SAW 4 - Interview

Darren Lynn Bousman

 

Frage: Mr. Bousman, wann bekamen Sie die Zusage für einen vierten Teil von "Saw"?

Darren Lynn Bousman: Wir sprachen darüber schon während der Dreharbeiten für den dritten Teil. Die endgültige Entscheidung fiel, als "Saw III" in die Kinos kam.

Frage: Seitdem brodelt die Gerüchteküche, wie die Geschichte weitergehen wird...

Lynn Bousman: Ich kann verraten, dass der Film an den dritten Teil anknüpft. Was alles weitere betrifft, lassen wir die Fans gerade wegen der ganzen Gerüchte im Dunkeln. Wir wurden in letzter Zeit so heftig mit Fragen gelöchert, dass wir einfach gar nichts mehr verneinen oder bejahen. Viele spekulierten, dass Amanda zurück ist, andere denken, dass sich die Geschichte um Jeff Denlon und seine Tochter dreht. Eins kann ich aber mit Gewissheit sagen: Niemand hat auch nur die geringste Ahnung, um was es im vierten Teil wirklich geht. Jede Plotzusammenfassung, die im Internet zu lesen ist, ist falsch.

Frage: Ohne zuviel zu verraten: Was macht die Geschichte in Ihren Augen sehenswert?

Lynn Bousman: Eigentlich war ich gegen einen vierten Teil, ließ mich dann aber dazu breitschlagen, vor meiner endgültigen Entscheidung wenigstens das Drehbuch zu lesen. Ich war mäßig beeindruckt, bis ich zur Seite 87 kam: An dieser Stelle fiel mir die Kinnlade herunter. Was da passiert, hatte ich – der seit drei Jahren an diesen Filmen arbeitet –nicht im Traum erwartet. Was da passiert, lässt alles bisher Geschehene in einem völlig neuen Licht erscheinen. Ich kann also guten Gewissens behaupten, dass Sie sich auf ein spannendes Ende einstellen können.

Frage: Der dritte Teil war emotionaler und vertraute weniger auf Schockeffekte. Kehren Sie für Teil vier also zurück zu alten Wurzeln?

Lynn Bousman: Es wird eine Mischung aus allen bisherigen Teilen. Es gibt zwar keine so intensive Beziehungsgeschichte mehr wie das im dritten Teil zwischen Shawnee und Tobin der Fall war, aber es geht doch wesentlich mehr um die einzelnen Charaktere als im zweiten Teil. Das Schöne an unserer Filmreihe ist ja gerade, dass wir nicht ausschließlich auf Schockeffekte bauen, sondern dass sich unsere Geschichte auf verschiedenen Ebenen abspielt.

Frage: Kann man den vierten Teil verstehen, ohne die bisherigen drei Filme gesehen zu haben?

Lynn Bousman: Es wird dem Zuschauer helfen, wenn er die ersten drei Filme kennt. Aber es ist nicht zwingend notwendig.

Frage: Was können Sie uns über die "Saw"-Reihe verraten, was eigentlich fast niemand weiß?

Lynn Bousman: Wir verwenden für alle Filme immer dieselben Statisten! Passen Sie zum Beispiel gut auf, wenn Szenen im Krankenhaus spielen: Die Schwestern sind immer dieselben! Oder der Polizist, der in "Saw III" einen halben Satz gesprochen hat: Auch er kommt im vierten Teil wieder zum Einsatz. Überhaupt bleibt die Zusammensetzung unseres ganzen Teams ziemlich konstant. Wir sind wie eine große Familie.

Frage: Warum ist Ihnen das so wichtig?

Lynn Bousman: Die Kontinuität vermittelt Glaubwürdigkeit. Wie gehören nicht zu der Sorte von Filmemachern, die jedes Jahr wieder alles umschmeißen. Ein erfolgreiches Franchise-Prinzip baut darauf auf, dass man mit relativer Konstanz auf dieselben Elemente vertraut. Man denke nur an "Stirb langsam" oder "Lethal Weapon", die dadurch über Jahre einen enormen Erfolg verbuchen konnten. Auf der anderen Seite haben sich solche Filmreihen als Flop erwiesen, die ständig neue Schauspieler einführten, weil sie sich selbst erneuern wollten.

Frage: Trotzdem haben Sie dieses Mal zwei neue Drehbuchautoren verpflichtet. Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen Ihnen, Marcus Dunstan und Patrick Melton?

Lynn Bousman: Zwischen "Saw II" und "Saw III" habe ich beim Schnitt eines anderen Films geholfen. Ein Stockwerk unter mir haben Patrick und Marcus an einem anderen Film gearbeitet. Zum ersten Mal begegnet bin ich den beiden, als ich eines Nachts zu meinem Auto ging und sie mich erkannten. Sie erzählten mir, wie sehr ihnen die "Saw"-Filme gefallen und gaben mir ihre Telefonnummern. Zwei Jahre später habe ich sie schließlich angeheuert. Dabei ist es gar nicht einfach, neu zu unserer Truppe zu stoßen. Unsere Geschichten folgen nämlich ganz bestimmten Regeln, die ohne Ausnahme beachtet werden müssen. Eine davon ist zum Beispiel, dass Jigsaw nicht lügt. Doch obwohl unser Regelwerk den Umfang eines dicken Telefonbuchs hat, haben die beiden sich durchgearbeitet und wirklich alles beachtet.

Frage: Wie schaffen Sie es eigentlich, dass die MPAA Ihnen Ihre ganzen Grausamkeiten für die Leinwand freigibt?

Lynn Bousman: Ich verweise auf die Autopsieszenen der TV-Serie "CSI", die teilweise sehr viel expliziter ist als wir. (lacht) Die MPAA hat eher Probleme mit psychischer Gewalt. Wenn Leute schreien und weinen finden sie das bedenklicher als Szenen, in denen am offenen Gehirn gearbeitet wird. Im Fernsehen darf heutzutage richtig beinharte Gewalt gezeigt werden: Bei der Serie "Law & Order" wurde kürzlich eine dreiminütige Vergewaltigung gezeigt – ungeschnitten. Zwar wurde da auf die Darstellung des eigentlichen sexuellen Aktes verzichtet, aber das schreiende Gesicht des Opfers war permanent zu sehen. Es mag absurd klingen, aber inzwischen ist das Fernsehen zu einem unserer größten Konkurrenten geworden.

Frage: Ware Ihre Kampfkasse dieses Mal größer als beim dritten Teil?

Lynn Bousman: Nein. Ich glaube, dass wir exakt dasselbe Budget zur Verfügung hatten.

Frage: Also in etwa zehn Millionen Dollar. Warum brauchen andere Produktionsfirmen ungleich mehr Geld für einen erfolgreichen Blockbuster?

Lynn Bousman: Unser Vorteil ist, dass wir effizient arbeiten. Wir kennen uns alle und müssen keine Zeit mit Erklärungen verschwenden. Unser Szenenbildner weiß zum Beispiel genau, was ich will. Wenn er etwas baut, unterlaufen ihm keine Fehler. Bei uns wird kein Geld zum Fenster hinausgeworfen. Ich bin von meinem Team so überzeugt, dass ich 95 Prozent der Leute auch für meinen nächsten Film angeheuert habe.

Frage: Doch nicht etwa "Saw V"?

Lynn Bousman: Nein, ich drehe etwas ganz anderes: eine Rockoper mit dem Titel "Repo!". Nacktheit, Gewalt und jede Menge heiße Girls: Es wird großartig! Mixen Sie die ganze Gewalt aus "Saw" mit der "Rocky Horror Picture Show" und "Blade Runner", und Sie haben eine Vorstellung von der Art meiner Inszenierung. Die Dreharbeiten beginnen im August.

Frage: Demzufolge sind Sie bei einer möglichen "Saw"-Fortsetzung nicht mehr mit dabei?

Lynn Bousman: Ich habe zwar nach dem letzten Film auch gesagt, dass ich nicht mehr Regie führen werde, aber dieses Mal verspreche ich es: Beim fünften Teil führe ich nicht mehr Regie!

Frage: Wird der Erfolg der "Saw"-Reihe trotzdem weitergehen?

Lynn Bousman: Ich bin davon überzeugt. Die Fans wissen, was sie bei uns erwartet. Wir vertrauen auf erfolgreiche, wiederkehrende Elemente und bringen zwischen dem ganzen Horror auch noch gehaltvolle Aussagen rüber. Bevor der zweite Teil in die Kinos kam, hielten uns alle für verrückt. Man dachte, wir wollten den Erfolg des ersten Teils lediglich ausnutzen. Wir haben sowohl mit Teil zwei als auch mit Teil drei bewiesen, dass wir immer noch hohe Qualität liefern können. Von diesem Qualitätsprinzip werden wir auch in Zukunft nicht abweichen.

Interview geführt von Rico Pfirstinger

 




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