Subtiler Grusel vs. Terror-Horror

Das Horrorgenre bietet uns Zuschauern unzählige Facetten. Und so verschieden die Geschmäcker sind, so unterschiedlich sind auch die Arten, wie den Leuten Angst eingejagt wird. Von Psycho bis Splatter flimmerte schon alles Mögliche über die Kinoleinwände oder unsere heimischen Bildschirme und irgendwann stellt sich einem die Frage, welche Art von Film dem Zuschauer eigentlich den größeren Horror beschert.

Aber klären wir erstmal, welchen Filmstil wir wohin stecken sollen. Unter subtilem Grusel versteht man im allgemeinen Horrorfilme, die tendenziell ohne viel Blut und dazu gehörige, großartige Effekte auskommen. Darunter fallen also Werke wie Blair Witch Project, Donnie Darko, Der Exorzist oder The Ring. Sie zielen darauf, dass der richtige Horror im Kopf des Zuschauers entsteht und nicht auf Zelluloid festgehalten konkrete Formen annimmt. Es heißt ja immer, dass es nichts Schlimmeres und Grausameres gibt, als die menschlichen Phantasien, und genau diese menschliche Eigenschaft soll hier ausgenutzt werden. Der vermeintliche Terror-Horror zeichnet sich durch das Vergießen von literweise Blut und dem schon fast strategischen Abschlachten von möglichst vielen Menschen aus. Hostel, The Hills Have Eyes, Braindead oder die Scream-Reihe sind daher dieser Kategorie zuzuordnen.

Hier ist die Auswahl an Filmen auch wesentlich größer. Woher das kommt? Etwas scharfzüngig ausgedrückt: Sie sind einfacher zu machen. Sicherlich können aufwendig gemachte Folter- oder Tötungsszenen so eindrucksvoll sein, dass man vor Angst oder Ekel nur noch weg sehen will. Ohne Zweifel leisten die Effektemacher auch sehr harte Arbeit, dies in Perfektion zu produzieren; doch es ist eine intellektuelle Höchstleistung und daher fast noch härtere Arbeit, Menschen dazu zu bringen, sich vor der Welt im eigenen Kopf zu fürchten. Dazu ist ein sehr gutes Verständnis von Psychologie und Strategie von Nöten und das Fehlen dessen kann man nun mal nur mit ordentlich Blut und Effekten kaschieren.

Manchmal, aber nur manchmal, gelingt es einem besonders talentierten Schreiber und den dazugehörigen Produzenten einen Geniestreich zu landen und den eiskalten Schauer auf dem Rücken und den Ekel in einer Geschichte zu vereinen. Das absolute Paradebeispiel dafür ist wohl Saw, auch wenn er mit jeder Fortsetzung an Qualität verlor und noch verlieren wird. Auch die Hannibal Lecter-Reihe kann sich in die mager besetzte Loge der Filme setzen, die es schaffen, Grusel und Horror im Extrem mit sich zu bringen.

Was nun die wirklich bessere Art von Film ist, kann man kaum sagen, da jeder Mensch seinen eigenen Geschmack hat. Jedoch kann man die klare Aussage machen, dass der vermeintliche Terror-Horror eher der flachen und einfach gestrickten Unterhaltung dient, während der subtile Grusel geistig anspruchsvoller ist und oft auch eigenes Mitdenken zum Verständnis der Handlung erfordert. Aber gelegentlich will man das auch gar nicht. Da will man einfach nur unterhalten werden und das funktioniert im Horrorgenre mit viel Blutvergießen nun mal am besten, schließlich gibt es unendlich viele Möglichkeiten, Menschen zu Tode zu bringen und so bekommen wir immer wieder etwas Neues zu sehen, auch wenn es bei der Vielfalt an Filmen mittlerweile schwer wird, wirklich etwas zu finden, das man in ähnlicher Art vorher noch nie gesehen hat. Und wenn man von den gelegentlichen einfacher gestalteten Gelüsten absieht, muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Sparte von Horror ihm mehr zusagt und einem die Befriedigung beschafft, die man sich gewünscht hat, wenn man sich für ein bestimmtes Werk entschieden hat.

>> von Angela Berroth




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