Moviebase Passengers

Passengers
Passengers

Bewertung: 55%

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Originaltitel: Passengers
Kinostart: 05.01.2017
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 12
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Columbia Pictures, LStar Capital, Village Roadshow Pictures
Produktionsjahr: 2016
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Jon Spaihts
Darsteller: Jennifer Lawrence, Chris Pratt, Michael Sheen, Laurence Fishburne, Andy Garcia, Vince Foster, Kara Flowers, Conor Brophy

„Genießen Sie eines der spannendsten Action-Abenteuer des kommenden Jahres“. Mit diesem Slogan lud Verleiher Sony Pictures im Dezember 2016 zu den Pressevorführungen des Science-Fiction-Streifens „Passengers“ ein. Ein markiges Versprechen, dem der Film jedoch nicht gerecht wird, da der Norweger Morten Tyldum („The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“) seine zweite Hollywood-Arbeit vor allem als kammerspielartige Liebesgeschichte anlegt. Handfeste Aktionsmomente gibt es erst im Schlussdrittel zu sehen, der die reizvoll-kontroversen Grundgedanken des Drehbuchs endgültig für leidlich packende Scifi-Standardsituationen über Bord wirft und auf ein allzu versöhnliches Ende hinausläuft. Bis dahin bietet das optisch eindrucksvolle Weltraum-Drama solide Unterhaltung, verpasst es aber, sich ernsthaft mit den düsteren Aspekten der Geschichte auseinanderzusetzen.

In der Zukunft wandern Menschen vermehrt in die Weiten des Universums aus, wo sie einen Neustart wagen wollen. Ein verheißungsvolles Ziel ist der Kolonie-Planet Homestead II, den das vollautomatische Raumschiff Avalon nach einer 120-jährigen Reise erreichen soll. 30 Jahre nach dem Start gerät das hochmoderne Gefährt in einen Meteoritensturm, der an Bord eine technische Störung auslöst. Anders als seine Mitreisenden – Passagiere und Besatzungsmitglieder – erwacht der Mechaniker Jim Preston (Chris Pratt) plötzlich aus dem Kälteschlaf und stellt mit Erschrecken fest, dass die Avalon noch 90 Jahre unterwegs sein wird. Da er sich nicht in den Schlummerzustand zurückversetzen kann und auch von der Erde keine Hilfe erhält, verfällt er mit der Zeit in eine Depression, die die Gespräche mit dem Androiden-Barkeeper Arthur (pointiert: Michael Sheen) nicht zu lindern vermögen. Erst als mit der Journalistin Aurora Lane (Jennifer Lawrence) ein zweiter Mensch unfreiwillig den Schlafmodus verlässt, hat das eintönige Dasein ein Ende.

„Passengers“ ist bei weitem nicht der erste Film, der das Thema „Einsamkeit im All“ verhandelt. In den letzten Jahren beschrieben unter anderem „Moon“, „Gravity“ und „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ die Verlorenheit, die im Weltraum auf uns warten kann. Tyldum und Drehbuchautor Jon Spaihts („Doctor Strange“) gelingt es dennoch, ein bedrückend-fesselndes Isolationsszenario zu kreieren, in das der Durchschnittstyp Jim unvermittelt hineingeschleudert wird. Während die leeren Gänge und Hallen der gigantischen Avalon schon früh ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit vermitteln und der Mechaniker alsbald begreift, dass er das Ende der Reise nicht mehr erleben wird, unterfüttern die Macher die deprimierende Situation immer wieder mit überraschenden Humor-Einlagen. Technische Errungenschaften und menschliche Bedürfnisse reiben sich fortlaufend. Etwa dann, wenn Jim einen stets freundlich antwortenden Hilfsautomaten zu Rate zieht, durch ihn aber keinen Schritt weiterkommt. Amüsant sind zudem die Momente, in denen soziale Unterschiede an Bord des Raumschiffes offensichtlich werden. So erhält die First-Class-Reisende Aurora im Speisesaal eine beneidenswerte Mahlzeit. Ihr Gegenüber, ein Economy-Passagier, muss indes mit einer Sparvariante vorliebnehmen.

Nuancen wie diese hätte man gut und gerne häufiger in die Handlung einbauen können. Auch, um den eher skizzenhaften Figuren etwas mehr Format zu geben. Viel erfahren wir nicht über unsere Helden, die sich nach einer Phase des Abtastens in eine stürmische Romanze flüchten. Nicht zuletzt, weil sie ihr existenzielles Dilemma auf diese Weise ein wenig verdrängen können. Jennifer Lawrence und Chris Pratt lassen das Aufkeimen der Gefühle halbwegs glaubhaft erscheinen und bestechen mit einnehmendem Charme. An ihnen liegt es sicher nicht, dass „Passengers“ nach einer ersten großen, im Trailer geheim gehaltenen Wendung zusehends in Beliebigkeit abdriftet. Statt die nun veränderte Beziehung zwischen Jim und Aurora genauer zu ergründen, das Handeln einer Figur kritisch unter die Lupen zu nehmen und den dunklen Schwingungen der Story damit Rechnung zu tragen, belassen es Tyldum und Spaihts bei halbherzigen Andeutungen und lenken ihr Raumschiff-Kammerspiel mit einigen plumpen Erzählkniffen wieder in eine andere Richtung. Ein Entschluss, der dem Film nicht ohne Grund harsche Sexismus-Vorwürfe eingebracht hat. Das eher reaktionäre Geschlechterbild, das hier entworfen wird, zeigt sich auch in der Rollenverteilung der Protagonisten. Während sich Jim zupackend allen Herausforderungen – besonders den technischen – stellt, schaut ihm die oft aufreizend gefilmte Aurora bis ins Schlussdrittel über die Schulter. Erst dann darf sie über sich hinauswachsen.

Deutlich überzeugender als die inhaltliche Ausführung ist die visuelle Umsetzung des Films, der das Innenleben der Avalon gelegentlich mit wuchtigen Außenansichten kontrastiert. Endlose Weiten treffen auf ein Prunkstück menschlicher Entwicklung, das allerhand fürs Auge bietet: Sanfte Rundungen, helle Farben und luxuriöse Räumlichkeiten, die an ein Premium-Kreuzfahrtschiff erinnern. Nimmt man allein Optik und Set-Design als Maßstab, hätte „Passengers“ das Zeug zu einem echten Scifi-Kracher. Aufgrund der Handlungsdefizite bleibt jedoch nur ein Platz im Genre-Mittelfeld. Ärgerlich, wenn man sich mit Blick auf den unheilvollen Kern der Geschichte vor Augen führt, wie viel mehr eigentlich möglich gewesen wäre.

>> von Christopher Diekhaus

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