ELI ROTH - Interview

Von Janosch Leuffen

Lassen Sie uns über die Brutalität in Ihren Filmen sprechen…

ER: Brutalität… Oh, da gibt es keine Brutalität. Ich mache Kinderfilme.

Nein, ich denke nicht…

ER: Vielleicht… Ja, ich denke wirklich, dass ich ein Sequel machen wollte, dass besser und schockierender als der erste Film ist. Und ich fühlte, dass ich den richtigen Weg gehe, weil es mich aufweckste, ich war vollkommen in der Stimmung, und ich denke auch, dass es eine Entdeckung ist. Denn ich denke, in drei Jahren, will dieses Zeug keiner mehr sehen, dann wird wieder was anderes sein. Als „Hostel“ kam schrien alle „Ein Folterfilm!“. Es gab aber schon jede Mende Ripper-Filme. Jeder versteifte sich nur auf diesen einen Aspekt, aber im Film gibt es viel mehr als nur das. Ich denke, auch wenn man die ganze Folter sieht, kann man dennoch eine Geschichte erzählen, das Ganze wie eine Achterbahnfahrt aufziehen, sehr schockierend… Folter ist ein Teil davon, aber sollte nicht fokussiert werden. Ich wollte mit „Hostel“ die Brutalität, die ich aus dem asiatischen Kino kenne, rüberbringen. Die wirklich starke Gewalt aus Filmen wie „Itchy, the Killer“, „Battle Royale“, „Suicide Circle“ oder von zum Beispiel Takashi Mike, halt die asiatischen Filme, „Sympathy for Ms. Vengeance“ und „Old Boy“. Du schaust dir diese Filme an und denkst: „Ich kann nicht glauben, dass die das wirklich gemacht haben. Die haben das wirklich gemacht.“ Du denkst nur… du denkst nur: „Wie haben die das gemacht?“ Und genau das wollte ich nach Amerika bringen. Ich meine, der amerikanische Horror war bis dahin sehr glücklich und es gibt einen Grund, warum ich den Film mit so wenig Budget gemacht habe.

Ich wollte keine PG-13-Version von „Hostel“ machen, „Hostel“ sollte so sein, dass die Leute ihn mögen, und ich wollte die schockierendste Achterbahn im Park bauen. Ich wollte, dass die Leute sagen: „Ja, ich weiß, du kennst Horrorfilme, aber diesen kannst du dir nicht anschauen, der ist einfach krank.“ Wisst Ihr, das mittlerweile normale Hollywood-Budget beläuft sich 80 Millionen Dollar, wir haben „Hostel“ gerade mal für 4 Millionen gemacht. Am Startwochenende haben wir 20 Millionen gemacht. 10 Millionen wären schon grandios gewesen. Aber wir haben 20 am Startwochenende gemacht, die Leute waren schockiert. Ich inklusive. Sehr positiv geschockt. Das müsst Ihr nur mal realisieren, dass eine Menge Leute auf solche Filme anspringen und ich denke, dass nach dem 11. September, nach knapp fünf oder sechs Jahren… Es gab da Kinder, die waren zehn Jahre alt, als das passierte. Und das ist ein brutales Alter, alles unter 16, 17 oder 18 Jahre. Sie wachsen in Amerika auf…Alles Bullshit, nach dem 11. September. Immer, wenn du fliegen willst, musst du deine Schuhe ausziehen. Und jedes Mal, wenn ich das tun muss, denke ich nur: Das ist so verdammt blöd. Und dann denkst du: Kann jemand wirklich eine Bombe in seinen Schuhen mitbringen? Und dann: Keine Flaschen, kein Wasser. Die Menschen haben Panik und wollen schreien, und sie wollen dann einen Horrorfilm sehen, sie brauchen den Horror. Aber das Ziel war es nicht, einen äußerst brutalen Horrorfilm zu drehen. Ich denke, „Hostel 2“ ist definitiv ein Hardcore-Horrorstreifen, und wenn die Leute aus dem Film kommen, denken sie: „Was zur Hölle… Die haben… WOW.“ Die wollen die Menschen in solchen Situationen sehen und dann sagen: „ich kann nicht glauben, was sie in diesem Film gemacht haben.“ Aber das Ziel war es, einen besseren, schockierenderen Film zu machen. Ich wollte ein Sequel machen, von dem man denkt: Das ist hart.

Es gibt da diese Diskussionsszene im Film, in der zwei Männer über die Taten diskutieren und die ganze Sache krank finden. Denken Sie, dass es in unserer Gesellschaft krank ist, jemanden ohne Grund, einfach aus Spaß zu foltern?

ER: Ich denke, es gibt Gründe, warum man das tut. Die Gesellschaft hat sich im Laufe der Jahre verändert, dass jeder dazu in der Lage sein könnte. Unter den richtigen Umständen. Das liegt in der menschlichen Natur jedens, so etwas einem anderen anzutun. Eine der Dinge, die „Hostel 2“ wirklich inspiriert haben, war der Sturm Katrina. Ich nahm gerade die Musik für „Hostel“ in Prag auf, als ich auf CNN schaltete und ich dachte: Verdammt. Der Tod bricht herein. Ich dachte: Was zur Hölle passiert da? Du siehst diese Menschen, die Körper fließen die Straße herunter und niemand tut irgendwas. Es gibt Vergewaltigungen, Morde, Erschießungen, und die Polizei ist weg und keiner kommt, um sie zu retten. Und es brauchte fünf verdammte Tage, bis die US-Army mal eintraf. Und Bush sagte: Oh, ich bin gerade in den Ferien. Und selbst die Kanadier waren vor der US-Army da. Und du denkst dir: „Oh, mein Gott, das System ist wirklich so katastrophal, wie wir angenommen haben.“ Die Leute starben, gerieten in Panik, es gab Vergewaltigungen, Morde, Erschießungen, es war chaotisch. Da kommt man in ein Gebiet, wo totales Chaos herrscht. Wenn die Lichter ausgehen und niemand hinsieht, geschiehen solche Dinge. Es macht keinen Utnerschied, in welchem Land du dich befindest, es macht keinen Unterschied, wo du dich aufhältst, wenn das Licht ausgeht und niemand hinsieht… So sind wir. Was die tun… natürlich sind die krank.

Wenn Sie blutige Szenen drehen, was denken Sie dabei? Wie wählen Sie die Farben, das Licht?

ER: Alles sieht in meinen Augen perfekt aus. Wenn ich drehe… Ah, das ist ein braunes T-Shirt… Ach nein, das ist grün. Es ist abhängig vom dunklen und wenigen Licht. Ich möchte den Film so, dass er in meinen Augen richtig aussieht. Ich möchte, dass es düster aussieht, und Leute fragen mich: „Was meinst du damit?“ Wenn ich mir hier was aufschlitze, sage ich, das ist die Farbe, die ich will. Ich kann nicht sagen: Mach das Blut dunkler, ich denke eher an Bordeaux. Ich mag Bordeaux. Und dann sagen die Leute: „OK.“ und wissen genau, was ich meine. Das Blut muss düster aussehen, tiefes, tiefes Rot. Mein Blut ist fast schwarz. Und wenn du es dann belichtest drehst und all das Licht drum herum… Nein, verdammt, das sieht zu orange aus. Aber im Belichungsprozess kannst du es dann noch anders gestalten, damit es perfekt aussieht.

In „Hostel“ wurden Männer umgebracht, im Nachfolger mussten Frauen dran glauben. Wer wird in „Hostel 3“ sein Leben lassen?

ER: Also, es wird keinen dritten Teil von „Hostel“ geben. Ich dachte dabei an „Kill Bill Vol. 1“ und „Kill Bill Vol. 2“. Ich dachte auch immer: Wie habt ihr „Evil Dead“ gemacht? Wie habt ihr „Aliens“ gemacht, wie „Road Warrior“? Und nicht: Wie habt ihr „Der Exorzist 2“ gemacht, „Halloween 2“. Das Sequel ist meistens nicht so gut wie das Original. Aber dann guckst du „Evil Dead 2“, oder „Saw 2“und denkst: OK, das war großartig. Ich mochte es, Jigsaws Hintergrundgeschichte zu sehen, das war fantastisch… „The Devil’s Rejects“ war wunderbar. Und ich dachte auch, dass ich keinen „Hostel 2“ machen würde. Ich nahm wahr, wie Leute darauf reagierten. Die Leute liebten das Blut, die Augen-Brenner-Szene, aber die Szene, auf die die Leute am meisten reagierten, war die Szene im Umkleideraum. Der amerikanische Geschäftsmann, als er sagte: „Wie soll ich es machen? Langsam, schnell, soll ich sie erschießen?“ Er war so aufgeregt, es war so abgedreht, verstörend, einfach zwei Menschen, die in einem Raum miteinander sprechen.

Eine Einstellung, dann die Gegen-Einstellung, keine Special Effects, keine Musik, keine Kamerabewegung, einfach zwei Menschen, die sich unterhalten. Was würde wohl in einem Sequel geschehen? Wird man seine Geschichte aufgreifen? Vielleicht geht er zu ihr rein, erschießt sie und der Film endet. Aber das konnte ich nicht machen. In „Hostel 2“ verfolgen wir zum Einen seine Geschichte, aber gleichzeitig kommen die Mädchen dazu und wir folgen den Klienten. Wie bezahlen sie dafür? Vielleicht so wie eBay, dass sie dafür bieten? Wir sehen, wie sie in der Slowakei eintreffen, dann packen sie die Geräte aus, mit denen sie die Opfer foltern möchten, spezielle Deals. Ich wollte die Kerle nicht wie böse Monster aussehen lassen, sondern eher wie kranke Kerle, die vielleicht sogar Kinder haben, Familie, all die Menschen, die sich im Hostel treffen, so dass man denkst: „Tu das nicht.“

Frauen sind schwächer als Männer, aber taffer. Wie brachten Sie das in die Folterszenen ein?

ER: Es ist so wie der Unterschied zwischen einem Löwen jagen oder einen Hirsch jagen. Wenn der Jäger den Löwen erschießt, fühlt er sich stark, aber wenn er einen Hirsch erledigt, heißt es: Was hast du getan? Du bist so gemein. Und ich dachte: OK, wir töten einen Hirsch. Wenn du siehst, wie einem Mann die Finger abgehackt werden, ist das zwar schockierend, aber das hat man überall schon gesehen. Aber wenn das bei Frauen passiert, ist das weitaus schockierender. Ich musste also Szenen schreiben, die schrecklich und schockierend sein sollten, aber auch so, dass man sie ansehen kann. Ich wollte einen schrecklichen und schockierenden Film machen, wie eine Achterbahnfahrt, ich will die Menschen schreiend und aufgeregt sehen, dass sie denken: „Oh, mein Gott!“ und darüber sprechen. Ich will nicht, dass die Leute einfach sagen: „Oh, das war sehr ekelhaft und schrecklich.“ Also musste ich Szenen schreiben, die natürlich schrecklich sind, die man sich abr auch ansehen kann. Und das ist sehr schwierig. Du musst da auch an die Länge des Films denken. Wenn jemand einen anderen erschießt oder den Kopf abhackt, kann ich da sin 20 Minuten fertig bringen. Es musste also schrecklich und schockierend sein. Und die Herausforderung, wenn Jay Hernandez flüchtet, er bricht aus, gar nicht einfach dieses Mal. Überall sind Kameras, er muss durch alles hindurch, durch Tore, Buzzer ertönen, rein, raus, wie mache ich sowas? Es war eine schwierige Herausforderung, aber ich bin sehr glücklich mit dem, was dabei heraus gekommen ist.

Warum sind Sie so fasziniert vom Thema Folter?

ER: Es erschreckt mich. Ich mache Filme, von denen ich ehrlich denke, dass sie mich schockieren. Die meisten Regisseure, die ich kenne, sind ganz normale, nette Kerle, David Lynch zum Beispiel. Er macht sehr brutale und verstörende Filme. Ich denke, dass die Menschen Geschichten über Gewalt mögen. Und ich denke, dass hilft ihnen, mit der Gewalt, die sie in ihrem eigenen Leben erleben, fertig zu werden. Das ist das, was ich tue. Ich meine, ich reagiere in Sachen Gewalt sehr sensibel, die Dinge, die in der Welt geschehen. Schreckliche, gewaltvolle Dinge, die nie aufhören. Das verstört mich sehr. Ich spiegel einfach meine eigenen Ängste wieder. Und ich denke, wenn du einen solchen Film machst, kannst du sie auch nicht unterdrücken. Die Leute merken das, wenn jemand einen Film über etwas macht, was ihn selber nicht beängstigt. Diese Foltersachen beängstigen mich wirklich sehr. Ich habe keine Angst vor Monstern, ich habe Angst vor Menschen und den Dingen, von denen ich nicht fassen kann, dass sie sich diese untereinander antun. Das schockiert mich wirklich. Ich sehe das nicht als „krank“ an, ich sehe das als eine Reflektion meiner persönlichen Ängste an. In „Cabin Fever“ zum Beispiel… da hatte ich total Angst vor dem ganzen Blut und so, also habe ich einen Film darüber gemacht. Ich versuche, Filme über die Dinge zu machen, die mich schockieren. Du musst einen Film für ein bestimmtes Publikum machen und dazu stehen. Und das ist es, was ich versuche.

Die drei Mädchen sind Amerikanierinnen?

ER: Ja, eine von ihnen spielte auch bei „Desperate Housewives“. Aber das wusste ich nicht, weil ich das nicht gucke.

Viele Menschen sehen sich keine Horrorfilme an, weil sie es nicht vertragen. Welche Film sehen Sie sich nicht an?

ER: Ich sah „Black Christmas“ und ich hasste ihn. Ein schrecklicher Film. Ich kann mir keine schlechten Filme anschauen. Ich denke Filme wie „American Sweethearts“ mit Julia Roberts, ich hasse sowas, das war ein schrecklicher Film. Das war ein wirklich, wirklich schlechter Film. Das heißt nicht, dass ich keine romantischen Komödien mag. Aber wenn du in meinen DVD-Player schaust, findest du „Open City“, ich liebe „Nekromantik“, aber so was gucke ich nicht die ganze Zeit. Filme, die ich gar nicht leiden kann, sind auch „Paycheck“ oder „Ocean’s Twelve“. Ich schaute mir „Ocean’s Twelve“ an und war wirklich enttäuscht. Ich liebe Steven Soderbergh und all die Schauspieler und ich mochte „Ocean’s Eleven“. Es war ein Gefühl, als würden sie George Clooney’s Villa zeigen. Und ich habe bezahlt, damit sie da alle Spaß haben konnten. So was macht mich verrückt. Ich möchte, dass die Leute was für ihr Geld geboten bekommen. Sie müssen zufrieden sein, eine gute Zeite mit dem Film verbringen. Klar, man kann es nie allen recht machen. Aber man muss es versuchen.




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