Moviebase The Raven

The Raven
The Raven

Bewertung: 70%

Userbewertung: 84%
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Originaltitel: The Raven
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 07.12.2012
DVD/Blu-Ray Verleih: 21.11.2012
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 106 Minuten
Studio: Galavis Film
Produktionsjahr: 2010
Regie: James McTeigu
Drehbuch: James McTeigu
Darsteller: John Cusack

Edgar Allen Poe galt seinerzeit und auch heute noch als einer der größten Schriftsteller der Kriminalliteratur. Eines seiner bekanntesten Werke ist das düstere Gedicht „Der Rabe“, das bereits im Jahre 1845 in der Zeitung Evening Mirror veröffentlicht wurde. Auf eben jenes Gedicht spielt der Krimihorror „The Raven“ von James McTeigue an. Bei einem recht hohen Budget von geschätzten 26 Millionen Dollar versagte die Arbeit des „V wie Vendetta“-Regisseurs allerdings an den amerikanischen Kinokassen, was wohl ausschlaggebend für die hiesige direkte DVD-Vermarktung sein dürfte. Dabei hätte die Genreproduktion mit dem namhaften Darstellerensemble durchaus Potenzial für die große Leinwand gehabt.
 
Baltimore, 1849. Eine Serie von bestialischen Morden bringt Edgar Allan Poe (John Cusack) in Bedrängnis: Der berühmte Schriftsteller gerät selbst unter Verdacht, weil die Morde genauso ausgeführt wurden, wie in seinen Horror-Erzählungen zuvor beschrieben. Poe bleibt nichts anderes übrig, als dem jungen Detective Emmett Fields (Luke Evans) bei dessen Ermittlungen zu helfen.
 
Als auch noch seine große Liebe Emily (Alice Eve) in die Hände des Serienkillers gerät, wird die Suche nach dem Täter zu einem atemlosen Wettlauf mit der Zeit, für den Poe alles riskieren muss....
 
Das Baltimore des 19. Jahrhunderts fängt Regisseur McTeigue in stilvollen Bildern ein. Das Flair des Settings erinnert stark an die letzten beiden „Sherlock Holmes“-Filme, in denen Robert Downey Jr. den Meisterdetektiv gab. John Cusack erinnert mit seinem Aussehen und der Attitude ebenfalls an den Ermittler. Die Parallelen sind also unverkennbar, doch in Handlung und Inszenierung unterscheiden sich Holmes und Poe deutlich voneinander. Zwar wird auch Poe in die Rolle einer Spürnase gedrückt, ist dabei jedoch bei Weitem nicht so geschickt und treffsicher wie Kollege Holmes.
 
Denn Poe ist in erster Linie Autor. Dessen Geschichten hat sich ein Killer zum Vorbild genommen und praktiziert diese nun an Personen, die Poe entweder kennt oder denen er nahe steht. Das kann mitunter sogar recht blutig werden und erinnert dann wiederum an das „Saw“-Franchise, wenn ein gefesseltes Opfer von einem riesigen schwingenden Beil mehrmals durchtrennt wird. Schauriger Horror also in einer altmodischen Zeit, der zwar mit Verlauf der Geschichte immer mehr abnimmt, aber interessant wird, wenn der unheimliche Poesie-Mörder wieder einmal zuschlägt.
 
James McTeigue erreicht sicherlich nicht die optische Wucht, die er mit seinem Debüt „V wie Vendetta“ offenbarte. Inmitten der schaurig-schönen Kulissen kann sich der Filmemacher aber vor allem auf den hervorragenden Cast verlassen. John Cusack gefällt als schroffer Edgar Allen Poe, der sich neben einem fanatischen Schlitzer auch noch mit einem gesetzeshörigen Polizisten und dem Vater seiner großen Liebe herumschlagen muss. Brendan Gleeson, der zuletzt in „The Guard“ für herrlich schräge Momente sorgte, betritt die Bühne eher selten, überzeugt dann aber mit seiner unnachahmlichen Art. Etwas außen vor bleibt Luke Evans, der im nächsten Jahr als Bard im zweiten „Hobbit“-Film zu sehen sein wird. Seine Figur des Detective Fields dient lediglich dazu, Poe Gelegenheiten zu geben, sich zu profilieren. Ähnlich ergeht es Alice Eve als Poes Herzblatt, die als Schönheit etwas mehr Farbe ins Spiel bringt. Außerdem eignet sie sich als Gefangene, um so auch die emotionale Seite von Poe anzusprechen.
 
„The Raven“ findet seinen Weg in die Händlerregale zur richtigen Jahreszeit. Die kalte Grundstimmung sowie nebelverhangene Wälder und graue Straßen verschaffen eine angenehm schaurige Atmosphäre. Inhaltlich hätte man sich mehr Tiefe und Raffinesse gewünscht, was zur Folge hat, dass es nur vereinzelt richtig spannend wird. Ein etwas höheres Tempo hätte der Killerhatz zudem gut zu Gesicht gestanden. Das düstere Gewand und die ansehnlich fotografierten Bilder hingegen sind ein echter Hingucker.
 
„The Raven“ liefert einmal mehr den Beweis, dass Produktionen, die hierzulande lediglich direkt auf eine silberne Scheibe gepresst werden, mitnichten sofort als ungenießbar abgestempelt werden müssen. Dank seiner tollen Schauspieler und dem gelungenen Setting ist die Mordgeschichte um Edgar Allen Poe durchaus eine Sichtung wert. Freunde von „Sherlock Holmes“ und „Sleepy Hollow“ kommen bei dieser soliden Arbeit voll auf ihre Kosten, wenngleich die Handlung einige Luftlöcher aufweist und die Chancen auf einen Nachfolger (wovon man mit der Wahl des Schlusspunktes wohl ausging) eher gering stehen dürften.

>> verfasst von Janosch Leuffen

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