Das Ratespiel: Wer kennt meinen richtigen Namen?

„Am Wochenende gehe ich in ‚Die Fährte des Grauens‘. Möchtest Du mit?“ – „In bitte was gehst Du?“ – „Na, in diesen neuen Horrorfilm mit so einem Riesenkrokodil.“ – „‘Die Fährte des Grauens‘? Meinst Du nicht eher ‚Primeval‘?“ – „Nee, was zur Hölle ist denn ‚Primeval‘?“ So oder so ähnlich könnten einige Verabredungen zu Kinofilmen ablaufen. Der eine tischt dem anderen einen Namen auf, mit dem dieser vielleicht gar nichts anfangen kann. Willkommen zur heutigen Ausgabe unserer Kolumne mit dem Titel „Blöde Filmtitel, die keiner braucht“ oder in der Originalversion „The Others – Who knows me?“.

Doch wer zur Hölle erfindet diesen teilweise wirklich lächerlichen Schmarrn, der da auf den Postern in den Lichtspielhäusern prangert? Und warum muss man neuerdings jeden Film mit einem deutschen Extra-Titel versehen, beziehungsweise einen komplett anderen Namen verpassen? In Zeiten, in denen in Deutschland fast nur noch „Denglisch“ gesprochen wird, machen solche Maßnahmen den Braten doch dann auch nicht mehr fett. Die deutsche Sprache scheint mehr und mehr abhanden zu kommen, da soll ausgerechnet das Kino dieses verhindern? Mehr als fragwürdig.

In der Kategorie „Blöde Filmtitel, die keiner braucht“ unterscheiden wir heute in vier Gruppen. Zum ersten hätten wir da die Unterrubrik „In Wirklichkeit heiße ich ganz anders“. In diese gesellen sich zum Beispiel ganz aktuell David Cronenbergs Mafia-Thriller „Eastern Promises“, der hierzulande mit „Tödliche Versprechen“ angekündigt wird. Als weitere Leckerbissen tun sich da auch noch der in der Einleitung angesprochene „Primeval“, der zu „Die Fährte des Grauens“ wurde (was am Erfolg leider nichts änderte), „Der eisige Tod“ („Wind Chill“), „Der Fluch der Betsy Bell“ („An American Haunting“) oder mein absoluter Favorit „Wintersonnenwende – Auf der Jagd nach den sechs Zeichen des Lichts“ („The Seeker: The Dark is Rising“). Dass Letzterer überhaupt auf ein Plakat passt, verwundert.

Kommen wir zur zweiten Unterrubrik „Auf Deutsch, bitte“. Heutzutage lernen Grundschulkinder die ersten englischen Wörter bereits in der zweiten Klasse, weshalb eine Übersetzung englischer Filmtitel ins Deutsche eigentlich nicht nötig wäre. Man tut es trotzdem, und heraus kommen dann so Sachen wie der im neuen Jahr startende „I Know Who Killed Me“. Als wäre dieser Original-Titel nicht schon langweilig und uninspiriert genug, setzen deutsche Kreativköpfe noch einen drauf. So strippt sich Lindsay Lohan ab Januar dann in „Ich weiß, wer mich getötet hat“ durch die Kinosäle. Und wer kennt nicht „Der Nebel“, „Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts“ oder „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“? Wieso nur? Da muss man sich wirklich nicht wundern, wenn man sich auf einen Film freut, von dem man den englischen Namen kennt, und sich dann verzweifelt umschaut, in welchen Kinos das Ding denn läuft. Obwohl es den Streifen dann wahrscheinlich längst schon wieder auf DVD gibt.

Rubrik Drei nennt sich „Immer diese nervigen Anhängsel“. Hierzu zählen Filme mit belanglosen Untertiteln. Ob irgendwer für seine unfassbar genialen Ideen eine dicke Provision erhält? Wir wissen es nicht und schütteln den Kopf bei Zusätzen wie „Dark Water – Dunkle Wasser“ (vielen Dank für die nette Erklärung), „Slither – Voll auf den Schleim gegangen“, „Death Proof – Todsicher“, „Pulse – Du bist tot bevor Du stirbst“, „Joshua – Der Erstgeborene“ oder dem Oberhammer „Shriek – Schrei, wenn Du weißt, was ich letzten Freitag, den 13., getan habe“. Ich habe noch niemanden gehört, der aufgrund dieser Beititel gesagt hat: „Boah, den muss ich sehen.“ Nein, eher das Gegenteil ist der Fall.

Und dann wäre da noch die vierte Unterrubrik. Ich gebe ihr den Namen „Neu bleibt alt“. Dass englische Filmtitel gerne mal gegen deutsche eingetauscht werden, wissen wir jetzt. Aber was zum Teufel bitte reitet Verleihfirmen, wenn sie aus dem englischen Titel einen neuen englischen Titel kreieren? Dass bringt ja fast soviel wie einer Katze zu sagen, sie solle jetzt mal bellen. Verständnislos. Beispiele hierfür: „Welcome to the Jungle“ (es ist nicht der Film mit Charakter-Darsteller Dwayne „The Rock“ Johnson gemeint). Lief auf dem Fantasy Filmfest 2007 und bekommt kurz darauf einen DVD-Start spendiert. Auf der DVD allerdings sticht einem dann der Name „Cannibals – Don’t get eaten!“ ins Auge. Schande. Ein weiteres Negativbeispiel, bei dem wohl nur auf möglichen Profit gegeiert wurde, zeigt David Arquettes Regie-Debüt „The Tripper“. Wohl aus Angst davor, dass deutsche Zuschauer ihn mit der Geschlechtskrankheit verwechseln könnten, entschied man sich völlig überflüssig zu „President Evil“. Ja, geht’s noch?

Vor einigen Jahren war dieses Szenario in diesem Übermaß noch nicht der Fall. Unbegreiflich, warum dieses Vorhaben immer weiter zunimmt. Wirklich bringen tut es dem Endprodukt jedenfalls nichts. Fraglich bleibt auch, warum „Postal“ nicht den Zusatz „Der Ballermann“ erhalten hat und bei der „Saw“-Franchise kein deutscher Titel vorzufinden ist. Offenbar konnte man sich hier nicht einigen, ob man den Schockern nun den Stempel „Säge“ oder „Gesehen“ aufdrückt. Aufhalten können wir die ganze Titelhascherei wohl nicht. Stattdessen freuen wir uns lieber auf „Ich bin Legende“, „All die Jungs, die Mandy Lane lieben“, das Remake „Ein verpasster Anruf“ und den Mysterie-Hit „Kleefeld.“

Thank you for reading, byebye.

>> verfasst von Janosch Leuffen

 




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