ist, wird das Feuer blau, ist er wütend, werden die Flammen riesig. Und ich wollte um sein Gesicht herum gehen, seine Hände… All diese wunderschönen Dinge waren unfassbar schwierig zu gestalten und brauchten lange Zeit.

Stammt das gesamte Feuer im Film aus dem Computer?

J: Nein, aber bei jeder gefährlichen Szene. Erinnerst du dich an die Szene, in der seine Füße in Flammen aufgehen? Das war real, wir flambierten sozusagen seine Füße und es war Nicolas, kein Stuntman. Als er das sah, schrie er erst einmal auf vor Entsetzen. Wenn man auf die Füße guckt und das Feuer sieht, denkt man zunächst: Das ist nicht Nicolas. Manchmal stiegen die Flammen seine Beine hoch, aber er hatte selbstverständlich eine feuerresistente Hose an. Dennoch war er sehr aufgeregt. Er starrte auf das Feuer und [atmet tief durch]…

Viele Comicverfilmungen sind in der heutigen Zeit mit exorbitanten Budgets ausgestattet, wogegen „Ghost Rider“ mit fast „spotbilligen“ 120 Millionen Dollar in de Ring stieg. Mussten Abstriche bei den Effekten gemacht werden oder war das Budget ausreichend kalkuliert?

J: Ohja, die Effekte sind sehr teuer. In Filmen wie „Spider-Man“ oder „Batman“ sieht man die Kerle in Masken, das kostet kaum etwas. Und dann kommt ein CGI-Effekt, wenn der Held aus dem Fenster springt. Aber für uns wurde es teurer, denn jedes mal, wenn du ihn [Ghost Rider] siehst, kostete uns das 50.000 Dollar. Das waren riesige Kosten. Normalerweise drehe ich eine Szene aus verschiedenen Winkeln und schneide sie später so zusammen, wie ich es möchte. Aber das wäre nur noch teurer geworden. Also muss man seine Einstellung weise wählen, du kannst später nicht aussuchen, alles muss genaustens geplant sein. Und das ist frustrierend, das ist sehr frustrierend.

Was wollten Sie aus den Comics auf jeden Fall ganz übernehmen und wo gab es Änderungen und weshalb?

J: Zu allererst wollte ich klar machen, dass die Ikone Ghost Rider richtig dargestellt wird. Der Totenkopf in Flammen kommt in einer neueren Version vor, aber das wollte ich auf jeden Fall auffassen. Das ist der Grund, warum Ghost Rider so erfolgreich wurde. Es gab viele Comics mit ihm in all den Jahren. Er geht, kommt zurück, geht erneut, kommt zurück… Ein hin und her. Aber die Augenhöhlen und der feurige Totenkopf blieben immer. Und das musste jetzt auch exakt so sein. Das kam alles aus der Ghost Rider-Ära in den 90er Jahren, dann kriegten sie Ghost Rider. An den 70er Jahren mit Johnny Blaze, die ich gebrauchte, mag ich die Geschichte. Ich wollte die Beziehung zu Goethes Faust klar machen, die Sachen mit dem Teufel, der seine Seele nimmt und einen Pakt mit ihm schließt. All das mag ich. Aber die Rolle des Blackheart kam erst in den 90ern, in einer späteren Version des Ghost Riders. Ich habe also so etwas wie ein Paket. Ein bißchen hiervon, ein wenig davon. Das Beste aus Ghost Rider, so etwas wie die Greatest Hits. Das ist das Wichtige: Wir nehmen die alten Storys und achten auf die Darstellung neuerer Teile der Comics.

Wie zu lesen war, gestaltete Nicolas Cage einige Abschnitte des Drehbuchs mit. Entspricht das der Wahrheit?

J: Oh, er saß nicht da und hat es getippt, er war mit im Raum. Er schrieb schnell ein paar Reden hin, an die er dachte, und ich arbeitete zusammen mit ihm daran, absolut. Er ist mein Partner dabei, er ist es wirklich, und viele der lustigen Sachen im Film sind Sachen von Nic. [lacht]

Können Sie sich bei Erfolg einen zweiten oder dritten Teil von „Ghost Rider“ vorstellen, wie es bei „Spider-Man“ von Sam Raimi der Fall war?

J: Ach… [klopft auf den Tisch und lacht] Weißt du, es ist ein sehr gruseliger Film. Wir wissen nicht, wie er in den USA funktionieren wird. Wir hoffen, dass er gut ankommt und wir sind alle glücklich und aufgeregt. Aber es ist ernst, weil er wirklich gruselig, sehr erschreckend ist, außerdem lustig, verrückt und künstlerisch. Deshalb hat auch noch niemand an ein Sequel gedacht. Und ich hoffe, dass die Leute den Film genießen und mit ihm lachen. Ich denke, dass es eine Möglichkeit für eine Fortsetzung gibt. Nic und ich würden es tun und wir sprachen schön vorher über Ideen und Stoff für weiteres Material. Ich habe das Gefühl, dass es klasse ist, wie Johnny Blaze am Ende geht. Diese Art der inneren Lieblichkeit, die er ausstrahlt. Alles auf dieser offenen Straße, mit dem Motorrad das Böse ausfindig machen und wie der Teufel seinen Weg geht. Er lässt es hinter sich, weil er von Mephistopheles wirklich angepisst ist. Ich denke, es könnte ein dunkleres Kapitel geben.

Ich denke, dass der Film in den USA mit Sicherheit Erfolg haben wird, da die amerikanischen Kinogänger auf Comicverfilmungen stehen.

J: Ja, wenn ich an Asien denke… Das sind zwei verschiedene große Märkte… Sie lieben ihre Monsterfilme und all dieses Zeug. [lacht] Deutsche sind in dieser Hinsicht aber hartnäckig. Sie waren nie große Comicfans, außer vielleicht bei „Spider-Man“, wie man mir sagte.

Aber „Ghost Rider“ ist in Deutschland auch nicht so bekannt wie zum Beispiel „Spider-Man“.

J: Nein, nein, nein, ich denke, das liegt daran, weil er robuster ist. „Spider-Man“, den man kannte, funktionierte großartig hier, das war ok. Aber ich denke, das ist so verschieden, weil „Ghost Rider“ kein klassischer Superheld ist, sondern sehr individuell. Er stoppt keine Bankräuber wie „Spider-Man“ oder „Batman“, es ist viel mehr ein Monsterfilm, die ihr quasi erfunden habt. [lacht]

In den letzten Jahren erfreuten viele Comicverfilmungen die Kinos auf der ganzen Welt. Welche Umsetzung ist Ihnen die liebste?

J: Ach du meine Güte… Ich mochte „X2“ [„X-Men 2“] und „Spider-Man 2“. Und vor denen mochte ich „The Crow“ und „Blade“ und… lass mich nachdenken… ja, das sind glaube ich meine Highlights. Ich mag „Constantine“. Ja, wirklich. Er lief nicht sonderlich gut bei uns und die Kritiken fielen sehr schlecht aus. Ich sah ihn mir an und ich mochte ihn. Er war sehr stylisch, sehr interessant, ich hätte mir gewünscht, dass sich die Menschen mehr für „Constantine“ geöffnet hätten.

Nach „Daredevil“ und „Ghost Rider“: Welche Comics schreien deiner Meinung nach noch nach einer Verfilmung?

J: Oh je… Ich denke, dass sie „Captain America“ verfilmen sollten. Vielleicht nicht gerade jetzt, denn im Moment wäre es ein schlechter Zeitpunkt und sehr schwierig aufgrund der Situation der Welt und wie die Menschen vermutlich über Amerika denken, gerade jetzt. Aber vielleicht ist das auch genau die richtige Zeit. Verstehst du? Wenn ein Superheld daher kommt und sich „Captain America“ nennt und er macht alles richtig, nichts von dem Bullshit, der im Moment abläuft. Einer, der uns wirklich voran bringt. In seiner Geschichte weckt er die Menschheit und er kämpft, ihm ist klar, was er zu tun hat. Er kämpft gegen den Terrorismus. Eine ganz andere Welt, weißt du. Das wäre mit Sicherheit eine interessante Sache. Vielleicht auch „Doctor Strange“ oder „Thorin“… da gibt’s noch eine Menge Material.

Würden Sie gerne bei einer Verfilmung von „Captain America“ Regie führen?

J: Ich denke nicht, das wäre zu viel des Guten. Ich brauche eine Pause von dem Druck und den Fans. [lacht]

Könnten Sie sich nach „Simon Birch“, den ich großartig fand, erneut vorstellen, ein Drama in Angriff zu nehmen?

J: Dank dir, danke. Ja, ich würde gerne wieder eins machen oder auch mal wieder eine Komödie. Ich vermisse diese Filme. Sie machen Spaß und stehen nicht unter so großem Druck. Solch ein Film [Ghost Rider] ist so teuer, das spürst du die ganze Zeit. Aber die anderen Filme, die schleichen sich heran und wenn sie beim Publikum nicht landen, ist das nicht so schlimm, du hast sie aber gemacht. Sie sind auch meist eine einzelne Vision und keine Kooperation. Genau wie „Simon Birch“. Das war kein kommerzieller Film, aber die Leute liebten ihn, besonders Menschen mit Behinderungen. Trotzdem war er in den Staaten sehr erfolgreich, aber es steckte keine kommerzielle Idee dahinter. Alle Menschen liebten ihn. Ich denke, darin lag der Erfolg, also wer weiß das schon? Du kannst es nie wissen. Du weißt nie, was die Leute sagen werden, es ist immer überraschend.

Wie stellen Sie sich ihre Zukunft im Filmgeschäft vor?

J: Ich habe keine Ahnung. Bisher durchlebte ich eine verrückte Karriere, wie du schon sagtest, ich arbeitete an einer Menge Komödien, dann ein kleines Drama, und keiner wusste, wie man mich einzuordnen hat. Ich bekomme keine bestimmten Drehbücher, augenblicklich bin ich ein Comicbuch-Kerl. Mein Instinkt sagt mir, dass ich jetzt etwas radikal Anderes machen soll. Meine Lieblingsregisseure sind die, die viele verschiedene Filme machen. Die meisten Regisseure, an die man denkt, machen irgendwie immer die gleichen Filme. Diese machen sie zwar sehr gut, aber es ist immer dasselbe. Immer der gleiche Cast, immer das gleiche Thema, das ist schön, aber ich möchte gerne so viele verschiedene Filme wie möglich machen. Ich wollte einen Western machen, und hier [Ghost Rider] ist ein bißchen Western mit drin. Ich wollte einen Horrorfilm machen, und auch das ist er. Komödie, Drama, als nächstes würde ich gerne ein Science-Fiction-Projekt realisieren, das wäre auch klasse.

Ok, da bin ich gespannt, was als Nächstes von Ihnen kommt.

J: [lacht laut]

Was macht Ihnen mehr Spaß: Regie zu führen oder Drehbücher zu schreiben?

J: [schnell] Regie zu führen. Schreiben ist einsam. Ich mag Menschen, ich bin gerne von ihnen umgeben, ich mag die Arbeit mit Schauspielern, all das mag ich, aber Schreiben ist… das müsstest du gut wissen, du tust es schließlich auch. [lacht]

Aber Sie tun es trotzdem...

J: Wir müssen es tun… Okay, wir müssen es nicht tun. Aber ich möchte nicht vor den Leuten sitzen, die mir Drehbücher schicken, verstehst Du? Ich möchte meine eigenen Sachen schreiben. Eigentlich war ich Drehbuchautor und wurde durch Zufall zum Regisseur. Ich schrieb einige Sachen, die gemocht wurden, und wiederum Sachen, die überhaupt nicht funktionierten. So in der Art: Warum ist der Kerl so weinerlich? Ah, er hat meinen Film gelesen. Alles Bullshit. Wenn ich etwas ruiniere, dann ruiniere ICH es, es ist mein Fehler, ich kann niemandem daran die Schuld geben. Und wenn es großartig wird, ist es ebenfalls von mir. Ich möchte die Verantwortung selber tragen, genau so ist es.




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