Moviebase Stephen King's Puls

Stephen King's Puls
Stephen King's Puls

Bewertung: 40%

Userbewertung: 55%
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Originaltitel: Cell
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 17.01.2017
DVD/Blu-Ray Verleih: 17.01.2017
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 98 Minuten
Studio: Benaroya Pictures, Cargo Entertainment
Produktionsjahr: 2014
Regie: Tod Williams
Drehbuch: Adam Alleca, Stephen King
Darsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson, Isabelle Fuhrman, Alex ter Avest, Wilbur Fitzgerald, Joshua Mikel

Stephen King und das Kino – eine Geschichte, die schon so manche Enttäuschung hervorgebracht hat. Zahlreiche Werke des Thriller- und Horrormeisters wurden in den letzten Jahrzehnten adaptiert, aber nur wenige konnten Kritik und Publikum restlos überzeugen. Kurioserweise hält der Autor selbst eine der am meisten gefeierten Verfilmungen – die Rede ist von Stanley Kubricks „Shining“ – für wenig gelungen. Beschweren darf sich der Vielschreiber allerdings nicht über die Bearbeitung seines 2006 erschienen Romans „Puls“, da er in diesem Fall gemeinsam mit Adam Alleca das Drehbuch zum Film verfasste, bei dem Tod Williams („Paranormal Activity 2“) das Regiezepter schwang. Herausgekommen ist ein halbherziger Zombieschocker, der seine reizvolle Prämisse in häufig spannungsarmen Szenen versenkt und sein fähiges Ensemble unterfordert.

Kurz nachdem er einen wichtigen Deal an Land gezogen hat, findet sich der Comiczeichner Clay Riddell (John Cusack, „The Raven“) am Flughafen von Boston in einem wahrlich apokalyptischen Szenario wieder. Wie auf Kommando verwandeln sich alle Menschen, die gerade ihr Handy benutzen, in Killermaschinen und kennen plötzlich kein Halten mehr. Mit Mühe und Not kann sich Clay einen Weg durch das Getümmel bahnen und zu einer U-Bahnstation durchschlagen, wo er Tom McCourt (Samuel L. Jackson, „Kong: Skull Island“) begegnet, mit dem er sich fortan zusammentut. Begleitet von der jungen Alice Maxwell (Isabelle Fuhrman, „Orphan – Das Waisenkind“) brechen sie auf, um dem blutigen Treiben zu entkommen. Große Sorgen macht sich Clay um seine Ex-Frau und seinen Sohn, die er unbedingt finden und beschützen will.

Seine stärksten Momente hat „Puls“, der beim Fantasy Filmfest 2016 seine Deutschlandpremiere feierte, gleich zu Anfang, wenn uns Williams gemeinsam mit dem Protagonisten ohne große Vorwarnung ins Chaos hineinschleudert. Zunächst wirkt alles normal: Ein Flughafen, Gewusel und viele Menschen, die mit ihren Mobiltelefonen beschäftigt sind. Irgendwann gerät Clay in den Blick, der sich – ohne es zu ahnen – glücklich schätzen kann, dass sein Handy-Gespräch mit seiner Ex-Frau unterbrochen wird und er deshalb auf einen Münzfernsprecher zurückgreifen muss. Nur so entgeht er dem mörderischen Impuls, der mit einem Mal seine Umgebung erfasst. Verwackelte Handkamerabilder lassen den ausbrechenden Wahnsinn spürbar werden und vermitteln ein Gefühl der Orientierungslosigkeit. Beschränkungen im Budget stechen ins Auge, wenn durch die großen Fensterscheiben Flugzeug-Zusammenstöße zu sehen sind, fallen hier aber nur bedingt negativ ins Gewicht.

Bereits 2006, als die Handy-Verbreitung noch nicht so weit fortgeschritten war wie heute, formulierte Stephen King mit seinem an Zombiemustern orientierten Horrorroman einen satirischen Kommentar auf unsere Abhängigkeit von den kleinen Kommunikationsgeräten. 10 Jahre später hat die Fixierung dramatische Ausmaße erreicht. Smartphones sind unsere ständigen Begleiter. Werden überall hervorgekramt. Ob in der Bahn, am Esstisch oder bei Gesprächen mit Freunden. Auch nur eine Minute ohne sie auszukommen scheint vielen nicht mehr möglich zu sein. Vor diesem Hintergrund ist der Film, mehr noch als die Vorlage nach ihrer Veröffentlichung, eine pointierte Beschreibung eines Alltags, der zunehmend von seelenloser Technik bestimmt wird.

Erinnert fühlt man sich beim Anblick der auf mysteriöse Weise wesensveränderten Handynutzer auch an den Pokémon-GO-Hype, der im Sommer 2016 die Welt in Atem hielt. Schließlich rotten sich in „Puls“ die Phoner – so werden die mordlüsternen Aggressoren genannt – an bestimmten Orten, etwa einem Sportplatz, zusammen. Mit dem Unterschied, dass sie sich hier kollektiv schlafen legen. Wenngleich die Killermeute in ihrem Verhalten und Auftreten zombiehaft anmutet, hebt sie sich vom Bild des klassischen Untoten ab. Denn bei den Phonern handelt es sich nicht um wandelnde Leichen, sondern außer Kontrolle geratene Menschen, die miteinander in Kontakt stehen, sich organisieren und ihre Jagd zielgerichtet durchführen. Eigenschaften, die Williams stellenweise nutzt, um Nervenkitzel zu kreieren.

In einen permanenten Alarmzustand versetzt die Romanadaption den Zuschauer allerdings nicht, da die Macher nach dem schwindelerregend-grauenvollen Auftakt immer wieder in den Leerlauf schalten. Clay, Tom und Co stapfen durch die Gegend und sammeln Informationen über die neue Gefahr. Erinnerungswürdig sind jedoch nur wenige Begegnungen, zumal Williams überraschende Angriffsmomente mitunter so hektisch choreografiert, dass man bloß erahnen kann, was gerade im Bild geschieht. Dass das Interesse an der eigentlich spannenden Prämisse mehr und mehr auf der Strecke bleibt, liegt freilich auch an der eher blassen Figurenzeichnung. Passend dazu fallen die Darbietungen der prominenten Schauspieler wenig leidenschaftlich aus, wobei Samuel L. Jackson immerhin – wie so oft, muss man allerdings sagen – einige amüsante Sprüche klopfen darf. Absurd statt mitreißend und unheimlich wird es im Finale, das vom Romanende abweicht. Dürftige Effekte verderben die düstere Stimmung und geben dem vielversprechend gestarteten Film den Rest.

>> von Christopher Diekhaus

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