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Split
Split

Bewertung: 65%

Userbewertung: 60%
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Originaltitel: Split
Kinostart: 26.01.2017
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Universal Pictures, Blumhouse
Produktionsjahr: 2017
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Darsteller: James McAvoy, Anja Taylor-Joy, Betty Buckley, Jessica Sula, Haley Lu Richardson

Mit M. Night Shyamalan ist wieder zu rechnen. Nachdem der Schöpfer der Twist-Sensation „The Sixth Sense“ 2015 den skurril-unheimlichen Mystery-Film „The Visit“ in die Kinos brachte und damit verlorenen Kredit zurückgewinnen konnte, schlug sein Folgeprojekt „Split“ in Nordamerika am ersten Wochenende ein wie eine Bombe. Sage und schreibe 40 Millionen Dollar spülte der verhältnismäßig gering budgetierte Schocker kurz nach dem Start in die Kassen und wies den Actionkracher „xXx: Rückkehr des Xander Cage“ eindeutig in die Schranken. Wie schon in seiner vorangegangenen Arbeit präsentiert uns Shyamalan eine eher intime Geschichte, die erneut auf eine bizarr-unbehagliche Stimmung mit eigenwillig-komischen Augenblicken setzt. Spannende Ideen werden dabei nicht immer zufriedenstellend zu Ende entwickelt. Sehenswert macht den Psycho-Reißer aber in jedem Fall der Auftritt des Schotten James McAvoy („Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“), der seine Wandelfähigkeit auf vielfältige Weise demonstrieren kann.

In „Split“ spielt er einen jungen Mann namens Kevin, der an einer besonders starken Persönlichkeitsstörung leidet und 23 unterschiedliche Identitäten in sich vereint. Als zwanghaft-kontrollierter Dennis überwältigt er nach einer Geburtstagsparty die Teenager Casey (Anya Taylor-Joy, „The Witch“), Claire (Haley Lu Richardson, „Ravenswood“) und Marcia (Jessica Sula, „Lucifer“), verschleppt sie in ein verwinkeltes Keller-Labyrinth und tritt ihnen dort auch als strenge Patricia und als 9-jähriger Hedwig gegenüber. Während die Mädchen verzweifelt nach einem Ausweg aus ihrem Gefängnis suchen, schaut ihr Peiniger mehrmals bei seiner Psychiaterin Dr. Fletcher (Betty Buckley, „The Happening“) vorbei, die sich zunehmend über sein fahriges Verhalten wundert.

Dass der Film seine Grundspannung nach der packend inszenierten Entführungssequenz nicht verliert, hängt unter anderem mit dem ranzig-düsteren Keller-Setting zusammen, das binnen kurzer Zeit ein Gefühl der Ausweglosigkeit erzeugt. Wichtiger ist allerdings die facettenreich-unberechenbare Darbietung McAvoys, der Kevins verschiedene Persönlichkeiten mit speziellen Tics und Eigenschaften versieht. Jede Figur ist individuell gestaltet, wobei der mitunter plötzliche Wechsel von einer Identität zur nächsten besonders verstörend wirkt. Ähnlich wie in der Romanadaption „Drecksau“, in der McAvoy als gestörter Cop zu sehen war, darf er hier dem Affen ordentlich Zucker geben. Auch wenn ihm das Drehbuch im letzten Akt eine die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitende Performance abverlangt, gehört seine Interpretation zu den großen Stärken eines Thrillers, der sichtlich bemüht ist, Genrebarrieren einzureißen und Konventionen zu untergraben.

Beleg dafür ist etwa die Tatsache, dass sich Shyamalan nicht bloß auf den Überlebenskampf der jungen Frauen und die Konfrontation mit dem Entführer verlässt. Der Strang rund um Dr. Fletcher soll zusätzlichen Nervenkitzel hervorrufen, was nicht immer funktionieren will. Vor allem dient der Sub-Plot aber dazu, weiterführende Gedanken zum Komplex der dissoziativen Identitätsstörung – so der offizielle Name des Krankheitsbildes – einzuwerfen. Anders als viele Kollegen vertritt Karen Fletcher die Auffassung, dass bei einem Menschen unterschiedliche Persönlichkeiten körperliche Veränderungen hervorrufen können und ein DIS-Patient womöglich ungeahntes Potenzial auszuschöpfen vermag. Reizvolle Überlegungen, die das Drehbuch im Schlussdrittel allerdings ins übertrieben Absurde weiterspinnt. Hier erscheint die psychische Erkrankung nicht mehr so sehr als große Befreiung und erstaunliche Chance, sondern in erster Linie als gefährliche Bedrohung für die Gesellschaft. Ein sicher zweifelhafter Endpunkt. 

Bekannte Muster wandelt Shyamalan auch in der Figur der Außenseiterin Casey ab, die keineswegs dem üblichen Thriller-Typus des hilflosen Opfers entspricht. Schon kurz nach der Entführung versucht die junge Frau, mit klarem Kopf zu handeln, und erkennt in Kevins Persönlichkeitsspaltung eine Möglichkeit, ihrer Gefangenschaft zu entkommen. Eindringlich und unheimlich zugleich sind die Passagen, in denen sie dem lispelnden Hedwig auf den Zahn fühlt und den naiven Jungen als Komplizen gewinnen will. Eine Verbindung zwischen Peiniger und Opfer besteht über Caseys traumatische Vergangenheit, die der Film Schritt für Schritt in Rückblenden entblättert. Deutlich weniger differenziert zeichnet „Split“ die Leidensgenossinnen Claire und Marcia, die nicht über den Status plumper Funktionsfiguren hinauskommen.

Konnte Shyamalan in „The Visit“ noch mit einer erschütternd-abgedrehten Auflösung überzeugen, dürften die bizarr-kruden Entwicklungen dieses Mal für größere Diskussionen sorgen. Die Spannung sackt zwar nicht dramatisch ab. Und doch verliert der Film im wahrsten Sinne des Wortes zu sehr die Bodenhaftung. Ein kleines Schmankerl hält der für seine Überraschungen bekannte Regisseur und Drehbuchautor in den letzten Sekunden bereit, wenn er mit einem Augenzwinkern einen Bogen zu einem seiner früheren Werke schlägt. Ob man diesen Wink nun clever und amüsant oder eingebildet finden soll, muss jeder selbst entscheiden.

>> von Christopher Diekhaus

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