Im Interview - MALCOLM MCDOWELL

Von Janosch Leuffen

Herr McDowell, mögen Sie Halloween?
Du meinst das Brauchtum? Ich denke, für Kinder ist das wunderbar, ich denke, sie lieben es. Ich habe selber Kinder, zwei Jungs, und sie freuen sich immer darauf, raus zu gehen und Leute zu erschrecken. An Halloween gehen sie dann durch die Nachbarschaft und spielen „Süßigkeiten oder Streich“.

Also Sie empfinden Halloween eher als Fest für die Jüngeren als für die Älteren?
Ja, genau. Der Grund, warum sie den Horrorfilm über Halloween gemacht haben, liegt am Fest selber. Es ist ein eigentlich harmloses Fest, weil es sich um Kinder dreht und einfach harmlos erscheint. Und das macht das Ganze so schaurig! Es war einfach das perfekte Ding, als John Carpenter das Original ins Leben rief und sich dachte: Das ist genau das, was ich brauche.

Das Original wurde vor 29 Jahren gedreht. Welche Dinge haben sich seitdem geändert und worauf legt das Remake mehr Wert als das Original von Carpenter?
Ich habe das Original nie gesehen. Ich hielt es für besser, es nicht zu sehen, weil ich mich nicht vom großartigen Donald Pleasance beeinflussen lassen wollte. Ich kenne ihn und ich liebe ihn, er ist ein großartiger Kerl, ein wundervoller Schauspieler. Ich dachte einfach, es wäre besser, wenn ich den Film nicht sehe. Alles, was er tat und wie er spielte, ich wollte davon nicht beeinflusst sein. Ich wollte einen neuen Dr. Loomis bringen.


Also hatten Sie auch Skrupel oder Bedenken, dass sie Donald Pleasance‘ Darstellung des Dr. Loomis nicht würdig vertreten können?
Nein, es ist ja nicht Hamlet, von daher ist das alles etwas weniger kompliziert. Er ist ein Arzt, offensichtlich kein spezieller, und er denkt, dass er besser ist, als er tatsächlich ist. Wie viele Ärzte hat auch er ein zu großes Ego.

Dr. Loomis stößt in seinem Job immer wieder an Grenzen, weil er Michael Myers nicht bezwingen kann. Haben Sie solche Erfahrungen auch schon mal privat erlebt?
Nein.

Es gibt immer wieder den Vergleich zwischen Michael Myers, Jason Vorhees und Freddy Krueger. Welchen von ihnen mögen Sie am liebsten und warum?
Unglücklicherweise muss ich zu meiner Ursprungs-Antwort zurückkehren: Ich mag keine Horrorfilme. Unglücklicherweise bin ich auch kein großer Experte in diesem Genre und ich habe nie Filme wie „Freitag, der 13.“ oder die Freddy Krueger-Reihe gesehen.

Warum haben Sie dann das Halloween-Remake gewählt?
Ich glaube, der Film ist eher für die Jüngeren, aber mich interessiert das nicht sonderlich. Und ich bin nunmal Schauspieler, ich weiß, wie die Filme gemacht werden. Deswegen erschrecken mich diese Filme auch nicht so sehr. Ich denke dann: Oh, guck dir das an, das ist interessant, oder schau dir das an, hmm, ok. Ich meine, die Realität ist, dass du auf dem Boden liegst, sie schmieren dir Blut ins Gesicht und du denkst dir: Das ist aber kalt! Das ist die Realität.

Sie haben auch schon einige Male die Synchronisation in Filmen übernommen. Worin liegt das Besondere, wenn man sich bei solch einer Arbeit einzig und allein auf die Stimme konzentrieren muss?
Ja, ich habe diese Sachen genossen, weil ich auch selber junge Kinder habe, ich habe eine Familie und ich mag es, diese Filme zu machen, weil meine Kinder es lieben. Ich habe einige solcher Filme gemacht, weil es mal was anderes ist und es einfach Spaß macht, das zu tun. Ich mag diese Arbeit, eben weil sie für die jüngeren Kinder ist.

Also Sie tun das auch hauptsächlich wegen Ihrer eigenen Kinder?
Ja, ich sehe ja immer, dass sie diese Serien im Fernsehen sehen und ich kann sie nicht stoppen.

Nach einer solchen Karriere wie Ihrer, würden Sie sich gerne auch mal als Regisseur versuchen?
Oh nein, das würde mich langweilen. Du lebst mit dem einen Projekt für vielleicht zwei Jahre. Das ist zu lang für mich. Ich muss einfach schauspielern. Ich habe kein Verlangen danach, bei einem Film die Regie zu übernehmen.

Nach Halloween haben Sie „Doomsday“ gedreht, bei dem Neil Marshall Regie führte. Warum haben Sie sich dafür entschieden und wie realistisch ist das Szenario in „Doomsday“ für Sie?
Oh, das ist sehr realistisch. Schau Dir die Welt an, so kann es tatsächlich passieren!

Was unterscheidet Rob Zombie von anderen Regisseuren, mit denen Sie zusammen gearbeitet haben?
Was ihn von den anderen unterscheidet? Ich habe noch nie zuvor mit einem Regisseur zusammen gearbeitet, der aussieht wie Charles Manson (lacht). Er ist der liebenswerteste Kerl und sehr, sehr intelligent. Ich denke, dass er ein wundervoller Regisseur ist und die Sachen die er macht… Nun, es ist ein Genrefilm und ich denke, was er macht, das ist… Es ist sehr schwierig, wenn man ein Remake produziert, „etwas wieder belebt“, wie man zu sagen pflegt, wenn man dabei nicht die Unterstützung aller hat. Es ist wie ein Prequel, es gibt den jungen Michael, um das Bedürfnis derjenigen zu befriedigen, die etwas Neues wollen. Natürlich ist es in der Basis gesehen wie der originale Halloween von Carpenter. Zombie versuchte, beides zu kombinieren. Ich meine, schau’s Dir an, das Ding hat 60 Millionen Dollar gebracht. Das ist ein sehr hohes Einspielergebnis für einen Horrorfilm in den USA. Er hat über 30 Millionen am Startwochenende eingespielt, damit hatte niemand gerechnet.

Ich hoffe, dass das auch hier in Deutschland gelingt, wenn er nächste Woche anläuft...
Wer weiß… Es ist ein Furcht einflößender und sehr lauter Film. Es machte mir Spaß, ihn zu sehen. Wie ich schon sagte, mag ich keine Horrorfilme, aber es machte einfach Spaß, den Film mit einem Publikum zu sehen. Da saßen über 2000 Menschen mit mir. Und sie schrien, klatschten und gröhlten, brüllten zur Leinwand. Das war ungeheuerlich! Das machte so viel Spaß! Es war großartig. Es war eine der besten Filmvorführungen, die ich erlebt habe.

Halloween musste – wie andere erfolgreiche Filme auch – die Erfahrung mit Fortsetzungen machen. Was denken Sie über den herrschenden Sequel- und Remakewahn in Hollywood? Sind neue, frische und gute Ideen wirklich so selten?
Schau Dir das ganze Business in Hollywood an. Das Problem ist, dass Filme in ihrer Herstellung unglaublich teuer sind. Die Norm liegt mittlerweile bei 65 bis 85 Millionen Dollar. Für EINEN Film! Das ist verrückt! Du zahlst den Darstellern 20 Millionen Dollar Gage, vielleicht sogar 25 Millionen Dollar für einen Tom Cruise, das ist doch verrückt! Also müssen die Filme quasi ein großes Einspielergebnis erzielen, gerade am Startwochenende. Das Problem, was vorliegt, ist, dass diese Filme in Scharen kommen. Und deswegen machen die die Remakes. Halloween machte so viel Kohle, was den Machern bestätigte, dass sie richtig lagen. Sie lagen einfach goldrichtig. Ich werde Filme wie Halloween nie vergessen. So ein kleiner, unabhängiger Film wie Halloween, den die Weinsteins machen wollen, können sie nicht machen, bevor sie nicht einen großen Hit gelandet haben. Und so läuft das eben.

Also werden wir womöglich noch einen weiteren Halloween-Film sehen, und würden Sie dabei wieder in die Rolle des Dr. Loomis schlüpfen?
Ich bezweifle, dass es jemals sterben wird. Solche Filme sterben in Hollywood nicht, oder tun sie’s? Ob ich es noch mal machen würde? Klar, ich liebe die Rolle, aber ich glaube nicht, dass Rob noch einen drehen würde. Ich würde es nicht bereuen, noch einen zu machen, solange ich meine anderen Filme auch machen kann.

Interview: Janosch Leuffen




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