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Arrival
Arrival

Bewertung: 80%

Userbewertung: 98%
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Originaltitel: Arrival
Kinostart: 24.11.2016
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 12
Lauflänge: 116 Minuten
Studio: Sony Pictures
Produktionsjahr: 2016
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Eric Heisserer
Darsteller: Amy Adams, Jeremy Renner, Michael Stuhlbarg, Mark O'Brien, Tzi Ma, Joe Cobden, Abigail Pniowsky

Was würde wirklich passieren, wenn Außerirdische auf der Erde landen? Eine wissenschaftliche Antwort darauf hat aktuell der Dokumentarfilmer Michael Madsen in seiner Doku „The Visit“ gesucht. Hollywood wiederum erzählt vom sogenannten „first contact“ seit „Krieg der Welten“ mit unheilvoller Paranoia, die ihren Höhepunkt in Roland Emmerichs „Independence Day“  (1996) erreichte. In dieser vorherrschenden Narration ist es undenkbar, dass die unbekannten Gäste aus den Tiefen des Alls etwas anderes bringen als unser Verderben. Dementsprechend muss ihnen mit militärischem Kalkül und raffinierter Gegengewalt begegnet werden.

Es gab aber auch immer Filme des Genres, die diesem angsterfüllten Macho-Militarismus entgegengetreten sind: Etwa Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, „Contact“ sowie aktueller der tolle „Midnight Special“. Oder „District 9“, so etwas wie der logische Endpunkt des Genres, in dem die Außerirdischen die Erde wieder verlassen, weil die Menschen einfach zu unerträglich sind. Der kanadische Regisseur Denis Villeneuve hat sich mit „Arrival“ nun ebenfalls an diese viel beackerte Spielart gewagt und tatsächlich gelingt ihm ein frischer Zugang.

Ähnlich wie damals „Contact“ vertieft sich Villeneuve in den Aspekt der Kommunikation. Das ist ein äußerst schlüssiger Zugang zum Genre, denn sicherlich ist die Verständigung mit einer nicht-iridischen Spezies so ziemlich das Spannendste, was man sich vorzustellen wagt. Gleichzeitig ist es aber auch extrem schwer zu inszenieren: Denn nach Jahrzehnten unterschiedlichster Alien-Designs – von der äußeren Erscheinung über Sprache bis hin zu ihren Raumschiffen – fällt eine wahrhaft innovative Auseinandersetzung mit den „Anderen“ aus dem All fraglos schwer. Villeneuve aber gelingt genau das, vielleicht auch, weil er den Moment der Begegnung zunächst hinauszögert und auf den ersten Kontakt seiner Protagonistin mit den Aliens gekonnt hinarbeitet.

Der Film stellt die Linguistin Dr. Louise Banks (Amy Adams) in den Fokus, die zunächst noch unbeteiligte Zeugin der vermeintlichen Alien-Invasion ist: Wie der Rest der Menschheit verfolgt sie die Landung von mysteriösen Flugobjekten in verschiedenen Teilen der Welt am Fernseher und im Internet. Dann aber klingelt eines Tages Colonel Weber (Forest Whitaker) an ihrer Tür und bittet sie um ihre Expertise. Gemeinsam mit dem Biologen Ian Donnely (Jeremy Renner) soll sie die Absichten der Besucher anhand ihrer unverständlichen Botschaften herausfinden. Die Zeit drängt: Andere Regierungen, vor allem China, bereiten sich schon auf den militärischen Erstschlag gegen die Eindringlinge vor – was zu einem intergalaktischen Krieg führen könnte.

„Arrival“ spielt also keinesfalls in einer konfliktlosen Welt, ganz im Gegenteil. Die Gefahr, das wird im Verlauf des Films mehr und mehr deutlich, geht aber weniger von den fremden Wesen, als von den verhärteten Fronten zwischen den Menschen aus. Villeneuve gelingt so ein echter Coup: Wo die Ankunft von Außerirdischen in Filmen wie „Independence Day“ patriotischen Zusammenhalt unter der (vor allem amerikanischen) Bevölkerung auslöst, werden in „Arrival“ die Brüche innerhalb und zwischen den Nationen erst so richtig sichtbar. Schließlich wird sogar wütend der Kontakt zwischen den Regierungen abgebrochen und die Welt steht kurz vor einer Katastrophe. Auch die Antwort auf diese typische Plotentwicklung des Genres aber zeichnet „Arrival“ als kluges Gedankenspiel aus: Die Lösung liegt hier nicht in brachialer Feuerkraft sondern in geschickter Verhandlung und Kommunikation.

Man darf Villeneuves Film also durchaus als Science-Fiction-Film für unsere unruhigen Zeiten bezeichnen: Der Plot beruht nicht auf einem reinen Gegensatz zwischen Gut und Böse, sondern lässt seine Protagonistin nach der Motivation der Außerirdischen suchen. Zudem gelingt dem Regisseur und seinem Team eine vortreffliche, ästhetische Inszenierung der Aliens und ihrer Sprache, über die man im Vorfeld allerdings noch nicht zu viel verraten sollte. Der letzte Twist des Films addiert dann plötzlich eine etwas unpassende Emotionalität, über deren Notwendigkeit man geteilter Meinung sein kann. Zweifellos aber gehört „Arrival“ zu den innovativsten und spannendsten Beiträgen zur Science-Fiction der letzten Jahre.

>> von Tim Lindemann

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