Insidious
Bei dem Namen "James Wan" denken viele vermutlich direkt an "Saw", ein Film mit einem völlig anderen Stil als "Insidious". Hast du es als schwieriger empfunden, einen waschechten Gruselfilm zu drehen als einen blutigen Thriller wie "Saw"?

Nicht unbedingt, denn jeder Film ist auf seine eigene Art schwierig. (lacht) Außerdem vergessen die Leute oft, dass der erste "Saw"-Film nicht annähernd so blutig war, wie seine Nachfolger. Es wird schnell vergessen, dass in diesem Film eher die Suspense, die Atmosphäre und das schockierende Ende im Vordergrund standen. Genau diese Elemente wollte ich in "Insidious" wieder aufleben lassen, habe mich aber dafür entschieden, den Splatter-Aspekt komplett außen vor zu lassen: Ein Geister-Film braucht meiner Meinung nach keine blutigen Szenen um unheimlich zu sein.

Du hast in einem Interview erklärt, dass du mit "Insidious" den "'Poltergeist' für eine neue Generation" drehen wolltest. Abgesehen von der offensichtlichen Grundthematik hat dein Film mit "Poltergeist" auch die Einbindung von einigen recht schrägen, sogar lustigen Szenen gemeinsam. Wie kam es dazu?


Ja, das stimmt. Ich sage immer: "Wenn man den Zuschauern nicht etwas zu lachen gibt, lachen sie über etwas anderes, worüber sie eigentlich nicht lachen sollten!" (lacht) Abgesehen davon sind mein Freund und Kollege Leigh (Whannel) und ich beide ziemlich lustige Typen; wir lieben Komödien und lachen auch gerne mal über uns selbst. Bei "Insidious" bot sich uns nun die Chance, einige wirklich lustige Szenen einzubauen, ohne dabei den Horror-Grundton des Films zu beeinflussen. Wir wollten, dass die Zuschauer Spaß im Kino haben und nach der relativ ernsten ersten Hälfte des Films fanden wir, dass ein wenig Komik gut passen würde. Das Ende schlägt dann dafür ja auch wieder eine komplett andere Richtung ein. Ich wollte einfach keinen typischen "Haunted House"-Film machen, denn davon gibt es einfach schon viel zu viele. Ich will weder mich selbst noch andere Regisseure kopieren.

Deine bisherigen Filme unterscheiden sich alle recht stark voneinander. Ist es trotzdem wichtig, dass es eine gewisse Kontinuität in deinem Werk gibt? Etwa das Auftauchen der Puppe aus "Saw" in allen deinen Filmen?

(lacht) Nun ja, das ist eher als kleiner Scherz von mir gemeint, sozusagen als kleines Geschenk an die Fans, die nach solchen Details suchen. Ich glaube allerdings schon, dass ich jedem meiner Filme etwas ganz Persönliches aufgedrückt habe und das finde ich auch extrem wichtig: Wenn man als Filmemacher nicht seine Persönlichkeit in die Filme einbringt, kann man den Job direkt aufgeben. Alle Regisseure, die ich bewundere, machen aus ihren Gefühlen und Gedanken in ihren Filmen kein Geheimnis sondern versuchen sie durch die Bilder zu transportieren. Genau das ist auch mein Ziel.


Abgesehen davon haben deine Filme ja auch alle einen recht einheitlichen, visuellen Stil: Eine gräuliche Farbgebung, moderne Stilmittel, Videoclip-Ästhetik...

Ja, das stimmt und das hat auch zu "Insidious" wieder sehr gut gepasst. Ich wollte, dass der Film modern aussieht, aber gleichzeitig gefühlsmäßig an die Klassiker des Genres erinnert. Sozusagen modern und altmodisch zugleich. Das entspricht auch ziemlich genau Leighs und meiner Einstellung zum Filmemachen: Wir sehen uns als moderne Regisseure, aber gleichzeitig lieben wir auch altmodische Spielereien wie handgemachte Effekte, mechanische Spielzeuge und Konstruktionen – wie zum Beispiel das "Geisterjäger-Equipment" in "Insidious" oder natürlich die Fallen, die wir für "Saw" gebaut haben. Außerdem bin ich ein großer Fan des italienischen Genre-Kinos, von Regisseuren wie Mario Bava und Dario Argento, deren "barockes" Set-Design mich sehr inspiriert hat.

Das ist interessant, da du dich ja scheinbar auch in neumodischen Erzählformen wie z.B. Videospielen sehr wohl zu fühlen scheinst – du hast das Game zu "Saw" mitentwickelt und einen Trailer zu dem Spiel "Dead Space" konzipiert. Glaubst du, dass diese modernen Formen des Geschichtenerzählens das Kino und den Film in seiner Existenz bedrohen?

Ich glaube nicht, dass Kino ersetzbar ist. Ich halte es aber für wichtig, altbekannte Stoffe den neuen zur Verfügung stehenden Medien anzupassen und neu anzuordnen. Unsere Kultur verändert sich permanent und dem sollte man nicht im Wege stehen. Man sollte also mutig sein und experimentieren, gleichzeitig aber auch nicht vergessen, was man an eher klassischen Erzählformen so liebt.


Du hast in "Insidious" versucht, einige der typischen Horror-Klischees außer Kraft zu setzen und zu umgehen. War das eine bewusste Entscheidung oder kam das sozusagen ganz natürlich?

Nun ja, ich habe mich schon mit einigen typischen Klischees des "Haunted House"-Films auseinandergesetzt und versucht, diese nicht zu bedienen sondern mit ihnen zu spielen. Ich wollte, dass die Erwartungen der Zuschauer nicht zu 100 Prozent erfüllt werden, denn das wäre langweilig. Ich habe versucht, die Traditionen zwar in gewisser Hinsicht zu bedienen, ihnen aber einen bestimmten, ungewöhnlichen Dreh zu geben. Das war es, was mir am meisten Spaß gemacht hat.

Hast du dich während der Arbeit an "Insidious" unter Druck gesetzt gefühlt, den Erwartungen der Fans zu entsprechen, die vielleicht am liebsten wieder einen Film im Stil von "Saw" von dir sehen würden?

Ich habe von Anfang an allen klargemacht, dass ich mich nicht wiederholen möchte und dass "Insidious" eine ganz andere Art von Film werden sollte. Ich habe den Produzenten klar und deutlich meine Vision für diesen Film mitgeteilt, so dass es gar nicht zu irgendwelchen Missverständnissen kommen konnte. Nervös war ich aber schon in gewisser Hinsicht, vor allem weil ich keine falschen Erwartungen bei den Fans wecken wollte. Wenn es heißt, dass der Regisseur von "Saw" einen neuen Horrorfilm dreht, kann ich mir gut vorstellen, dass die Erwartungen in eine bestimmte Richtung gehen. Diese Überlegungen hatte ich also durchaus im Hinterkopf während des Drehs. Gleichzeitig war es mir aber auch wichtig, von solchen Außeneinschätzungen nicht meinen Film bestimmen zu lassen.

Was ist denn nach "Insidious" der nächste Schritt für dich? Möchtest du weiter im Horrorgenre tätig sein, oder lieber etwas ganz anderes ausprobieren?

(lacht) Das fragt mich zur Zeit jeder, aber ich kann leider keine Antwort darauf geben – und zwar, weil ich es selber noch nicht weiß. Ich habe keine Ahnung, was mein nächster Film sein wird. Vielleicht ein weiterer Horrorfilm, vielleicht auch nicht. Ich hätte große Lust, einmal einen richtigen Action-Film zu drehen, am liebsten einen Sci-Fi-Action-Streifen. Ich bin ein großer Fan dieses Genres, von daher wäre das für mich eine perfekte Möglichkeit. Andererseits habe ich nun wieder einen sehr erfolgreichen Horrorfilm gedreht, also kann man davon ausgehen, dass man mir in Hollywood auch wieder so einen Film anbieten wird – so funktioniert die Industrie nun einmal. (lacht) Ich hoffe aber, dass man mir die Chance gibt, mal etwas anderes auszuprobieren.


Es gab Gerüchte über eine Fortsetzung zu "Insidious". Selbst wenn du nicht direkt involviert sein solltest: Was würdest du davon halten?

Zunächst einmal überrascht es mich nicht, dass darüber gesprochen wird, denn schließlich haben wir einen großartigen Erfolg mit "Insidious" hingelegt. Ich bin mir aber nicht sicher.... (überlegt) Viele Leute haben mir vorgeworfen, dass ich mit dem Ende des Films sozusagen ein Sequel herausfordern würde, aber das war keinesfalls meine Absicht. Nach den vielen Fortsetzungen von "Saw" denken manche Leute vielleicht, ich wollte nun das nächste Franchise starten. Ich kann nur allen versichern, dass dem nicht so ist. Ich mag es, wenn meine Filme so enden, dass die Zuschauer, wenn sie das Kino verlassen, noch über den Film nachdenken können. Darum mag ich offene Enden. Sowohl "Saw" als auch "Insidious" entlassen den Zuschauer mit einem Paukenschlag aus dem Kino, und meine anderen beiden Filme, wenn auch vielleicht in geringerem Ausmaß, tun das genauso. Was denke ich also über ein Sequel zu "Insidious"? Ich denke, dass ich mit dem Film eine eigene Welt, eine eigene Mythologie erschaffen habe, auf der man sicherlich aufbauen kann und aus der neue Geschichten entstehen könnten...

>> verfasst und geführt von Tim Lindemann




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