![]() Hallo Herr Eisner. Mir ist aufgefallen, dass "The Crazies" schon das zweite Remake eines Romero-Films ist, das einen Johnny-Cash-Song im Vorspann hat... ![]() Aber einen gewissen Druck wirst du wohl schon verspürt haben. Auch wenn "The Crazies" nicht eines seiner bekanntesten Werke ist: Es geht hier immerhin um DEN Romero... Absolut! Ich meine, verdammt: Ich drehe ein Remake eines George A. Romero-Films! Die Besonderheit an Neuverfilmungen von Romero-Werken ist, dass er an fast keinem seiner alten Filme die Rechte hält. Das bedeutet also, er bekommt weder Geld dafür, noch kann er überhaupt entscheiden, ob die Remakes produziert werden. Bei "The Crazies" ist das anders: An diesem Film hatte er die Rechte und hat sich entschieden, sie für ein Remake zu verkaufen. Er verdient also mit an unserem Film und hat auch seinen Segen gegeben, was mir sehr wichtig war. Ich habe kürzlich ein Interview mit ihm gelesen, in dem er deinen Film sogar ein bisschen lobt... Wir haben ihm den Film in Torronto vorgeführt und er war sehr wohlwollend. Er war mit meinen Veränderungen einverstanden und war froh, dass das Remake seinem Film treu bleibt. Viele aktuelle Horror-Remakes sind ja viel zynischer und bösartiger als die Originale. Auch Romero hat in seine Filme ja gerne mal Comic-artige Elemente eingefügt... Das stimmt, trifft aber nicht auf "The Crazies" zu. Das Original ist unglaublich düster und zynisch; einige Szenen sind derart finster, dass wir sie unmöglich übernehmen konnten. Das Ende von Romeros Film gehört wohl zu den niederschmetterndsten Filmenden, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe! Die komischen Elemente in diesem Film entspringen wohl eher dem mangelnden Talent der Darsteller, denn man darf nicht vergessen, dass Romero aus Geldmangel fast ausschließlich mit Laiendarstellern gedreht hat. Auch die Effekte erscheinen uns heutzutage teilweise unfreiwillig komisch. Aber abgesehen davon stimmt es durchaus: George ist ein lustiger Mensch, der seine Filme schon immer gerne mit subversivem Humor angereichert hat. ![]() Du hast gerade schon erwähnt, dass auch dein Film durchaus über politische Elemente verfügt. Bei Romero sind die politischen Botschaften ja immer recht explizit ausformuliert. Wie bist du mit diesem Anspruch umgegangen? Gab es da nicht Einschränkungen? Doch, die gab es. Besonders Romeros alte Filme sind moralische Erzählungen, die immer mit einer politischen Botschaft aufwarten. Es war mir wichtig, dieses Element auch in unseren Film zu übernehmen und eine gewisse Message zu erschaffen. Gleichzeitig konnten wir unmöglich so explizit politisch werden wie Romero in seinen Filmen. Wenn man wie George einen Film für 200.000 Dollar ohne Beteiligung eines großen Studios dreht, kann man im Grunde machen was man will. Wenn man aber einen Film produziert, der von einem großen Studio unterstützt wird und Geld einspielen muss, dann ist man gezwungen, gewisse Kompromisse zu machen, eine Balance zu finden. Unser Film hat also durchaus eine soziale, politische Botschaft, vor allen Dingen ist er aber eine unheimliche, spannende, unterhaltende Achterbahnfahrt. War es genauso ein Balance-Akt, den "richtigen" Anteil an filmischer Gewalt zu finden? Es gibt ja schon einige recht deftige Szenen in deinem "The Crazies", ohne dabei selbstzweckhaft zu wirken. Wenn man den Erfolg von ultrabrutalen Filmen wie "Saw" oder "Hostel" betrachtet, fühlt man sich da nicht in der Zwickmühle zwischen der Zuschauererwartung und den eigenen Vorstellungen? Wenn man einen Horrorfilm drehen will, muss man zunächst einmal entscheiden, was für eine Art von Horror man machen will. Es gibt ja auch innerhalb des Genres große Unterschiede. In Filmen wie "Saw" und "Hostel" geht es eben um die Gewalt an sich und nicht um die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander. Die Typen, die diese Filme machen, sind in ihrem Metier sicherlich tausendmal besser, als ich das sein könnte. Aber ich will solche Filme eben nicht machen. Mich haben schon seit Kindesbeinen die subtilen Schocker beeindruckt, wie etwas "Rosemary's Baby", "The Shining" oder "Der Exorzist". Diese Filme waren zwar teilweise brutal, aber vor allem hatten sie "echte Menschen" als Figuren, die einem nicht von Anfang an völlig egal waren. Es ging diesen Filmen vor allem um ihre spannenden Figuren und deren Beziehungen. Man konnte mit den Helden mitfiebern und hat sich gewünscht, dass sie überleben, anstatt ihnen einen möglichst blutigen Tod zu wünschen. ![]() Ein weiteres Motiv, das du in "The Crazies" benutzt hast, ist der Einbruch des Grauens in den geschlossenen Kosmos einer Kleinstadt. Standen da vielleicht einige der Romane von Stephen King Pate, die dieses Motiv ja auch immer wieder aufgreifen? Nein, aber ich kann den Vergleich verstehen. Tatsächlich ging es mir darum, eine perfekte amerikanische Kleinstadt zu kreieren, in der es kein McDonald's oder Burger King gibt, sondern wo alles noch recht altmodisch seinen Gang geht und jeder jeden kennt. Es sollte eine dieser Städte sein, in denen ganze Generationen von Familien aufwachsen und leben und dem permanenten Fortschritt mehr oder weniger trotzen. Ich wollte aber keinesfalls eine Utopie oder eine völlig stilisierte Kleinstadt entwerfen. Die Einwohner sind keineswegs perfekte Menschen, sie haben Probleme und Sorgen wie jeder andere auch. Wie kam es zu der Entscheidung, nicht wie im Original zwischen verschiedenen Erzählperspektiven zu wechseln sondern konsequent der Geschichte der "Helden" zu folgen? Das war eine schwierige Entscheidung. In der ersten Fassung des Drehbuchs war der Wechsel zwischen Militär und Bevölkerung wie im Original noch vorhanden. Ich habe dann allerdings aus verschiedenen Gründen die Entscheidung getroffen, darauf zu verzichten. Zum einen finde ich es grundsätzlich viel gruseliger und spannender, die Perspektive des ″Schurken″, in diesem Fall also des Militärs, nicht zu kennen. Außerdem wollte ich mir mehr Zeit für unsere "Helden" nehmen, der Zuschauer sollte sie besser kennen lernen, ihre Handlungen nachvollziehen können. ![]() |
|