Moviebase Carnage Park

Carnage Park
Carnage Park

Bewertung: 45%

Userbewertung: 35%
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Originaltitel: Carnage Park
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 02.01.2017
DVD/Blu-Ray Verleih: 02.01.2017
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 80 Minuten
Studio: Diablo Entertainment
Produktionsjahr: 2016
Regie: Mickey Keating
Drehbuch: Mickey Keating
Darsteller: Michael Villar, James Landry Hébert, Pat Healy, Ashley Bell

Irgendwo im amerikanischen Nirgendwo lauert immer eine tödliche Gefahr. Diesen Eindruck vermittelt zumindest der sogenannte Backwood-Horrorfilm, der sich seit mehreren Dekaden unter Drehbuchautoren und Regisseuren großer Beliebtheit erfreut. Bereits 1960 ließ Spannungsmeister Alfred Hitchcock in „Psycho“ die von Janet Leigh gespielte Marion Crane in ein einsames Motel einchecken, was der jungen Frau alsbald zum Verhängnis wurde. 12 Jahre später etablierte John Boormans Romanadaption „Beim Sterben ist jeder der Erste“ die Charakteristika des rauen Hinterland-Thrillers. Und 1974 schuf Tobe Hooper mit „The Texas Chainsaw Massacre“ den wohl bekanntesten Provinz-Albtraum, der ähnlich wie Wes Cravens „Hügel der blutigen Augen“ noch heute viele Filmemacher beeinflusst.

Fasziniert vom Backwood-Genre und seinen Meilensteinen ist offenkundig auch der junge Independent-Regisseur Mickey Keating, dessen Arbeiten – etwa „Ritual“ und „Darling“ – stets in düsteren Gefilden wildern. Schon die zeitliche Verortung in den 1970er Jahren und der Eröffnungstext, der die Echtheit der nachfolgenden Handlung behauptet, weisen sein jüngstes Werk „Carnage Park“ als Hommage an das Terrorkino à la Hooper und Craven aus. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den konsequenten Sepia-Look des Films, der die Optik der damaligen Horrorstreifen imitiert und die abgebildete Einöde noch staubiger und menschenfeindlicher erscheinen lässt.

Als wäre das nicht schon Reverenz genug, verneigt sich Keating außerdem vor Quentin Tarantino, dessen Gangsterfilm „Reservoir Dogs“ unverkennbar Pate stand. Auch hier spielt ein aus dem Ruder laufender Raubzug eine zentrale Rolle. Und wie beim Kultregisseur aus Knoxville wird das Geschehen, wenigstens im ersten Drittel, auf nicht-chronologische Weise dargeboten: Nach einem missglückten Banküberfall fliehen Joe (James Landry Hébert) und sein angeschossener Komplize Lenny (Micheal Villar) zusammen mit ihrer Geisel Vivian (Ashley Bell) durch eine einsame Wüstengegend. Nichts ahnend, dass sie den Grundbesitz eines skrupellosen Killers passieren. Als Lenny plötzlich seinen Verletzungen erliegt und Joe das Auto anhält, um seine Leiche zu entsorgen, wagt Vivian ein Fluchtversuch, der jedoch misslingt. Kurz darauf werden die beiden erneut zu einem Stopp gezwungen, da ein gezielter Schuss auf einen Reifen ein Weiterfahren unmöglich macht. Der Beginn eines dramatischen Katz-und-Maus-Spiels, denn Vietnamveteran Wyatt Moss (Pat Healy) macht sich seit längerem einen Spaß daraus, Reisende zu quälen und zu töten.

Keatings Versuch, seine eigentlich simpel gestrickte Hinterwäldler-Story durch den an Tarantino angelehnten Strang aufzupeppen, mag gut gemeint sein. Unter dem Strich wirkt das betont schwarzhumorige Vorgeplänkel samt coolem Soundtrack aber wie eine plumpe Spielerei, die trotz diverser Zeitsprünge Spannung und Dynamik vermissen lässt. An Dringlichkeit und Intensität gewinnt „Carnage Park“ erst dann hinzu, als der Ex-Soldat auf die Besucher seines weitläufigen Territoriums trifft. Mit seinem irren Lachen und seiner gruseligen „Kostümierung“ – oftmals trägt er eine Gasmaske – jagt Moss dem Zuschauer mancherorts einen Schauer über den Rücken, während sein Auftreten in anderen Momenten eher komisch denn bedrohlich anmutet. Dass es sich bei dem Scharfschützen um einen vollends derangierten Psycho handelt, zeichnet sich schon sehr früh ab und wird bekräftigt, wenn wir gemeinsam mit Vivian eine schäbige Hütte und einen Minenschacht erkunden, in denen sich Leichenüberreste und bizarre Trophäen stapeln.

Die Ausstattungsabteilung leistet zweifelsohne ganze Arbeit. Eine durchgehend packende Atmosphäre will sich jedoch nicht einstellen, was unter anderem mit der leicht überambitionierten Aufmachung zusammenhängt. Immer wieder greift Keating auf schiefe, unkonventionelle Perspektiven zurück und zeigt uns Wüstenimpressionen, die dem Treibjagdszenario einen surrealen Anstrich verpassen sollen, meistens aber etwas prätentiös daherkommen. Unausgereift präsentiert sich überdies die geradezu hysterische Tonspur, die dem akustischen Terror aus „The Texas Chainsaw Massacre“ nachempfunden scheint. Anders als bei Hooper wirkt das schrille, intensive Sounddesign hier aber irgendwann nur noch ermüdend. Dass „Carnage Park“ trotz guter Ansätze und überzeugender Gore-Effekte allenfalls das Prädikat „durchwachsen“ verdient, hat auch damit zu tun, dass sich ein Großteil des Finales beinahe in völliger Dunkelheit abspielt. Eine fragwürdige Entscheidung, da Keating so ein Ausklinken des Zuschauers billigend in Kauf nimmt. Phasenweise kreiert der junge Regisseur und Drehbuchautor eine beklemmend-garstige Provinz-Stimmung, den großen Vorbildern läuft er mit seinem anspielungsreichen Backwood-Thriller aber deutlich hinterher.

>> von Christopher Diekhaus

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