Moviebase Before I Wake

Before I Wake
Before I Wake

Bewertung: 70%

Userbewertung: 64%
bei 41 Stimmen

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Originaltitel: Somnia
Kinostart: 10.11.2016
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: - Minuten
Studio: Intrepid Pictures
Produktionsjahr: 2014
Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard
Darsteller: Kate Bosworth, Thomas Jane

Obwohl schon Ende 2013 abgedreht, wartet das Horrordrama „Before I Wake“ in den USA noch immer auf einen Kinostart. Grund dafür ist die finanzielle Schieflage der Verleihfirma Relativity Media, die dazu führte, dass geplante Veröffentlichungstermine mehrfach verschoben wurden. In Deutschland schafft es der von Mike Flanagan inszenierte und mitgeschriebene Film nun hingegen definitiv auf die große Leinwand. Wenige Wochen, nachdem mit „Ouija: Ursprung des Bösen“ eine weitere Regiearbeit des Horror-Enthusiasten in den hiesigen Lichtspielhäusern angelaufen ist. Wie sehr schnell deutlich wird, bleibt der „Oculus“-Schöpfer auch in „Before I Wake“ seiner Vorliebe für psychologisch grundierten Grusel im familiären Umfeld treu.

Nach dem Tod ihres Sohnes Sean (Antonio Evan Romero) versinken Jessie (Kate Bosworth, „Black Rock“) und Mark (Thomas Jane, „Der Kult“) in tiefer Trauer und scheitern daran, sich gegenseitig zu stützen. Um ihrem Leben neuen Sinn zu geben, beschließen sie, den schüchternen Waisenjungen Cody (Jacob Tremblay, „Shut In“) bei sich aufzunehmen, dem die Adoptionsvermittlerin gravierende Schlafprobleme attestiert. Tatsächlich fürchtet sich der Achtjährige davor, nachts zur Ruhe zu kommen, da seine Träume, schöne wie unheimliche, auf die Realität übergreifen. Jessie und Mark sind erstaunt, als eines Abends unzählige bunte Schmetterlinge in ihr Wohnzimmer flattern und irgendwann sogar ihr verstorbener Sohn für einige Augenblicke vor ihnen steht. Codys Gabe gebiert allerdings auch ein furchteinflößendes Wesen, das angeblich seine Mutter verschlungen hat.

Flanagan und Koautor Jeff Howard, die gemeinsam die Drehbücher für „Oculus“ und „Ouija: Ursprung des Bösen“ verfassten, spielen gleich zu Anfang mit dem im Genre altbekannten Motiv des teuflischen Kindes, das sein Umfeld in Angst und Schrecken versetzt. Ein sichtlich aufgewühlter Mann (Dash Mihok, „Gotham“) richtet eine Waffe auf den schlafenden Cody, bringt es aber nicht fertig, ihn zu erschießen. Kurz und knackig vermittelt der Prolog den Eindruck, dass der niedlich aussehende Junge ein dunkles Geheimnis hat. Um einen Satansbraten wie im Klassiker „Das Omen“ handelt es bei dem Waisen jedoch nicht. Im Gegenteil, Cody fürchtet seine außergewöhnlichen Fähigkeiten und hat mit einem Trauma zu kämpfen, das sich in seinem unsicheren Auftreten bemerkbar macht. Scheinbar mühelos kehrt Jungdarsteller Jacob Trembaly, der schon für seine Leistung im Entführungsdrama „Raum“ gefeiert wurde, die Verletzlichkeit seiner Figur nach außen und gewinnt so umgehend die Sympathien des Zuschauers, was für die Wirkung des Films alles andere als unerheblich ist.

Neben Codys Ängsten beleuchtet "Before I Wake" auch den Schmerz des Ehepaars, das seinen leiblichen Sohn durch einen tragischen Unfall in der Badewanne verloren hat. Besonders Jessie kann das Geschehene nicht einfach hinter sich lassen und sucht daher Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe. Seans Verlust wiegt schwer, ist auch dann noch mit Händen zu greifen, als der höfliche Cody die Welt seiner Adoptiveltern mit neuem Licht erfüllt. Während Kate Bosworth ihre Rolle mit überzeugender Niedergeschlagenheit verkörpert, überrascht Thomas Jane, der im Sektenthriller „Der Kult“ noch einen hemmungslos überdrehten Guru verkörperte, mit einer sanftmütig-zurückgenommenen Performance, die Marks Zuneigung für Cody deutlich unterstreicht.

Spannend wird es vor allem dann, wenn das Skript Jessies Trauer um eine düstere Note erweitert. Immerhin ist die junge Frau über das plötzliche Erscheinen ihres toten Sohnes derart beglückt, dass sie um jeden Preis versucht, Codys Schlafphasen zu manipulieren und die freudigen Begegnungen zu wiederholen. Videos sollen dafür sorgen, dass Sean regelmäßig in Codys Träumen auftaucht. Und irgendwann schreckt sie nicht einmal davor zurück, ihrem Adoptivkind Schlafmittel zu verabreichen, damit sich seine Gabe auch wirklich entfalten kann. Jessies Sehnsucht, den Verstorbenen in die Arme zu schließen, ist absolut nachvollziehbar. Gleichzeitig missbraucht sie den hilfsbedürftigen Cody aber für ihre Trauerarbeit und bringt die Kleinfamilie dadurch in größere Gefahr.

Ähnlich wie in „Ouija: Ursprung des Bösen“ konzentrieren sich Flanagan und Howard, gemessen an üblichen Genre-Bedingungen, erstaunlich lange auf die Einführung in den Alltag ihrer Protagonisten. Während Schockmomente vereinzelt in die Handlung integriert sind, herrscht eine bedrückende, mysteriöse Stimmung vor, die den Betrachter durchaus in den Bann zu schlagen vermag. Probleme bekommt das unaufgeregt erzählte Gruseldrama, wenn die Bedrohung konkret Gestalt annimmt und dazu dürftige Computereffekte bemüht werden. Leider vertraut das etwas holprig anmutende Finale vermehrt auf digitalen Hokuspokus und raubt dem Film so ein Stück seiner Ausdruckskraft, wenngleich er mit den Hintergründen zu Codys besonderer Traumfähigkeit einen tieftraurigen Schlusspunkt setzt.

>> von Christopher Diekhaus

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