BlairWitch.de: In Deutschland sind 3D Kinos noch nicht so weit verbreitet wie in den USA. Was bietet My Bloody Valentine Zuschauern, die mit einer 2D Version vorlieb nehmen müssen?

Patrick Lussier: My Bloody Valentine bietet durchgängig gute Unterhaltung und wirklich jede Menge Spaß. Geneigte Kinogänger sitzen hier nicht etwa in einer typischen Gruselmär aus Japan, sondern kehren vielmehr zu den Wurzeln des Slashers zurück, also den eigentlichen Ursprüngen des Genres, um zu sehen, was sich noch heute daraus machen lässt. Zusammengefasst handelt es sich also um einen sehr spaßigen und witzigen Horrorfilm im Stile der Slasher aus den Achtzigern. Natürlich möchte ich die Möglichkeiten und zusätzlichen Schauwerte, die uns 3D als neue Technologie bietet, nicht unter den Teppich kehren. Es ist eine völlig neue und unvergessliche Erfahrung, die den Kinobesuch zu etwas Besonderem macht. Der Zuschauer befindet sich mitten im Geschehen, was dem Gefühl einer fahrenden Achterbahn entspricht, die ihren höchsten Punkt erreicht hat und sich nun langsam auf den Abgrund zubewegt.

Teenie-Slasher waren in den Neunzigern sehr populär. Denkst Du, dass das Slasher-Genre durch My Bloody Valentine neue Impulse gewonnen hat?

Das denke ich auf jeden Fall. Ich bin jedoch der Meinung, dass das Genre als solches sehr wankelmütig geworden ist und es eigentlich auch schon immer war. Die Zeit bestimmt also, was populär ist und was nicht. Wir haben uns daher auf eine Reise in die Vergangenheit begeben, um einen Film dieser Art zu realisieren. Dabei sind wir auf viele Namen gestoßen, die in den Siebzigern und später entstanden sind, zum Beispiel Black Christmas, The Texas Chainsaw Massacre, Prom Night oder Friday the 13th. Es bestand schon immer ein gewisses Interesse an diesen Filmen, was sich nicht bestreiten lässt. Die Denkweise war also: Adaptieren wir eines dieser bekannten Werke, unterlegen es mit einer aktuell im Trend liegenden Technologie und die Menschen werden erkennen, dass diese Machart auch heute spaßig sein kann, wenn man sich nur auf sie einlässt. Mit My Bloody Valentine springen wir daher herausstechende Vertreter einer jeweiligen Epoche an. Als wichtige Frage galt dabei zu klären, was diese Filme so besonders machte. Was machte sie so effektiv und warum haben sie das Publikum derart in den Bann gezogen? 

 

Im Film geht es stellenweise sehr blutig zu. War die MPAA mit der ersten Schnittfassung sofort einverstanden?

Das war eine sehr witzige Angelegenheit, denn die Version, die sie zu sehen bekommen haben, kam nicht durch. Aber nicht etwa wegen der Gewaltdarstellung, sondern wegen einer gewissen Sexszene, die im Film enthalten ist. Das war überaus amüsant, da genau diese Szene der Auslöser dafür war, dass der Film abermals zurückgewiesen wurde. Mit der Gewaltdarstellung an sich hatten wir also lustigerweise kaum oder weniger Probleme.

Bei einer kommenden DVD-Auswertung wird My Bloody Valentine die 3D Funktion aus dem Kino genommen. Was macht die Veröffentlichung dennoch einzigartig?

Die Käufer werden auf jeden Fall die Möglichkeit dazu haben, den Film in gewisser Weise in 3D zu sehen. Auf DVD bzw. Blu-Ray Disc wird es eine Funktion geben, die dem Zuschauer erlaubt, das Erlebnis durch eine Rot/Grün-Brille zu sehen, weshalb wir dieses Gefühl also doch irgendwie auf DVD wiedergeben. Natürlich können wir dieses einzigartige Feeling, diese besondere Atmosphäre, die sich in einem Kino abspielt, dennoch nicht 1:1 ins Wohnzimmer übertragen, da die Technik eine völlig andere ist. Aber wie gesagt: Auch im Heimkino wird man ihn sich sowohl in 2D als auch in 3D ansehen können, nur eben nicht in der modernisierten Version und mit eingeschränkten Möglichkeiten. Aber auch so wird die DVD einige sehr schöne Extras beinhalten. Unter anderem zeigen wir ausführlich, wie jede beliebige Todesszene, die teilweise wirklich sehr blutig, brutal und witzig sind, entstanden sind und wie wir sie durch die 3D-Möglichkeit realitätsnäher kreieren konnten. Diese ganzen Eindrücke von den Dreharbeiten finden sich also auch auf DVD.

Lionsgate Films soll kein Interesse an einem Sequel haben, obwohl das Remake sehr positiv aufgenommen wurde. Wie erklärst Du diesen Umstand?

Die Darsteller, also die Charaktere im Film, die dieses Massaker überleben, haben schon darüber gesprochen, ob man unser Abenteuer fortsetzen könnte, wenn sich die Chance ergibt. Lionsgate Films hat es mit einem Sequel aber nicht eilig. Vielleicht ändern sie ihre Meinung später noch, aber im Augenblick ist es so, dass sie es nicht realisieren möchten.

My Bloody Valentine konnte zum Start einen Kopienschnitt von 19.000 Dollar in US-3D Kinos verbuchen. Bleibt das Interesse deiner Meinung nach auch in Zukunft bestehen?

Ich denke, dass es sich in absehbarer Zeit den Sehgewohnheiten annähern wird. Es werden immer mehr Säle mit dieser Funktion ausgestattet sein, weshalb Lichtspielhäuser dann bald zwei oder drei Filme dieser Gattung gleichzeitig spielen können. Irgendwann geht es dann so weit, dass 3D Filme nicht mehr auschließlich als Eventkino konzipiert werden, sondern auch in ruhigere Regionen vorstoßen, zum Beispiel als Drama oder Komödie. 3D ist momentan noch etwas, das man sich ansehen muss, weil es einfach einzigartig ist und ein außergewöhnliches Filmerlebnis mit vielen Menschen in einem Saal verbindet. Daher stellt sich auch nicht die typische Frage: 'Gehe ich lieber ins Kino oder warte auf die DVD?'. Es wird jedoch nicht immer so bleiben.

 

Auch Condition Dead, eines deiner angekündigten Projekte, soll in 3D über die Leinwand flimmern. Was kannst Du uns über den Zombie-Thriller verraten?

Condition Dead befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Der Film driftet jedoch verstärkt in eine Action-orientierte Richtung und geht weniger auf das Horror-Thema ein. Die Grundhandlung dreht sich darum, dass Tote zum Leben erwachen und die Regierung Profis damit beauftragt, sich dieser Situation anzunähern, um die Horden unter Kontrolle zu bekommen. Wir folgen einer Spezialeinheit, die diese geheimen Arbeiten zu absolvieren versucht und sich verschiedenen Arten von Ausbrüchen widmet. Doch dann gerät alles außer Kontrolle und die Protagonisten sehen sich mit einer unerwarteten Situation konfrontiert. Condition Dead wird ein sehr realistischer Film werden, da sich durch die 3D Technologie die Möglichkeit bietet, speziell das Finale im Film in ein kleines Abenteuer zu verwandeln, was uns wieder dieses aufregende Gefühl einer Achterbahnfahrt simulieren lässt. Also etwas anders wie in My Bloody Valentine, der zum Ende hin mehr einem Suspense Trip mit einigen Flash-Points ähnelt. Condition Dead wird noch ein wenig echter auf den Zuschauer wirken.

Bereits im Jahr 2000 bist Du vom Editing Room auf den Regiestuhl gewechselt, hast deine Regiearbeiten bisher jedoch vornehmlich selbst geschnitten. Würdest Du diesen Schritt jedem Filmemacher empfehlen, um noch freier arbeiten zu können?

Der einfache Grund, warum ich es tue: Weil ich es kann. Die Arbeit als Editor war über viele Jahre mein Standbein als Filmschaffender, ich habe viel gelernt, umgesetzt und ausprobiert. Das ist der einzige Grund, ganz simpel. Zudem lassen sich Ideen und eigene Vorstellungen viel schneller umsetzen, anstatt sie ausschweifend mit einem Themenfremden diskutieren zu müssen. Ein Regisseur arbeitet hier normalerweise mit einem Editing-Partner zusammen. Aber ich kenne das Gefühl, sein eigenes "Baby" aus der Hand geben zu müssen. Beide Prozesse lassen sich auf diesem Wege ganz eigenständig überwachen, was großartig ist. Auf der anderen Seite bringt ein Partner immer frischen Wind mit sich, da er womöglich eine andere Denk- und Sichtweise hat als man selbst. Wenn die Fähigkeiten für diesen Teil der Filmerschaffung aber vorhanden sind, wieso eigentlich nicht?

Deine Filmografie besteht fast ausschließlich aus Fortsetzungen und einem Remake. Zufall oder beabsichtigt?

Ich denke, das hat sich in den Jahren einfach so ergeben (lacht). Wenn ein Angebot eintrifft, das bereits zum Dreh bereit ist, hat dieses natürlich den Vorrang, während in der Entwicklung befindliche Projekte in den Hintergrund rücken.

Und zum Abschluss: Welche Machart ist für Dich zukünftig die erste Wahl?

3D ist spannender. Als wir bei My Bloody Valentine 3D nach Abschluss des jeweiligen Drehtages unser Material begutachtet haben, fanden wir das, was wir aus dem Ärmel gezaubert haben, einzigartig. Es war eine helle Freude, die einzelnen Szenen durchzugehen. Ich denke, dass diese Variante viel Freiraum für Inspiration lässt, da man sich ständig überlegen kann, wie man gewisse Dinge umsetzt, um den Zuschauer in eine besondere und dreidimensionale Welt zu entführen. 3D ist sehr vielfältig und eine tolle Ergänzung der technischen Möglichkeiten.

>> geführt und verfasst von Carmine Carpenito, Torsten Schrader 




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