Moviebase Hänsel und Gretel: Hexenjäger

Hänsel und Gretel: Hexenjäger
Hänsel und Gretel: Hexenjäger

Bewertung: 60%

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Originaltitel: Hansel and Gretel: Witch Hunters
Kinostart: 28.02.2013
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: - Minuten
Studio: Paramount Pictures
Produktionsjahr: 2011
Regie: Tommy Wirkola
Drehbuch: Tommy Wirkola
Darsteller: Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Jenssen

„Hänsel und Gretel verirrten sich im Wald. Es war so finster und auch so bitterkalt.“ Ein Reim, der jedem irgendwann mal über den Weg gelaufen ist. Hinter diesem Vers stecken die Gebrüder Grimm, die im letzten Dezember das 200-jährige Bestehen ihrer Märchen und Sagen sicherlich gebührend mitgefeiert hätten. Die Geschichten des Brüderpaars sind weltweit bekannt, 2013 wurde gar zum „Grimm-Jahr“ ernannt.
 
Ein Jahr nach dem ursprünglich anvisierten Release-Termin bereitet Tommy Wirkola („Dead Snow“) den legendären Geschwistern nun ein Geschenk der etwas anderen Art. Der Regisseur pfeift auf die eigentliche Geschichte von Hänsel und Gretel und erzählt stattdessen eine fiktionale Fortsetzung der Geschehnisse im Knusperhäuschen – mit durchschnittlichem Ergebnis.
 
„Hänsel und Gretel sind zum Kampf bereit, jetzt wird es blutig – Hexen, seid gefeit!“ Jahre nach den Ereignissen im Pfefferkuchenhaus ist das Geschwisterpaar nur von einem Gedanken besessen: Rache an allen Hexen – zielsicher und gnadenlos! Berühmt für ihr besonderes Geschick beim Auffinden und Vernichten ihrer Beute, ziehen Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) als berüchtigte Hexenjäger durch die Welt. Als eines Tages die grausame Hexe Muriel (Famke Janssen) etliche Kinder entführt, um sie beim nächsten „Blutmond“ zu opfern, werden die Geschwister zu Hilfe gerufen. Die beiden haben allerdings nicht mit den brutalen Machenschaften von Sheriff Berringer (Peter Stormare) gerechnet, der ganz eigene Pläne verfolgt.
 
Und als wäre der Wald nicht schon finster genug, gerät auch noch Gretel in die Fänge der blutrünstigen Hexen und eine barbarische Jagd beginnt. Doch das rachsüchtige Geschwisterpaar kann im düsteren Märchenland so schnell keiner stoppen.
 
Erst im vergangenen Herbst machte sich der ehemalige US-Präsident Abraham Lincoln unter der Führung von Timur Bekmambetov einen Namen als Vampirjäger. Die eigentliche Historie wurde über den Haufen geworfen und durch furiose Action und blutige Kämpfe ersetzt. Ähnlich geht es in Wirkolas Umsetzung zu. Die Handlung ist so dünn wie ein Blatt Papier, auf dem die Grimms ihre Märchen niederschrieben.
 
Nach einer im Comicstil gehaltenen Exposition, die von Hänsels und Gretels Heldentaten berichtet, befinden wir uns im Kampf gegen die gerissene Hexe Muriel, gespielt von Famke Janssen. Auf der Jagd nach ihr liegt der Fokus, alles andere wird nur kurz angerissen. Die Frage, weshalb die Eltern Sohn und Tochter vor langer Zeit allein im Wald ausgesetzt haben, wird irgendwann halbherzig beantwortet. Andere Wesen wie beispielsweise ein liebenswerter Troll stolpern ohne jeglichen Hintergrund in das Geschehen.
 
Der Grund, weshalb „Hänsel und Gretel“ mit einjähriger Verspätung in die Kinos kommt, liegt laut Regisseur Wirkola am produzierenden Studio Paramount Pictures. Die Verantwortlichen wollten warten, bis Jeremy Renner einen größeren Bekanntheitsgrad erhielt. Der Erfolg vom Oscar-Film „The Hurt Locker“ trieb Renner in große Hollywoodproduktionen, weshalb der Weg in diesem Jahr nun endlich frei ist für die Hexenjäger. Und Renner macht eine gute Figur in der Lederkluft. Stets mit einer grimmigen Miene und kompromissloser Waffengewalt stellt er sich den fliegenden, bösen Magierinnen in den Weg. Einzig Gemma Arterton („The Avengers“, „Prince of Persia“) stiehlt ihrem Filmbruder die Show. In hautengen, die Figur betonenden Kleidern macht das Zusehen beim Armbrustschießen gehörig Spaß.
 
Auch in Sachen Goregehalt steckt der Action-Horror nicht zurück. Hexen werden mit messerscharfen Drähten in tausend Teile zerstückelt, Köpfe weggeballert. Leider sieht man diesen Szenen deutlich die Verwendung von Computereffekten an. Tommy Wirkola scheint damit aber ebenso wenig einen Vertrag zu haben wie mit der völlig irrsinnigen Story. Dabei sind solche Einfälle wie die Diabetes-Erkrankung von Hänsel gelungen, nur nicht konsequent ausgeführt. So muss sich der als Kind von einer Hexe mit Süßigkeiten gemästete Hänsel immer dann eine Insulinspritze setzen, wenn es die (sehr übersichtliche) Dramaturgie erfordert.
 
Mit allzu hohen Erwartungen sollte man die turbulente Hexenhatz also nicht besuchen. Ohne Rücksicht auf jedwede Märchen-Korrektheit feuert Wirkola aus allen Rohren. Und genau das macht an „Hänsel und Gretel“ auch den meisten Spaß. Ein kurzweiliger Trashsplatter in 3D mit nett anzusehenden Darstellern und launigen Actionsequenzen – die Gebrüder Grimm würden mit den Ohren schlackern.
 
>> verfasst von Janosch Leuffen

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