Im Handel erhältliche Soundtracks kommen in der heutigen Zeit selbst bei kleinen oder unerfolgreichen Filmen vor. Um dieser Bewegung ihren Tribut zu zollen, findet Ihr im Inneren dieser News unseren zweiten Schwung an Besprechungen eines OST (Original Motion Picture Soundtrack). Auf dem Plan stehen in der heutigen Ausgabe die musikalischen Untermalungen der Stephen King Umsetzung Der Nebel und Francis Lawrences Endzeit-Thriller I Am Legend: Auch der hervorragende Wissenschaftler Robert Neville konnte den von Menschenhand entwickelten Virus nicht in den Griff bekommen. Grausam und unerbittlich breitete sich die Epidemie über den gesamten Erdball aus. Aus unbekannten Gründen ist Neville immun, als einziger Mensch hat er in den Ruinen von New York City überlebt. Vielleicht ist er sogar der letzte Mensch auf Erden. Seit drei Jahren funkt er nun unentwegt Botschaften, um doch noch einen Verbündeten zu finden. Doch er ist nicht allein: Lichtscheue Mutanten wandeln auf der Erde.

 

Der Nebel + I Am Legend OST

Nachdem wir mit der Soundtrackbesprechung zu „Ich weiß, wer mich getötet hat“ ein neues Kapitel hier bei BlairWitch.de aufgeschlagen haben, folgen heute zwei weitere Rezensionen. Wir haben heute für Euch die Original Soundtracks zum Endzeitspektakel „I Am Legend“ mit Will Smith und zur schockierenden Stephen King-Verfilmung „Der Nebel“ unters Hörgerät genommen. Zwei unterschiedliche Filme, zwei verschiedende Komponisten und zwei komplett gegensätzliche Klangerlebnisse.

Beginnen wir mit der Besprechung zum Score von I AM LEGEND. Wer den Film gesehen oder die Romanvorlage gelesen hat, weiß, dass Robert Neville der letzte Mensch auf Erden ist, dem ein ausgebrochenes Virus nichts anhaben kann. Tagsüber streift er durch das triste New York, nachts schützt er sich vor den lauernden Mutanten. James Newton Howard, der unter anderem schon für den Mystery-Hit „The Sixth Sense“ und „King Kong“ die Filmmusik schrieb, bietet dem Zuhörer mit seinem Leitmotiv beim I AM LEGEND-Score eine wunderschöne Komposition, die in all ihren Variationen die passende Stimmung hervorruft. Sei es ein Duett mit Streichern und Piano, die eine ruhige und warme, aber gleichzeitig auch flehende und traurige Atmosphäre kreieren, in der man sich verliert und mitunter sogar zu träumen beginnt, oder aber im Gegensatz dazu panische Pauken im Zusammenspiel mit elektrischen Drums, die nackte Angst und dramatische Verzweiflung ausdrücken. Besonders angetan hat es mir der Track „Evacuation“. Tiefe Klänge der Streicher, die das Drama, das Ausmaß des Virus und das Leid der Betroffenen vermitteln. Als Unterstützung zum tollen Orchester stößt hier The Hollywood Film Chorale, die dem ganzen Flair mit den Chorälen zusätzliche Tiefe verleihen. Und mitten in diesem Ambiente fällt der Zuhörer dank des Arrangements plötzlich in ein tiefes Loch. Unheil naht, Spannung wird aufgebaut, gleichzeitig schimmert aber auch so etwas wie ein Quentchen Hoffnung hindurch. Wie wird das alles enden? Howard beantwortet diese Frage nicht, lässt das Ende und „Evacuation“ offen. Wer den OST von I AM LEGEND an sich heranlässt, wird in eine andere Welt eintauchen und träumen, hoffen und wird mit einem Mal vom „Bösen“ herausgerissen. Musik kann schockieren – Howard gelingt dies sehr gut. Wie auch schon das Hauptthema bei „King Kong“ zieht das von I AM LEGEND den Zuhörer in den Bann, lässt ihn nicht mehr los. Ein dramatischer, teils pompöser Score, der die Bilder von I AM LEGEND perfekt begleitet.

Ganz anders dagegen Mark Isham („The Black Dahlia“, „Bobby“, „Running Scared“). Er setzt bei seinem Score zu DER NEBEL auf mechanischen, industriellen und experimentellen Sound. Klassische Instrumente wie Piano und Streicher sind so gut wie nicht zu hören. DER NEBEL ist halt auch ein völlig anderer Film als I AM LEGEND. Und wie auch bei Ersterem trifft der Soundtrack voll ins Schwarze. Das Ausbreiten des Nebels wird von Isham mit einem „wabernden“ Synthesizer perfekt vertont. Auch das nahende Grauen in Form von „Bugs“ und „Spiders“ hämmert sich im wahrsten Sinne in die Gehörgänge des Zuschauers und Zuhörers. Ein einnehmender, stampfender mechanischer Beat, dazwischen disharmonierende Frauenchoräle. Panik steigt auf, ein Ausweg ist nicht in Sicht. Der monotone Sound, im Hintergrund stets der sich breit machende Nebel, geht an die Substanz. Während die „Feinde“ polternd Einzug erhalten, wurde das Nebel-Hauptthema zunehmend ruhiger gestaltet. Der Nebel macht blind, man fühlt sich unwohl, man sieht nicht, was als Nächstes auf einen zukommt. Diese Hilflosigkeit, die stille Panik, die Ruhe vor dem Sturm – all das bringt Mark Isham gekonnt herüber. Absoluter Anspieltipp ist Track 7, „The Host of Seraphim“. Ein anhaltender Orgelton mit Paukenschlägen zersetzt, läutet den wohl stimmungsvollsten Part des Scores ein. Diejenigen, die den Film kennen, werden sich bei dem knapp siebenminütigen Track wohl an eine gewisse Sequenz im Film immer wieder erinnern. Das führt dazu, dass man sich selbst beim Hören die Bilder von DER NEBEL in den Kopf zurückruft und immer wieder daran denken muss, was Frank Darabont uns im Zusammenspiel mit Mark Isham da präsentiert hat. Wer voller Freude den Soundtrack in die Stereoanlage schob, wird spätestens hier das genaue Gegenteil sein. Schockiert, verzweifelt, am Tiefpunkt angelangt.

Isham bietet uns einen experimentellen, mechanischen und unglaublich bedrohlichen Score mit einem Hammer zum Ende. Nichts für nette Abenduntermalung!

PS: „The Vicious Blues“ fällt ein wenig aus der Reihe – um aus dem weiten endlosen Nichts nach Track 7 wieder auf den Damm zu kommen aber genau das richtige Mittel.

>> verfasst von Janosch Leuffen




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