Moviebase Winchester

Winchester
Winchester

Bewertung: 50%

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Originaltitel: Winchester
Kinostart: 15.03.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: 31.08.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 31.08.2018
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: CBS Films, Blacklab Entertainment, Imagination Design Works
Produktionsjahr: 2017
Regie: Michael Spierig, Peter Spierig
Drehbuch: Michael Spierig, Peter Spierig
Darsteller: Jason Clarke, Helen Mirren

Manche Gebäude ziehen Neugierige aufgrund ihrer rätselhaften Geschichte in Scharen an und befeuern die Fantasie in außerordentlichem Maße. Exemplarisch ist in diesem Kontext zweifelsohne das berühmte Winchester Mystery House in Kalifornien, das sich mit besonders merkwürdigen Legenden umgibt. Angeblich ließ die Besitzerin Sarah Winchester an dem viktorianischen Anwesen ununterbrochen Bauarbeiten durchführen, da sie auf diese Weise einem Familienfluch Einhalt zu gebieten glaubte. Ein bizarrer Umstand, den die in Deutschland geborenen, seit ihrer Kindheit allerdings in Australien beheimateten Zwillingsbrüder Michael und Peter Spierig aufgreifen, um einen altmodischen Spukhausstreifen aus dem Boden zu stampfen. Gewinnen konnten sie dafür niemand Geringeren als Oscar-Preisträgerin Helen Mirren („Die Queen“), was dem Gruselbeitrag gesteigerte Aufmerksamkeit einbrachte, den durchwachsenen Film aber nicht entscheidend aufwertet.

Der seit dem Tod seiner Ehefrau (Laura Brent, „Legend of the Seeker – Das Schwert der Wahrheit“) angeschlagene Psychologe Dr. Eric Price (Jason Clarke, „Planet der Affen: Revolution“) staunt nicht schlecht, als im Jahr 1906 ein Abgesandter des Waffenherstellers Winchester mit einem pikanten Auftrag vor seiner Tür steht. Der Arzt soll den Geisteszustand von Sarah Winchester (Helen Mirren), der Hauptgesellschafterin der Firma, untersuchen und zu diesem Zweck für einige Zeit in ihr gigantisches Anwesen vor den Toren San Josés ziehen, in dem auch Sarahs Nichte Marion (Sarah Snook, „Jessabelle – Die Vorhersehung“) mit ihrem Sohn Henry (Finn Scicluna-O’Prey, „The Secret River“) lebt. Wie Price überrascht feststellen muss, lässt die Hausherrin ständig neue Bauvorhaben in die Tat umsetzen und hofft, so die gequälten Seelen der Menschen zu besänftigen, die durch eine Winchester-Waffe starben. In seinen ersten Gesprächen mit der exzentrischen Witwe bekräftigt der auf seinen Verstand vertrauende Psychologe, dass er den von ihr gefürchteten Fluch für Humbug hält, fragt sich allerdings schon bald, ob nicht doch übernatürliche Dinge in der verwinkelten Villa vor sich gehen.

Nach „Jigsaw“, ihrem Ausflug in blutrünstige Horrorgefilde, marschieren die Spierig-Brüder nun in die entgegengesetzte Richtung. „Winchester – Das Haus der Verdammten“ definiert sich nicht über möglichst drastische Foltereinlagen, sondern über eine klassisch anmutende Schauerstimmung, die nur gelegentlich von lauten Schreckmomenten durchbrochen wird. Auch wenn die recht vorhersehbaren jump scares alte Genrehasen nicht aus der Reserve locken können, darf man sich durchaus freuen, dass die Macher dem Betrachter – anders als heute üblich – eine pausenlos lärmende Geisterbahnfahrt ersparen. Regelmäßig gibt es Ruhephasen, in denen sich die Spierigs auf die mysteriöse Atmosphäre innerhalb des weitläufigen Anwesens konzentrieren.

Bedauerlicherweise deuten sie die bizarren Ausmaße und die Eigenheiten ihres Settings aber oft nur an, statt sie konsequent zur Verwirrung des Zuschauers zu nutzen. Gerne hätte man mehr gesehen von den unzähligen falschen Türen und den im Nichts endenden Treppen, die das Winchester-Haus zu einem unheimlichen Labyrinth machen. Gespenstisch wirken ohne Zweifel die zu jeder Tages- und Nachtzeit ertönenden Klopfgeräusche, die das Publikum und den skeptischen Price an die fortlaufenden Bautätigkeiten erinnern.

Thematisch reißt der Horrorfilm einige interessante Gedanken an – etwa die Frage, welche Verantwortung ein Waffenproduzent trägt, wenn Menschen durch seine Erzeugnisse ums Leben kommen. Ausgereizt wird diese Überlegung jedoch nicht, sondern dient in erster Linie dazu, ein dramatisches, mit gesteigertem Effekteinsatz versehenes Finale anzustoßen. Spannungs- und gruseltechnisch köchelt „Winchester – Das Haus der Verdammten“ bis zum letzten Akt des Öfteren auf Sparflamme und schafft es nicht, die anklingende psychologische Tiefe in der Figurenzeichnung überzeugend auszuspielen. Helen Mirren kann man keinen großen Vorwurf machen, da sie die eigenwillige Waffenerbin mit einer passend unnahbaren Aura versieht und auch in eher skurrilen Momenten Haltung bewahrt. Eine solide agierende Oscar-Preisträgerin und einige routiniert abgespulte Stimmungsakzente sind allerdings zu wenig, um dem Publikum auf eindringliche Weise das Fürchten zu lehren.

>> von Christopher Diekhaus

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