Moviebase Get Out

Get Out
Get Out

Bewertung: 80%

Userbewertung: 85%
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Originaltitel: Get Out
Kinostart: 04.05.2017
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 103 Minuten
Studio: Blumhouse Productions, QC Entertainment
Produktionsjahr: 2016
Regie: Jordan Peele
Drehbuch: Jordan Peele
Darsteller: Allison Williams, Lakeith Stanfield, Daniel Kaluuya, Catherine Keener, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones

Manchmal möchte man gerne in den Kopf der Menschen schauen können, die für die Erstellung eines Trailers und dessen Absegnung verantwortlich sind. Aus unerfindlichen Gründen kommt es immer wieder vor, dass zentrale Wendungen und überraschende Entwicklungen unverblümt präsentiert werden, was die Wirkung vieler Filme im Vorhinein abschwächt. Um potenzielle Zuschauer zu locken, ist es natürlich vonnöten, bestimmte Handlungselemente zu offenbaren. Einen Großteil des Plots preiszugeben, lässt sich jedoch nur in den seltensten Fällen rechtfertigen. Das unterstreicht auch die seit ihrer Sundance-Premiere gefeierte Horror-Satire „Get Out“, mit der Schauspieler und Comedian Jordan Peele ein eindrückliches Regiedebüt vorlegt. Wer den bissigen, abgründigen Streifen in vollen Zügen genießen will, sollte einen Bogen um die offiziellen Trailer machen, selbst wenn am Ende des Films keine alles auf den Kopf stellende Offenbarung im „Sixth Sense“-Stil wartet.

Nach fünfmonatiger Beziehung wird es für den Fotografen Chris (Daniel Kaluuya, „Sicario“) zum ersten Mal richtig ernst. Ein Besuch bei den Eltern seiner Freundin Rose (Allison Williams, „Girls“) steht vor der Tür. Und noch ahnt das weiße Ehepaar Armitage nicht, dass seine Tochter mit einem Schwarzen liiert ist. Obwohl Rose den jungen Mann beruhigt, begibt er sich mit einem leicht mulmigen Gefühl auf die Reise in den ländlichen Norden des Bundesstaates New York, wo er von Missy (Catherine Keener, „Percy Jackson – Diebe im Olymp“) und Dean (Bradley Whitford, „The Cabin in the Woods“) herzlich empfangen wird. Chris traut der höflichen Psychiaterin und dem betont liberalen Neurochirurgen jedoch nicht vollends über den Weg und wundert sich außerdem über das mekrwürdige Verhalten der beiden afroamerikanischen Bediensteten Georgina (Betty Gabriel, „The Pure: Election Year“) und Walter (Marcus Henderson, „Django Unchained“). Als am Abend Jeremy (Caleb Landry Jones, „Byzantium“), der latent aggressive Sohn des Hauses, auftaucht und Chris in der Nacht eine eigenartige Begegnung mit Missy hat, nimmt seine Anspannung zu. Dass er nicht länger auf dem herrschaftlichen Anwesen der Armitages bleiben will, wird ihm am nächsten Tag bei einem Gartenfest klar.

Horror und Humor scheinen auf den ersten Blick nur schwer vereinbar, können sich in den richtigen Händen aber nachhaltig befruchten. Den Beweis dafür erbrachte vor nicht allzu langer Zeit M. Night Shyamalan mit seinem absurd-beklemmenden Kammerspiel „The Visit“, das ständig zwischen pointierter Situationskomik und Unbehagen hin- und herschwankt. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Jordan Peele. Das zeigt schon der Prolog von „Get Out“, bei dem ein Schwarzer durch die Straßen eines aufgeräumten Vorortes streift und plötzlich zu den Klängen des Songs „Run Rabbit Run“ vom Fahrer eines weißen Wagens angegriffen wird. Schrecken und ironische Brechung verschwimmen in der prägnanten Einstiegsszene, während der Debütregisseur, der auch das Drehbuch verfasste, Rassismus als Kernthema seines Films etabliert. Denkt man an die brutalen, zum Teil willkürlichen Übergriffe auf Afroamerikaner, die in den letzten Jahren in den Medien diskutiert wurden, ist es sicherlich kein Zufall, dass der junge Schwarze kurz vor der Attacke sein Unwohlsein darüber ausdrückt, in einer schicken weißen Wohngegend umherzuirren.

Das Empfinden farbiger US-Bürger und die Vorurteile hellhäutiger Menschen stehen fortan im Mittelpunkt der Handlung, die mit der Fahrt aufs Land ein vertrautes Horror- und Thriller-Motiv bemüht. Wie so oft schleichen sich auch hier noch vor der Ankunft erste Irritationen ein. Dann nämlich, als das junge Pärchen in einen Wildunfall verwickelt wird. Erwähnenswert ist diese Szene nicht nur, weil sie kommendes Unheil ankündigt, sondern auch, weil sie Hinweise auf den alltäglichen Rassismus ausstreut, dem Schwarze in den Vereinigten Staaten ausgesetzt sind: Obwohl Chris nicht am Steuer saß, verlangt der herbeigerufene Polizeibeamte seine Papiere, was Rose wiederum erzürnt.

Peele gelingt es im Folgenden, das Treffen zwischen Chris und den Eltern seiner Freundin trotz der ausgetauschten Höflichkeiten mit unheilvollen Doppelbödigkeiten zu versehen und die zunehmende Verunsicherung des Protagonisten auf den Zuschauer zu übertragen: Warum stellt Dean immer wieder seine liberale Haltung heraus? Weshalb reagieren die Armitages ein wenig entsetzt auf die Erkenntnis, dass der Fotograf ein Raucher ist? Und was hat es mit den übergriffigen Äußerungen von Jeremy auf sich? Die Fassade der angeblich so weltoffenen Familie beginnt zu bröckeln, wenn Chris während der Gartenparty anderen weißen Wohlstandsbürgern begegnet, die ständig seine Hautfarbe thematisieren und ihn damit spüren lassen, dass er in dieser Umgebung ein – wenn auch eigenartig bewunderter – Fremdkörper ist. „Get Out“ lässt die Unruhe der Hauptfigur mit jeder neuen Unterhaltung anwachsen, erzeugt – nicht zuletzt dank stimmungsvoller Musik – ein Klima handfester Bedrohung und findet regelmäßig Platz für bissige und amüsante Pointen, die unter anderem Genre-Gesetzmäßigkeiten persiflieren. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass der lustige Sidekick Rod (Lil Rel Howery, „The Carmichael Show“) nicht als billiges Kanonenfutter herhalten muss, sondern seinen Freund Chris über Handy, so gut es eben geht, unterstützen darf.

Wer sich mit Blick auf die unheimlichen Ereignisse eine höchst originelle Auflösung erhofft, sollte seine Erwartungen etwas herunterschrauben. Wenngleich die Offenbarung den Rassismus-Diskurs um einen interessanten Gedanken erweitert, haftet dem Showdown etwas Plump-Konventionelles an. Erfreulicherweise sucht Peele aber auch im routinierten Exzess nach Überraschungen, die dem Geschehen einen kleinen Dreh geben. Insgesamt zeigt „Get Out“, dessen Anlage im Übrigen an einen Klassiker des satirischen Horrorfilms erinnert (gemeint ist dieses Werk, das aus Spoiler-Gründen nur verlinkt wird), mit seiner Mischung aus beißendem Humor, schleichend-effektivem Grusel und gesellschaftlicher Bestandsaufnahme, wie gutes Horrorkino gestaltet sein muss: nah am Puls der Zeit und weniger konzentriert auf simple Schocks, sondern auf das konkrete Erleben der Hauptfigur. Von Vorteil ist es freilich auch, wenn, wie in diesem Fall, gut aufgelegte Darsteller dem Grauen zum Durchbruch verhelfen.

>> von Christopher Diekhaus

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