Moviebase The Bar

The Bar
The Bar

Bewertung: 70%

Userbewertung: 85%
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Originaltitel: El Bar
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 24.08.2017
DVD/Blu-Ray Verleih: 24.08.2017
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: El Bar Producciones, Atresmedia Cine, Nadie es Perfecto
Produktionsjahr: 2017
Regie: Álex de la Iglesia
Drehbuch: Jorge Guerricaechevarría, Álex de la Iglesia
Darsteller: Blanca Suárez, Mario Casas, Carmen Machi, Secun de la Rosa, Jaime Ordóñez, Terele Pávez, Joaquín Climent, Alejandro Awada

Die Paranoia ist zurück! Zusammen mit dem ironischen Retro-Chic der 80er Jahre ist auch der Verfolgungswahn in die Genre-Erzählungen der letzten Jahre wieder eingekehrt. Die Regierung, die Geheimdienste und wer weiß was sonst noch für finstere Institutionen und Agenten (im Zweifelsfall: Wissenschaftler!) hecken im Geheimen die übelsten Pläne aus; so wollen es die Verschwörungstheoretiker und das Horrorkino gibt ihnen gerne Recht. Man braucht sich nur den Erfolg der Netflix-Serie „Stranger Things“ anzusehen: Oberflächlich betrachtet galt die Produktion vielen als gelungene Hommage an das Geburtsjahrzehnt des kitschigen Blockbusterkinos; vor allem aber handelt die Serie von der Angst vor „gesichtslosen Männern“, die das Leben der einfachen Leute bestimmen. Hier setzt auch Alex de la Iglesias neuer Film „El Bar“ an, der zwar mit Requisiten wie Smartphones und Flachbildschirmen im 21. Jahrhundert verortbar ist, mit seiner Kammerspielstruktur und eben dem paranoiden Touch aber auch an ältere Genre-Generationen zurückdenken lässt.    

 In „El Bar“ spielt der schon jetzt mit Kultstatus bedachte spanische Horror-Auteur de la Iglesia verschiedene Stadien der öffentlichen Panik durch. Sein Szenario beginnt wie ein Terroranschlag: Vor einer kleinen Bar in Madrid wird ein Mann von einem Scharfschützen erschossen. Die sich gerade in der Bar befindlichen Personen verbarrikadieren sich daraufhin in heller Aufregung. Doch schon bald nehmen die Ereignisse eine weitaus mysteriösere Wendung: Vor den Türen der titelgebenden Bar tauchen in Schutzanzüge und -masken gekleidete Menschen auf, die das unscheinbare Etablissement gänzlich abriegeln. Die TV-Nachrichten berichten offensichtliche Falschmeldungen. Was geht hier vor sich?

Diese sich langsam zuspitzende erste Hälfte des Films ist seine stärkste Phase. Ebenso wie die Protagonisten ist das Publikum gänzlich ahnungslos und in den Dialogen der Figuren spiegeln sich unsere eigenen Mutmaßungen. Terrorismus? Ebola? Zombies? Es ist ein toxisches Gebräu aktueller Ängste, das der Regisseur hier auf kleiner Flamme köcheln lässt. Ein lobenswertes Merkmal seines Drehbuchs ist dabei, dass er seine Charaktere zunächst durchaus vernünftig überlegen lässt, was die Lage sein könnte anstatt sie wie im Genre sonst oft kopflos durchdrehen zu lassen. Aber lange wärt die Vernunft natürlich nicht. Wie man es aus ähnlich angelegten Filmen, beispielsweise Frank Darabonts „The Mist“ kennt, bildet die Gruppe der Eingeschlossenen gewissermaßen einen Schnitt durch die Gesellschaft ab. Hier gehören dazu unter anderem: ein Ex-Polizist, ein geistesgestörter Obdachloser, die prollige Wirtin der Bar, ein hochnäsiges Glamour-Girl, ein bärtiger Marketing-Hipster.

Klar, dass solch unterschiedliche Charaktere sich nicht lange vertragen. Schon bald beginnt die Paranoia auch innerhalb der Bar um sich zu greifen: Wer verbirgt etwas? Was ist in diesem verdächtigen Koffer? Und wer hat sich da im Badezimmer eingeschlossen? De la Iglesia führt seine Zuschauer auf allerlei falsche Fährten, bedient mit schwarzer Komik Klischees, nur um sie im nächsten Moment wieder zu brechen. Das ist hochgradig unterhaltsam und spannend, gerade auch, weil die Schauspieler ihre Figuren immer noch ganz knapp vor der reinen Karikatur bewahren und man so durchaus mit ihnen mitfiebert.

Erst nach etwa der Hälfte des Films beginnt der Regisseur und Autor sich zu verzetteln. Hier zu viel über die Kapriolen des Plots zu verraten, würde dem Film einiges an Effektivität nehmen. Gesagt sei aber, dass sich de la Iglesia nach dem tollen paranoiden Auftakt zu sehr auf die Konflikte unter den Opfern konzentriert. Einerseits macht das durchaus Sinn: Dass die wahre Bedrohung nur selten von außen kommt, sondern sich im Unvermögen des Umgangs miteinander verbirgt, ist eine nette, wenn auch nicht neue Entgegnung an Verschwörungstheorien allgemein. Das stumpfe Hauen und Stechen, das schließlich zwischen den Eingesperrten beginnt, ist aber ein irgendwie unbefriedigender Abschluss für einen Film, dem man einen klügeren Twist zugetraut hätte. In seiner Endphase ähnelt „El Bar“ gar Xavièr Gens fürchterlichem Bunker-Horror „The Divide“ und serviert die alte Erkenntnis, dass der Mensch dem Mensch ein Wolf ist, als endgültige Weisheit. Von einem anarchistischen Genre-Wirrkopf wie de la Iglesia hätte man mehr erwartet.

>> von Tim Lindemann

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