Führen Fortsetzungen den Erfolg wirklich fort?

Es gibt viele Filme, die einen so sehr begeistern, dass man sich nichts sehnlicher als eine Fortsetzung wünscht. Man sympathisiert so sehr mit den Figuren, dass man unbedingt mehr von ihnen sehen will. Oftmals bietet die gut gewählte und noch besser durchdachte Thematik genügend Spielraum, um mehrere Teile eines Films heraus zu bringen. Doch es gibt ebenfalls genügend Beispiele dafür, dass dieses Vorhaben auch gewaltig in die Hose gehen kann. Denn zumeist ist das Veröffentlichen einer Fortsetzung ein Versuch, noch mehr Geld zu scheffeln und so auch noch das letzte Bisschen heraus zu holen. Anders ausgedrückt übertrifft die Geldgeilheit die wahre Leidenschaft richtige Kunst zu erschaffen, und das ist nun nicht gerade die beste Voraussetzung, um einen weiteren Clou zu landen. Jedoch ist das nur eine der vielen Schwierigkeiten, die sich mit der Weiterführung einer Geschichte auftun, denn geniale Ideen und der daraus resultierende Erfolg lassen sich einfach nicht erzwingen.

 

Ein weiterer Problemfaktor das Thema. Meist ist dieses relativ schnell ausgereizt und noch dazu ist es oft völlig egal, worüber der Film handelt. Behält man den Stil und Aufbau beim Fortsetzen einer Geschichte zu konsequent bei, ist das Ganze spätestens nach dem dritten Teil eine ziemlich ausgelutschte Angelegenheit. Verdeutlichen wir das am Beispiel von „Saw“. Den ersten Teil kann man als Geniestreich bezeichnen, und auch der zweite Teil konnte sich noch ohne Weiteres sehen lassen. Beim dritten Streich allerdings war es kaum noch ein Problem, Jigsaws Spiele schnell zu durchschauen. Zwar gibt es in jedem Teil mindestens eine Überraschung und die Handlung aus den Vorgängern wird vertieft, so dass man auch besser versteht, wie alles zustande kommt, doch spannender wird der Film dadurch nicht wirklich, Er sorgt nicht mal ansatzweise für die gleiche Verblüffung, wie er es zu Beginn der Franchise tat. In Anbetracht dessen, dass die Reihe bis Teil 6 fortgesetzt werden soll, darf das Schlimmste befürchtet werden und wenn das Konzept nicht wenigstens etwas geändert wird, sind die weiteren Sequels jetzt schon dazu verurteilt, Flops zu werden. Wenigstens konnte das Team von Lions Gate und Twisted Pictures bis immerhin zum dritten Teil eine ordentliche Leistung vorweisen.

Andere scheiterten schon vorher. Denken wir nur mal an „Butterfly Effect“, „Final Destination“ oder „Düstere Legenden“. Während die ersten Teile noch begeisterten, ernteten die Fortsetzungen höchstens noch ein „Naja…“, weil alles einfach zu sehr nach Schema F ablief und sie so den faden Beigeschmack schlichter Kopien bekommen. Bricht man den Stil der bisherigen Werke, riskiert man zu sehr, von der Grundidee abzukommen und so gerade die Fans zu verlieren, für die der Film eigentlich gedacht war. Hier ist „The Blair Witch Project“ ein sehr gutes Beispiel. Der erste Teil revolutionierte das Horrorgenre regelrecht, der zweite war dann im Endeffekt nur noch ein gewöhnlicher Horrorfilm, der zu alledem den Bezug zur eigentlichen Geschichte der Hexe von Blair verlor. Jedoch muss man festhalten, dass es in einem Fall wie diesem erschwerte Bedingungen sind, denn eine mit Hand-Kameras gedrehte Fortsetzung im Dokumentarstil hätte dem Film noch mehr Glaubwürdigkeit geraubt als der gewöhnliche Spielfilm. Und gerade so ein Risiko durfte nicht eingegangen werden, schließlich wurde bei BWP jeder nur mögliche Hebel in Gang gesetzt, um der Welt zu vermitteln, dass die Geschichte wirklich wahr sei.

 

Damit kommen wir auch schon zum nächsten Problem in Sachen Fortsetzung: dem vermeintlichen Prequel zur Story. Warum sorgen Figuren wie Michael Myers oder Hannibal Lecter bei uns für solche Gänsehaut? Weil sie so verdammt grausam sind und bisher keiner wusste, warum sie zu dem wurden, was sie heute sind. Sie kamen aus dem Nichts und für ihre Taten fehlen uns oft die Worte. Genau das machte mitunter den gewissen Charme und die Faszination ihrer Filme aus, denn im Hinterkopf fragt man sich ständig, was Menschen dazu bringt, zu solchen Bestien zu werden. Von der Faszination mussten sie in letzter Zeit aber einiges einbüßen, schließlich wurden wir nun aufgeklärt, wie sie zu denen wurden, die uns einst in Angst und Schrecken versetzten. Den Zuschauern zu zeigen, wie alles begann, scheint ein mehr oder weniger neuer Trend in der Filmbranche zu sein. Dass dabei oft mehr kaputt gemacht wird, interessiert dabei wohl kaum jemanden, schließlich besteht durch die bisherige Fangemeinde ja die Möglichkeit, dass Geld in die Kassen zu schwemmen. Ohne Zweifel ist es sehr interessant zu erfahren, wie das Persönlichkeitsprofil eines Serienkillers entsteht und dabei mutieren wir alle gerne zu Hobby-Psychologen, aber ob es das wirklich wert ist, sei dahin gestellt. Denn in den meisten Fällen tendieren solche Prequels dazu, sehr oberflächlich zu sein und derart platte Geschichten können wir wieder auf die simple Profitgier zurück führen.

Abschließend kann man getrost sagen, dass Fortsetzungen an für sich eine gute Sache sind. Man sollte es allerdings nicht damit übertreiben, denn ein wohl durchdachtes Sequel kommt immer noch besser als eine lahme Fortsetzung. Daher entscheidet auch die Anzahl der Filme oft mit darüber, wie qualitativ die Reihe mit jedem weiteren Teil wird. Manchmal ist weniger eben doch mehr und so werden Meisterwerke wie „Das Haus der 1000 Leichen“ und sein Nachfolger „The Devil‘s Rejects“ langsam aber sicher in der Flut aus neuen Filmen und deren geistig unterbelichteten und scheinbar unendlichen Nachkommen untergehen.

>> von Angela Berroth




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