Wie kam es dazu, dass es so viele Jahre in Anspruch genommen hat, einen weiteren Film zu inszenieren?

Es waren insgesamt zehn ganze Jahre, das stimmt. In Wahrheit hatte ich über diesen langen Zeitraum aber eine ganze Menge Projekte in der Mache, die aus dem einen oder anderen Grund am Ende dann doch nicht entstanden sind. Als Filmemacher lässt sich dieser Prozess nicht immer gezielt steuern. Glücklicherweise hat es im aktuellen Fall mit 100 Feet dann endlich wieder funktioniert.

Mit Famke Janssen hat sich ein bekanntes Gesicht für die Hauptrolle finden lassen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Weil es eine Traumrolle für jede Schauspielerin ist, da sie den gesamten Film trägt. Das  Drehbuch besteht aus drei gewichtigen Standpfeilern: der Frau, dem Haus, der Geist. Die Möglichkeit, einen derartigen Part spielen zu dürfen, bietet sich einer Schauspielerin oder einem Schauspieler heutzutage nicht oft. Insgesamt also eine sehr umfangreiche Aufgabe, diese komplexe, verstörte und menschliche Heldin zu verkörpern. Wie wir Famke dann bekommen haben? Wir sendeten ihr das Drehbuch und sie trat mit der Haltung auf: Dieser Part gehört mir und niemand wird ihn mir nehmen können!

Hattest Du bei der Realisierung völlig freie Hand?

Die Produzenten ließen mich im Grunde wirklich das tun, was ich mit diesem Film erreichen wollte. Ich bin mit dem Endergebnis sehr zufrieden.


Das Genre wird aktuell sehr von Neuverfilmungen bekannter und geliebter Titel bescherrt. Worin besteht die Schwierigkeit, heute noch mit Innovationen aufzuwarten?

Remakes sind der aktuelle Trend. Hollywood hat es sich schon immer einfach gemacht, indem vornehmlich Projekte mit großen Erfolgsaussichten in Produktion gingen. Ganz ähnlich verhielt es sich auch im Falle von The Hitcher, der dann jedoch weniger erfolgreich an den Kinokassen angenommen wurde. So ist das Geschäft, und das Studio folgt in diesem Sinne nur der momentanen Nachfrage der Kinogänger. Persönlich habe ich es jedoch immer als meinen Job betrachtet, mit originellen Ideen aufzuwarten und diese umzusetzen, weil Originale am Ende immer innovativer sind und sich auch besser verkaufen lassen.

Wie hat sich das Genre im Nachhinein für Dich entwickelt?

In der gesamten Zeit, die ich bereits in das Filmgeschäft investiert habe, hat Horror immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist als Genre, als respektierte Filmart gereift. Die Industrie hat den kommerziellen Faktor dieser Filme erkannt. Als ich mit dem Filmemachen anfing und wir immer neue Titel dieser Gattung produzierten, war das noch nicht unbedingt so. Es ist nett, bedeutet aber auch, dass Originale zum damaligen Zeitpunkt das Geschäft bestimmten und nun Neuverfilmungen in den Vordergrund rücken, weil Horror kommerziell geworden ist.

Inwieweit warst Du persönlich in das Remake zu The Hitcher involviert?

 
Der komplette Aufbau von Szene zu Szene und die Action stammt aus dem von mir verfassten Drehbuch, aber sie haben die psychologische Entwicklung der einzelnen Charaktere vollständig entfernt. Die amerikanische Vereinigung der Drehbuchautoren gab mir eine Nennung als Autor, da sie mein Original zu geringfügig verändert hatten. Mit der Produktion hatte ich an sich aber rein gar nichts zu tun.

Was folgt nach 100 Feet? Im Juni 2008 wurde ein Vampirfilm mit dem Namen Nightlife angekündigt, ebenso wie die filmische Umsetzung des Jack Ketchum Romans Off Season.

Im Bezug auf Nightlife befinden wir uns momentan in vielen Gesprächen, fest steht aber noch nichts. Off Season ist hingegen eines meiner langjährigen Projekte, da ich mit Ketchum bereits seit fast 30 Jahren in Kontakt stehe. Ich hoffe sehr, dass wir Off Season in nächster Zeit tatsächlich realisieren können.


>> verfasst und geführt von Torsten Schrader, Carmine Carpenito

 




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