BlairWitch.de: Splinter markiert dein Spielfilmdebüt - ein sehr erfolgreiches und von der Presse wohlwollend aufgenommenes noch dazu. Wie kam das Projekt ins Rollen?

Toby Wilkins: Die ursprünglichen Skizzen, also das Konzept der Kreatur in Splinter, war das erste Detail, an das wir uns gewagt haben. George Cawood, einer meiner Freunde, und ich haben diese Idee, eine Kreatur bzw. ein Wesen zu erschaffen, das die Kontrolle über einen Wirt übernimmt und diesen von innen heraus angreift, über Jahre hinweg entwickelt. Wir waren beide der Meinung, dass es sich hierbei um ein gruseliges Konzept handelt. Im Grunde der Gedanke, dass man sich nicht mehr bewegen kann und noch atmet, während sich die Kreatur den menschlichen Innereien widmet. Faszinierend war auch die Überlegung, wie und ob das in einem Film aussehen bzw. funktionieren würde. Irgendwann habe ich dann ein Drehbuch von Ted Kroeber, einem der Produzenten, erhalten, das Ian Shorr mit dem Arbeitstitel Tooth & Nail geschrieben hatte. Er war der Ansicht, etwas Originelles und Frisches in den Händen zu halten. Persönlich fand ich aber vor allem deswegen Gefallen daran, weil es mich an die Klassiker des Genres erinnerte, die dafür gesorgt haben, dass ich vorrangig Horrorfilme umsetzen wollte. Dazu gehören unter anderem Filme wie The Thing, Dawn of the Dead und Night of the Living Dead, deren Setting bzw. Atmosphäre mich sehr beeindruckt haben. Splinter ist eine Art Kombination beider Ideen, die Quintessenz, wenn man so will. Später war dann alles eine Frage der richtigen Crewmitglieder, um die Dreharbeiten im Sommer 2007 ins Rollen zu bringen.

Splinter geht mit seiner grafischen und brutalen Gewaltdarstellung teilweise sehr unter die Haut. Bist Du der Ansicht, dass der Härtegrad, die Vorstellung davon, was mit den Opfern passiert, ein wichtiger Bestandteil des Films ist?

Ich stimme zu, dass wir heutzutage viele Wiederholungen, viele Slasher und mehr vom Gleichen zu sehen bekommen, was den Spaßfaktor deutlich drückt. Deshalb sollten wir meiner Meinung nach lieber wieder versuchen, einen anderen Weg zu wählen, um das Feeling einer Art Achterbahnfahrt, diese Unterhaltsamkeit, zu entfachen, wie es bei einem Horrorfilm der Fall sein müsste. Natürlich gibt es für alles eine bestimmte Richtung, aber wir haben das Potenzial, das uns Horror eigentlich bietet, irgendwie aus den Augen verloren. Um auf die eigentliche Frage zu kommen: Ja, ich würde sagen, dass die Gewaltdarstellung auf eine gewisse Art und Weise wichtiger Bestandteil von Splinter geworden ist. Aber die Kreatur selbst trägt nur einen Bruchteil dazu bei. Viele Goreszenen im Film gehen mehr von den einzelnen Charakteren aus, dem Überlebensinstinkt. Unter anderem geht es ja auch um gewöhnliche Gewalt, die mit dem Horror an sich im Grunde nichts zu tun hat. Zum Beispiel in der Szene, als sich die Charaktere zum ersten Mal begegnen. Auch hier geht es schon ordentlich zur Sache, wenn auch auf einer anderen Ebene. Zu diesem Zeitpunkt existiert die eigentliche Gefahr noch nicht, was mir wesentlich lieber ist. Einen Film also in einer anderweitigen Richtung starten zu lassen, um dann langsam das Gleis zu wechseln. Die Charaktere haben ein Ziel, wenig später tritt ein Wandel in Kraft, der das Erreichen dieses verhindert, und der richtige Horror kommt ins Rollen. Aber wie gesagt: Ich denke, dass die Goreszenen für die Zielgruppe durchaus wichtig sind. Bei einem Screening in New York hatten wir sogar Standing Ovations mitten im Film, und zwar bei einer makaberen Todesszene. Das war für mich natürlich eine Art Beweis dafür, dass viele Genrekenner auf solche Szenen anzusprechen scheinen. Speziell deshalb, weil die Zuschauer bei Splinter genau das zu fühlen scheinen, was die Charaktere am eigenen Leib zu spüren bekommen.


Als Effektspezialist hast Du in diesem Bereich einige Erfahrungen sammeln können. Worauf musste bei der Erschaffung des Parasiten besonderen Wert gelegt werden? War es wichtig, möglichst auf CGI zu verzichten?

Total wichtig! Dadurch, dass die Kreatur teilweise sehr menschlich aussieht und damit für den Zuschauer vertrauter wirkt, wäre es in meinen Augen eine Katastrophe gewesen, dieses Wesen als CGI-Monster in den Film zu integrieren. Speziell, weil ich schon so viele Jahre mit dieser Technik vertraut bin, weiß ich, dass es in einem Desaster geendet hätte. Ich bin ein großer Verfechter von handgemachten Effekten. Als Spezialist in diesem Bereich versuche ich so viel möglich direkt zu filmen und selber zu kreieren. Es muss einfach sehr real und greifbar auf die Zuschauer einwirken. Eine Kreatur, die am Computer erschaffen wurde, existiert ja nicht wirklich, weil man die Enstehung deutlich erkennt. Das ist auch der Grund, weshalb Kreaturen dieser Art nur selten beängstigen. In einem Fantasy-Abenteuer wäre das wiederum eine völlig andere Geschichte. Hier wird der Zuschauer in eine fremde Welt entführt und der Verstand akzeptiert das, was er sieht. Wenn man einen Horrorfilm dreht, dann ist es ganz wichtig, die Zuschauer glauben zu lassen, dass diese Kreatur tatsächlich existiert. Ich bin der Überzeugung, dass es in diesem Genre, anders als bei Action oder eben Fantasy, sehr viel besser wäre, auf Altbewährtes zurückzugreifen, um alles so real wie möglich darzustellen.

Bei Independent-finanzierten Projekten ist das Budget zumeist knapp bemessen. Ließ sich dennoch alles so realisieren, wie es im Drehbuch vorgesehen war?

Nicht wirklich. Aber es gab natürlich einige Szenen, bei denen wir genau abwägen mussten, wie schnell diese Sequenzen abzudrehen sind. Zum Beispiel gab es zum Ende diese umfangreichere Actionsequenz, in der die Kreatur in die Tankstelle läuft und so ziemlich alles in Schutt und Asche legt, was sich ihr in den Weg stellt. Genau diese Teile des Films konnten wir nur ein einziges Mal drehen. Wir hatten daher nur diese eine Chance, um es richtig zu inszenieren, und das war es dann. Es dauerte Stunden, bis alle Details koordiniert waren, weil wir eben nur diesen einen Versuch hatten. Es musste einfach alles stimmen. Die Kameramänner mussten dann jeweils auf einen speziellen Punkt springen, um möglichst viele Einstellungen dieses Abschnitts für die Nachbearbeitung in den Kasten zu bekommen. Das war eine der wenigen schwierigen Aufgaben, die mit den niedrigen Produktionskosten zusammenhing.

 

Splinter konnte mehrere Preise einheimsen und wurde von Kritikern sehr positiv aufgenommen. Bist Du über diese umfassende Resonanz überrascht?

Auf jeden Fall. Und ich bin wirklich sehr glücklich, dass Fans und Kritiker unseren Film derart positiv aufgenommen haben. Ich denke, einer der Gründe, weshalb es zu dieser Situation kam, ist eben die Neuartigkeit unserer Produktion. Es schien fast so, als hätten viele Anhänger bereits Jahre auf ein Projekt dieser Warte gehofft.

Wie war es, bei den ganzen Filmfestivals mitten im Publikum zu sitzen, ohne vorher zu wissen, wie sie auf Splinter reagieren würden?

Aufregend, schlicht aufregend. Als Filmemacher konzentriert man sich immer nur auf mögliche Fehler, während sich die Zuschauer vom aktuellen Geschehen, das sich auf der Leinwand abspielt, mitreißen lassen. Es war beim Screamfest in Los Angeles, also die Weltpremiere, als ich den Film zum ersten Mal zusammen mit einem Publikum gesehen habe. Und das war eine großartige Erfahrung. Ich hatte wirklich keine Ahnung, was mich da erwartet. So ziemlich niemand, außer einem Teil der Crew, konnte im Vorfeld einen Blick auf das Endergebnis werfen. Wir haben uns also in einen Saal mit geschätzten 300 Filmliebhabern gesetzt, die speziell diesem Genre zugetan sind. Darunter teilweise richtige Hardcore-Fans, da es sich ja schließlich auch um ein Festival für Horrorfilme handelte. Es ist ein Unterschied, ob man das eigene Werk der Crew, Freunden und Verwandten vorführt, oder eben einem Publikum, das diese Art Film liebt. Dabei war natürlich sehr interessant zu sehen, wie sie bei mehreren Goreszenen oder anderen, ebenso sehr unter die Haut gehenden Sequenzen positive Kommentare und Bemerkungen abgegeben haben. Dann gab es auch viele Menschen, auch bei späteren Screenings, die auf mich zukamen und meinten, dass sie eigentlich keine Liebhaber dieses Genres wären, Splinter aber dennoch sehr mögen würden. Das fand ich sehr erstaunlich. Gerade in einer Zeit, in der das Genre dafür sorgt, dass sich Menschen gegenseitig sehr schlimme Dinge antun, wie zum Beispiel in Filmen wie Saw. Aber das ist es gar nicht, was diese Gattung auszeichnet. Viel wichtiger ist es, den Filmliebhabern zu zeigen, wie witzig, unterhaltsam und spannend diese klassischen Horrorfilme doch eigentlich sein können.

 

Gibt es Pläne, die Kreatur erneut auf die Leinwand zu bringen?


Ich würde mich sehr darüber freuen, die Möglichkeiten dieser Kreatur auszuschöpfen, da noch eine ganze Menge Potenzial in ihr steckt. Als wir uns mit der Visual Effects Schmiede an einen Tisch gesetzt haben, die für die handgemachten Effekte verantwortlich zeichnete, wurden uns verschiedene Skizzen präsentiert, auf denen gänzlich verschiedene Arten der Kreatur abgebildet waren. Weitere Möglichkeiten und Beispiele, wie sich gleich mehrere Opfer zu einer großen Kreatur verschmelzen und wie diese dann aussehen könnte. Dies waren alles Vorschläge, die wir für das Finale in Splinter zur Verfügung hatten. Ich habe mich dann für eine dieser Skizzen entschieden, die man so im Film zu sehen bekommt. Aber es existieren elf weitere dieser Monster auf Papier und ich würde es natürlich schön finden, sie alle in einem weiteren Film zu integrieren. In einer größeren Skala würde ich den Zuschauern auch aufzeigen, zu was das Monster noch in der Lage sein kann, wenn es immer mehr Opfer bzw. Nahrung zu sich nimmt. Das ist nur einer der Gründe, weshalb ich gerne einen weiteren Film drehen würde, über den hinter den Kulissen auch schon gesprochen wird.

Nach Splinter ging es für Dich mit The Grudge 3 gleich abermals auf den Regiestuhl. Wie kam es, dass Dir Ghost House Pictures nach Tales from the Grudge die inszenatorische Leitung anbot?

Ich stehe schon seit einigen Jahren mit ihnen in Verbindung. Auf mich aufmerksam geworden sind sie eigentlich durch meinem Kurzfilm Staring at the Sun, der 2005 auch einen Preis für den besten Kurzfilm einheimsen konnte. Ghost House Pictures war bei einem Panel anwesend und mochten meine Arbeit. Kurze Zeit später erhielt ich auch schon einen Anruf, ob ich denn daran interessiert wäre, auch für sie einen Kurzfilm zu drehen.

Zwischen Splinter und The Grudge 3 vollzieht sich der Wechsel von expliziter Gewaltdarstellung zum unterschwelligen Geister-Horror. War diese doch sehr anders geartete Erzählweise ein Leichtes für Dich?

Es geht. Wenn man einen Blick in meine Filmographie wirft, wird man schnell feststellen, dass ich immer etwas anderes inszeniert habe. Die Regisseure und die Filmemacher, deren Arbeit meine eigene beeinflusst haben, sind die, die immer die Schiene wechseln, um sich einem anderen Genre zu widmen. Sie drehen einen Film im Horror-Genre, wechseln dann zur Familienunterhaltung, inszenieren eine Komödie, einen Actioner ... und so weiter. Ständig etwas Neues, immer im Wandel begriffen. Genau das habe auch ich in meiner bisherigen Karriere getan, selbst zu der Zeit, als ich noch Kurzfilme in Szene gesetzt habe. Als Ghost House Pictures dann zum Meeting rief, die sich ja nahezu ausschließlich um den fantastischen Film bemühen, kam es zu einer mehrjährigen Zusammenarbeit. Wir hatten bereits drei Projekte realisiert: Zum einen Mousetrap, ein zweiminütiger Horror-Thriller; zum anderen Tales from the Grudge, um den damaligen Kinostart von The Grudge 2 zu pushen. Kurze Zeit später gab es mit The Devils Trade, eine Webserie, gleich noch eine Zusammenarbeit. Als mir Ghost House Pictures den Regieposten zu The Grudge 3 anbot, habe ich mich dafür entschieden, diese Aufgabe zu übernehmen. Bis heute hatte ich mit dieser Produktionsfirma durchgehend positive Erfahrungen, was die produzierende Leitung von Sam Raimi einschließt.

War es eine große Herausforderung für Dich, einen Film zu einem bereits bestehenden Franchise zu inszenieren?

Die eigentliche Herausforderung war, das bereits bestehende Universum zu übernehmen, sich jedoch nicht zu verkaufen und die eigene Handschrift zu wahren. Wichtig war es, dem Franchise einen frischen und neuen Touch zu verleihen. Aber das ist bei jedem Projekt die Herausforderung, denke ich. Wir haben im Falle von The Grudge 3 eine überaus visuelle Welt. Das Angebot war also eine große Ehre für mich. Und ich denke auch nicht, dass es eine Kehrseite gibt. Insgesamt existieren, das glaube ich zumindest, ganze acht The Grudge Filme, wenn man die Kurzfilme mitzählt. Die japanischen Werke unterscheiden sich indes sehr vom amerikanischen Franchise. The Grudge 3 setzt direkt bei der US-Version an und legt keinerlei Wert darauf, die Ju-On Filme nachzuahmen. In den USA handelt es sich beim neuesten Ableger übrigens auch um den ersten Teil mit einem harten R Rating. Die beiden vorigen Filme hatten jeweils eine PG-13 Freigabe.

 

>> geführt und verfasst von Carmine Carpenito, Torsten Schrader




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