One Way Trip 3D
Simon, wie kam es dazu, dass „One Way Trip“ direkt in 3D und nicht in 2D gedreht wird?

Simon Hesse: Zunächst war die Idee da, einen Horrorfilm zu machen. Aber dann haben wir recht schnell den Entschluss gefasst, dass wir es in 3D versuchen wollen. Wir hatten vor ein oder zwei Jahren auch schon einen Testdreh und beschäftigten uns sehr intensiv damit. Und ich glaube, wir machen hier wirklich etwas ganz Spezielles. Ich habe gerade heute in der Nachbearbeitung einen Ausschnitt gesehen und es sieht wirklich toll aus. Tiefeschärfe bis ganz nach hinten. Wirklich einzigartig. Vor allem ist es richtiges und nicht konvertiertes 3D. Rund 80% der 3D-Filme sind Betrug. Auch die Reaktionen der amerikanischen Community auf unserer Facebook Webseite sind beeindruckend, wenn sie feststellen, dass wir echtes 3D verwenden. Das kennen sie normalerweise eher von Größen wie James Cameron, nicht aber von einer drei Millionen Dollar-Produktion aus der Schweiz und Österreich.

Manche Regisseure behaupten, dass auch konvertiertes 3D überzeugen kann, wenn man sich Zeit damit lässt. Würdet Ihr diese Aussage also abstreiten?

Maja Sánchez Ruiz: Die Möglichkeiten bestehen schon, dass man das mit der Konvertierung einigermassen hinbekommt. Es existieren in den USA zwei Wege: Schnell für eine dementsprechend schlechte Qualität oder langsam für mindestens 100.000 Dollar pro Minute. Es wird aber trotzdem nicht so, wie wenn man einen Film direkt in 3D dreht.


Wird der 3D Hype denn bis zum Kinostart des Films und darüber hinaus weiter anhalten können?

Simon Hesse: So was muss man immer auch von der Industrie her anschauen. Panasonic, Sony und solche Firmen sind es, die Gas geben und immer ein neues Programm brauchen. Egal, ob jetzt Blu-Ray oder 3D. Die Industrie bestimmt, was funktioniert. Das ist digitale Technik, das ist Kino.

Maja Sánchez Ruiz: Ich denke, in bestimmten Genres wird sich 3D halten können. Auch ist man mittlerweile mit der Technik so weit, dass die Zuschauer sich 3D-Filme angenehm ansehen können ohne dabei Kopfschmerzen zu bekommen. 3D gibt es schon seit Beginn der Filmgeschichte. Heute sind aber einfach die besseren Möglichkeiten gegeben, mit der vollkommenen Digitalisierung von Anfang bis Schluss. Auch brauchen die Leute immer wieder etwas Neues.

Habt Ihr die Szenen, die sich ganz besonders für den 3D-Effekt anbieten, bereits im Drehbuch festgehalten und gewisse Stellen entsprechend umgeschrieben?

Simon Hesse: Zuerst haben wir die Handlung entwickelt. Als wir uns der Umsetzung näherten, fingen wir an, uns genauer damit auseinanderzusetzen, welche Szenen denn nun wirklich für das 3D geeignet sind. Darauf hin haben wir ein paar Sachen umgeschrieben. Ein großer Unterschied zu einem normalen Film stellt das Storyboard dar, da bei einem 3D-Film jede Einstellung fix ist. Wir haben drei Monate lang alles gezeichnet und geplant. Man muss genau bestimmen, wo sich die verschiedenen Tiefenebenen befinden. Man muss von Anfang an wissen: Zuerst kommt der Baum, dann das Fass, dann der Traktor, dann der Schauspieler usw. Man kann also nicht aus heiterem Himmel sagen, wir machen den Film jetzt einfach mal in 3D. Wir sind noch nie ein Projekt so dermaßen vorbereitet angegangen.

Manche Filmemacher sagen, dass sich das Drehen eines 3D-Films so anfühlt, als würde man erneut seinen ersten Spielfilm entwickeln. Teilst Du diese Ansicht?

Simon Hesse: Das Gute ist, dass es nicht der erste Film ist. Dann kommt noch das 3D hinzu. Du kannst das aber alles hinter dir lassen, wenn du weißt, du kannst den Film abwickeln. Das läuft dann einfach und du kannst dich auf die wirklich speziellen Sachen konzentrieren. Es gibt aber tatsächlich Dinge, bei denen du dich fragst, wie man das denn genau umsetzen will und ob es überhaupt möglich ist. Es fühlt sich also teilweise schon so an wie dein erster Film, aber auch nicht ganz, weil das Team bereits sehr routiniert ist.

Also ist es in der Schweiz einfacher eine Komödie oder ein Drama finanziert zu bekommen?

Simon Hesse: Horror hat hier keine Geschichte, keine Kultur. In Amerika oder in Frankreich ist das anders. Es gibt also keinen konkreten Anlass dafür, aus der Schweiz aus einen eigenen Horrorfilm zu machen. Und ich würde jetzt sogar behaupten, dass der Film, so wie er jetzt ist, nicht finanziert worden wäre, wenn wir ihn nicht in 3D drehen würden. Wir kamen als Schweizer Jungproduzenten an und sind auf Interesse gestossen. Wenn das nicht gewesen wäre, gäbe es den Film in dieser Form nicht.


Haben denn nationale Erfolge durch „My Bloody Valentine 3D“ und „The Final Destination“ zum Greenlight beigetragen?

Simon Hesse: Ich denke nicht, dass sie so weit denken. Die sehen einfach, dass es sich beim 3D um ein neues Medium handelt. Wir begrüßen es auch sehr, dass das Schweizer Fernsehen einen Teil zur Produktion beisteuert und das ganze sozusagen etwas anschiebt. Und ich gehe jetzt sogar so weit: Wenn unser Film scheitern sollte, was natürlich schlimm wäre, hätten wir es wenigstens versucht. Es existieren weltweit so wenige 3D-Filme, dass das im psychologischen Sinne allen ein wenig hilft. Man gab uns die Chance, uns zu entwickeln und wir haben auch den idealen Zeitpunkt ausgesucht. Ein halbes Jahr später wäre man vielleicht schon wieder dagegen gewesen oder hätte am Projekt gezweifelt. Wir waren aber wirklich sehr früh und hatten eben auch ein paar Tests, bei denen alles funktioniert hat, wodurch das Ganze überhaupt erst ins Rollen kam. Auch haben wir eine hochwertige Ausstattung. Das hat sich in den letzten Jahren wirklich entwickelt. Wir haben einfach gespürt, dass alles irgendwie gut kommt, wenn wir das richtige Werkzeug bekommen, genug Geld in das Projekt investiert wird und Profis daran arbeiten. Es ist natürlich alles ein sehr langer Prozess, einerseits die Projektvorbereitung, eben wie man das 3D genau umsetzt, und andererseits die Nachbearbeitungsphase. Reizvoll und interessant war auch, einfach aus der Schweiz aus etwas zu machen. Einkaufen ist zwar gut, aber auch wir haben talentierte Leute. Ich meine, Ueli Steiger arbeitet an den ganz großen Filmen wie Godzilla mit. Er hat mir einmal erzählt: „Ich habe ein Problem, ich muss das Lichtbudget um vier Millionen Dollar kürzen“. Vier Millionen nur für das Licht (lacht). Und ob das jetzt ein Erfolg wird oder nicht, aber wir können es auch. Ich meine, vielleicht passiert ja doch noch etwas und wir scheitern auf der ganzen Linie, wovon ich allerdings nicht ausgehe. Die ganze Maschinerie muss auch stimmen, also Kino, Marketing, Zuschauer… Daher kann man nie wissen, da das Dinge sind, die wir nicht steuern können.

Haben euch Hollywood Produktionen trotzdem noch Vorteile voraus, was mögliche Einschränkungen in der Umsetzung einschliesst?

Simon Hesse: Das muss man sich nicht so vorstellen, obwohl unser Team hier natürlich noch etwas kleiner ist. Aber das ist in Ordnung, es muss auch gar nicht größer sein. Aber ich glaube, die ganze Maschinerie ist hier ein wenig kleiner. Wir haben keine Trucks, wir haben keine Wohnwagen, keine Helikopter… Klar kannst du gewisse Sachen nicht bedienen, aber ein Film wie „The Blair Witch Project“, um einfach ein Beispiel zu nennen, wurde auch mit ganz kleinen Mitteln realisiert und es hat trotzdem Erfolg gehabt. Halt einfach, weil es eine Revolution ist, weil es speziell ist. Und mich hat unser Konzept einfach fasziniert. Horror, 3D, Schweiz, ein bis zwei Stars, Drehbuch… Es steckt ein Konzept dahinter und wenn das stimmt, dann funktioniert es auch mit kleinen Mitteln. Das belegt auch die bisherige Filmgeschichte. Robert Rodriguez hatte, um auch hier ein Beispiel zu nennen, für die Realisierung seines ersten Films „El Mariachi“ auch nur ein paar 100.000 Dollar zur Verfügung. Aber es wurde dennoch etwas daraus, eben wegen dem aufgehenden Konzept.

>> verfasst und geführt von Carmine Carpenito




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