Im Interview - MARC SCHÖLERMANN

Von Carmine Carpenito 


Wovon handelt PATHOLOGY denn genau?
Letztendlich geht es um den perfekten Mord. Es ist ein Spiel. Eine Gruppe von Pathologiestudenten wettet untereinander, einen Mord zu begehen, bei dem die anderen nicht mehr herausfinden können, woran das Opfer letztendlich gestorben ist. Und sie selbst als Pathologen sind ja letztlich Experten auf dem Gebiet. Das ganze steigert sich und gerät letzten Endes außer Kontrolle. Der Film spielt auch mit den Bedeutungen des Wortes "Pathology" – zum einen dem medizinischen Begriff – die Lehre der Krankheiten im Zusammenhang mit ihrer Entstehung, Diagnose und Therapie und zum anderen auch dem Verhaltensbegriff: krankhaft, abnorm. Realismus war hier der höchste Anspruch. Ich muss dazu auch sagen, dass wir alles sehr gut recherchiert haben. Wir waren unter anderem mit den Darstellern im Leichenschauhaus in Los Angeles, um uns möglichst genau über dieses Thema zu informieren, hatten einen Experten am Set. Wir wollten keine Dinge in den Film einbauen, die möglicherweise gar nicht stimmen und inkorrekt sind. Sicher gibt es einige künstlerische Freiheiten aber im Großen und Ganzen ist, was man zu sehen bekommt, real.

Und wie war der Leichenschauhausbesuch für Dich und für die Darsteller?
Man weiß ja anfänglich nicht, was auf einen zukommt und malt sich daher sonst was aus. Aber letztendlich ist das wie bei einer Achterbahnfahrt. Wenn man einmal drauf war, ist es gar nicht mehr so schlimm. Kommt natürlich drauf an, ob man Achterbahnen mag. Es war eine sehr interessante Erfahrung. Wenn man sieht, wie der menschliche Körper so aufgebaut und wie zerbrechlich er letztlich ist, merkt man deutlich, wie wertvoll das Leben ist. Und wie schnell es auch vorbei sein kann. Es ist jetzt nicht so, dass mir das tagelang irgendwelche bösen Albträume verschafft. Die ersten 10 Minuten ist es schon gewöhnungsbedürftig, aber dann wird es mehr und mehr faszinierend. Zu meiner Überraschung wirken die Leichen zudem auch wahnsinnig unecht. Wenn man da unten ist und die ganzen Körper so herumliegen sieht und man das dann so in einem Film sehen würde, würde man denken :,,Oh Gott, das Make-Up ist aber richtig scheiße!“.

Und dann könnte man nicht meinen, dass die einmal lebendig waren?
Doch, das schon. Aber die Farbgebungen sind zum Teil schon echt seltsam und es fehlt etwas: Die Seele. Wie immer man das nennen mag. Es ist eher so, na ja… wie ein Stück Fleisch halt.

Wie kam es, dass Mark Neveldine und Brian Taylor, die beide bereits bei „Crank“ hinter der Kamera standen, bei PATHOLOGY „nur“ als Drehbuchautoren tätig waren?
Das Skript haben Mark und Brian bereits vor circa drei bis vier Jahren geschrieben. Eigentlich wollten sie Pathology vor Crank drehen, aber dann kam dieser dazwischen und so wurde der Film hinausgeschoben und letztendlich abgegeben. Die beiden hatten durch Crank viel zu tun und arbeiten zudem auch schon an ihrem nächsten Werk „Game“, der ab November diesen Jahres gedreht wird. Sie haben Pathology allerdings mitproduziert.

Geht PATHOLOGY denn eher in Richtung Thriller, Horror oder ist es gar ein Mix aus beidem?
Ich würde sagen, es ist eher ein Thriller, da klassische Horror-Elemente nicht unbedingt vorhanden sind. Wobei man sich nun natürlich die Frage stellen muss, was man sich unter Horror ausmalt. Leichen? Ja! Autopsien? Ja! Er basiert auf der Realität, insofern bleibt die Frage, ob man Pathology dem Horror-Genre zuordnen will. Ist "Seven" ein Horrorfilm? "Pathology" spricht sicherlich die Horrorfans an, aber ich persönlich würde ihn jetzt nicht zwangsläufig als solch einen bezeichnen.

Lässt er sich mit irgendeinem anderen Film vergleichen, oder ist PATHOLOGY was völlig Neues?
Es ist schwer, den Film mit einem anderen zu vergleichen. Dafür ist er zu komplex. Natürlich kann man sagen, dass da unter anderem ein kleiner Hauch von Anatomie drin ist – auch Studenten und Autopsien – aber letztendlich sind die Filme völlig unterschiedlich.

Was hat Dich am Drehbuch zum Film so sehr fasziniert, dass Du hinter der Kamera stehen wolltest?
Ich wurde von meinem Agenten auf das Skript aufmerksam gemacht, habe es daraufhin gelesen und fand es sehr gut. Ich hatte beim Lesen keine Ahnung, wo die Reise hingeht, das Skript ist wirklich ziemlich krank. Zudem ist es etwas Anderes, etwas Neues. Nicht wie all die Teenie-Slasher, die mehr oder weniger immer den ein und denselben Handlungsverlauf haben. Das Ganze ging übrigens auch relativ schnell, bis es zum Dreh kam. Wir hatten nur ein paar Wochen Stillstand bis zum definitiven "Green Light", aber ansonsten lief wirklich alles einwandfrei, sowohl vor als auch während der Dreharbeiten.

Und was genau würdest Du sagen, hebt PATHOLOGY von der Masse ab und macht ihn eventuell zu etwas Besonderem?
Zum einen die Schauspieler, weil wir wirklich sehr gute Darsteller haben. Und zum anderen ist das Skript einfach so schräg, so verdreht und ziemlich smart, sodass sich der Film auch von allem, was in den letzten Jahren so auf dem Horror-Markt erschienen ist, wo es mehr oder weniger darum ging, Leute abzuschlachten und möglichst viel Brutalität einzubringen, unterscheidet. Das Skript ist ziemlich clever und genau das ist es, was uns letztendlich abhebt, denke ich.

Also haben sich Mark und Brian für PATHOLOGY auch so abgedrehte Sachen einfallen lassen wie für Crank?
Auf jeden Fall! Wobei ich sagen muss, dass man die beiden Filme nicht miteinander vergleichen kann. Beide haben ihre ausgeflippten Ideen, sind aber zwei ganz verschiedene Filme. Stilistisch als auch inhaltlich.

Hatten die beiden denn eine klare Vorstellung davon, wie der Film aussehen sollte, oder hattest Du freie Hand?
Die beiden haben sich eigentlich ziemlich zurückgehalten. Man hört und liest in letzter Zeit aber immer häufiger davon, dass die Studios beziehungsweise die Produzenten den Regisseuren irgendwie ins Projekt reinreden, aber ich habe hier das genaue Gegenteil erlebt. Hollywood war sozusagen eine positive Überraschung für mich, weil man ja im Grunde genommen nie so richtig weiß, was auf einen zukommt. Klar kann man hoffen, dass alles schon irgendwie funktionieren wird, aber im Falle von Pathology muss ich sagen, dass wirklich alles rund lief. Die Fassung, die ab Februar in den amerikanischen Kinos zu sehen sein wird, ist meine Schnittversion.

Und wie kam Heroes-Darsteller Milo Ventimiglia an seine Rolle?

Ich muss dazu gleich sagen, dass wir die Darsteller nicht nach ihrem Bekanntheitsgrad ausgesucht haben, sondern weil wir sie uns in den Rollen vorstellen konnten, die im Drehbuch standen. Die Schauspieler kamen alle zum Vorsprechen, aber bis dahin kannte ich Milo gar nicht, weil ich „Heroes“ nicht kannte. Ich wusste zwar, dass er im neuesten Rocky-Film den Sohn des berühmten Boxers verkörperte, aber ansonsten… Wir hatten nicht irgendwelche Gedanken wie: ,,Oh, der ist aus Heroes, den nehmen wir“ . Wir haben geschaut, ob er den Charakter überzeugend spielen kann. Es kamen mehrere für die Rolle zum Vorsprechen, aber Milo war dann eben derjenige, der unserer Meinung nach am besten in die Rolle des Ted Gray passte. Dasselbe galt auch bei Alyssa Milano. Wir haben sie nicht ausgesucht, weil sie alle aus „Charmed“ kennen, sondern weil sie uns beim Vorsprechen überzeugt hat.

 

Und als Milo zum Vorsprechen kam... Was genau war es das er hatte, was die anderen nicht hatten?

Schwer zu sagen. Er war halt Ted Gray.

Gab es denn einen Konkurrenten oder war er von Anfang an der Spitzenreiter?
Nein, er war nicht von Anfang an der Spitzenreiter. Er war einer wie jeder andere auch. Milo kam, wie gesagt, zum Vorsprechen und wir waren dann der Meinung, dass er sehr gut war. Also haben wir ihn noch einmal eingeladen, um erneut vorzusprechen und wir waren dann alle schließlich der Ansicht, dass er der Richtige für die Rolle ist, obwohl ich schwer sagen kann, was letztendlich der ausschlaggebende Punkt war. Es war eben dieses Gefühl vorhanden, dass er der Typ ist, den wir brauchen.

Oftmals ist es ja so, dass die Studios bei einem Erfolg eine Fortsetzung wünschen. Könntest Du dir etwas unter PATHOLOGY 2 vorstellen?

Ich würde das Skript lesen und danach entscheiden. Es müsste sich aber vom ersten Teil unterscheiden, also nicht dieselbe Handlung mit anderen Charakteren noch einmal. 

 

Wenn du ein Drehbuch liest, worauf achtest Du am meisten, wenn die Handlung nicht unbedingt an erster Stelle steht?

Ich schaue, ob es gut geschrieben ist, ob die Dialoge gut sind und der Inhalt in einer Weise überhaupt Sinn macht, ob mich irgendetwas daran reizt. Am Anfang sind es vielleicht irgendwelche Szenen oder eine Szene, oder ein Charakter, bei dem man denkt, dass es interessant ist. Es ist eine Symbiose aus verschiedenen Sachen. Mir sind auch neue Ideen wichtig, weil ich ja auch keine Lust darauf habe, einen Film zu drehen, den es schon unzählige Male vorher gab.

Nun ist es ja so, dass in letzter Zeit bei Horrorfilmen vor allem der Gewaltanteil erhöht wird. Jedoch hatte TCM: The Beginning bei der FSK erheblich mehr Probleme als der Splatter-Film Planet Terror. Weshalb glaubst Du hat die FSK bei TCM mehr Schnitte bewilligt, während der Zombiefilm von Rodriguez ungeschnitten über die Leinwände flimmern durfte?
Ich persönlich glaube, dass das unter anderem daran liegen könnte, dass die beiden Filme sehr unterschiedlich sind. Soll heißen, dass TCM ja ernst gemeint ist, während Planet Terror viel mehr eine Horror-Komödie ist, also so was wie Braindead (ist trotzdem beschlagnahmt worden, also vielleicht stimmt die Theorie ja nicht ganz). Und dadurch, dass TCM mehr auf die Psyche geht, denke ich, dass das einer der Gründe für die Zensur gewesen sein könnte.

Mal eine ganz andere Frage. Spielst Du Videospiele?
Nein!

Und einmal angenommen, Du würdest bei einer Videospielverfilmung auf dem Regiestuhl sitzen. Würdest Du das Spiel spielen, um eine möglichst treue Umsetzung zu inszenieren?
Schwierige Frage. Da sind wir eigentlich auch schon wieder bei der Frage davor. Zunächst einmal schauen, ob das Drehbuch interessant ist oder nicht. Jetzt unabhängig davon, ob es auf dem Videospiel basiert oder nicht. Und wenn das Drehbuch letztendlich gut ist, würde ich sehr wahrscheinlich das Spiel ausprobieren, weil man ja irgendwie auch wissen muss, wie das Ganze so aussieht.

Ist denn jetzt nach PATHOLOGY bereits ein anderes Projekt in Aussicht?
Bisher noch nicht. Ich habe zwar bereits wieder mehrere Drehbücher gelesen, wo auch ein paar sehr interessante Dinge dabei waren, aber ob es letztendlich eins davon wird, weiß ich noch nicht.

Könntest Du dir denn auch vorstellen, dass Dein nächster Film ein deutschsprachiges Werk wird?
Wenn die Ideen gut sind, wieso nicht? Letztendlich gibt es in Amerika genau so viele schlechte Filme wie in Deutschland. Wenn das Skript für mich also interessant ist, dann würde ich das auf jeden Fall machen!




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