Moviebase Das Belko Experiment

Das Belko Experiment
Das Belko Experiment

Bewertung: 55%

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Originaltitel: The Belko Experiment
Kinostart: 15.06.2017
DVD/Blu-Ray Verkauf: 19.10.2017
DVD/Blu-Ray Verleih: 19.10.2017
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: Unbekannt
Studio: BH Tilt, Blumhouse Productions, Itaca Films
Produktionsjahr: 2017
Regie: Greg McLean
Drehbuch: James Gunn
Darsteller: John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona, John C. McGinley, Melonie Diaz, Owain Yeoman, Sean Gunn, Brent Sexton

Im März 2017 erschien Greg McLeans US-Debüt „The Darkness“ – ein müder Gruselbeitrag von der Stange – hierzulande auf Blu-ray und DVD. Nur wenige Monate später macht der australische Horrorspezialist nun die Kinosäle mit einem Splatter-Thriller unsicher, der bereits bei den Fantasy Filmfest Nights zu sehen war. „Das Belko Experiment“ kann mit einer griffigen Prämisse und drastischen Gewaltausbrüchen auftrumpfen, vernachlässigt allerdings auf geradezu sträfliche Weise sein satirisches Potenzial. Immer mal wieder blitzen böse Spitzen auf. Bei Licht betrachtet ist der von James Gunn („Guardians of the Galaxy Vol. 2“) geschriebene Büro-Schocker aber nicht mehr als ein gradliniges Schlachtfest ohne wirklich gewitzte Einfälle.
 
An einem vermeintlich stinknormalen Arbeitstag staunen die Angestellten der internationalen Non-Profit-Organisation Belko Industries im Umland der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá nicht schlecht, als sie vor dem Einlass ins Gebäude von schwer bewaffneten Männern kontrolliert werden, die seltsamerweise auch noch alle einheimischen Bediensteten nach Haus schicken. Irgendetwas scheint im Gange zu sein. Und doch stürzt sich die restliche Belegschaft, darunter auch das Pärchen Mike (John Gallagher Jr., „10 Cloverfield Lane“) und Leandra (Adria Arjona, „True Detective“), schon bald in die übliche Routine. Unterbrochen wird das geschäftige Treiben durch eine Ansage über die hausinterne Sprechanlage: Binnen 30 Minuten sollen die Belko-Mitarbeiter drei Menschen aus ihrem Kreis ermorden. Andernfalls würden sechs Kollegen sterben. Dass es sich bei dieser Forderung keineswegs um einen schlechten Scherz handelt, wie zunächst angenommen, begreifen die entgeisterten Angestellten, als es die ersten Toten gibt. An ein Entkommen ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken, da automatische Stahlplatten alle Fenster und Ausgänge verriegelt haben.
 
Die Grundidee ist simpel, aber reizvoll und dürfte viele Zuschauer dazu verleiten, sich vorzustellen, wie es wohl wäre, wenn am eigenen Arbeitsplatz mit voller Wucht Chaos und Panik losbrächen. Geschickt erzeugt McLean eine klaustrophobische, hysterisch aufgeheizte Stimmung, die auch beim Publikum für Unwohlsein sorgt. Anspannung macht sich breit. Und unerwartet  kommt es zu ersten Splatter-Einlagen, die eine Vorahnung vom weiteren Verlauf vermitteln. Ein knallharter Überlebenskampf ist angesagt, dessen blutige Exzesse mit großer Freude zelebriert werden. Wenig gewinnbringend ist allerdings die Tatsache, dass das Drehbuch die Rollen schon im Anfangsstadium klar verteilt. Während Mike als Stimme der Vernunft nach friedfertigen Lösungen sucht und eine Gewalteskalation verhindern will, profiliert sich sein Vorgesetzter Barry (wie so oft als Bösewicht besetzt: Tony Goldwyn, „Die Bestimmung – Divergent“) als skrupelloser Egoist, der mit Hilfe des Office-Psychopathen Wendell (John C. McGinley, „Identity“) über Leichen geht.
 
Dass ein Horrorthriller dieser Art keine ausdifferenzierten Figuren zu bieten hat, ist absolut verständlich. Etwas mehr Interesse an den Handlungsträgern wäre dennoch nicht verkehrt gewesen, da es dem Film an packenden psychologischen Grabenkämpfen mangelt. Inmitten des stetig anwachsenden Bodycounts nehmen sich McLean und Gunn zwar mehrmals Zeit für verbale Scharmützel. Viele Situationen, besonders die Diskussionen zwischen Mike und Leandra, geraten aber allzu halbherzig und taugen nur bedingt, um sich mit den in die Enge getriebenen Protagonisten zu identifizieren. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk läuft das Schlachtfest auf eine kleine Offenbarung hinaus, die jedoch nicht für einige monotone Passagen entschädigen kann.
 
Vorwerfen darf und sollte man McLean und Gunn, dass sie den satirischen Gehalt ihres Bürogemetzels viel zu selten richtig ausschöpfen. Eine herrlich fiese Idee ist der bei jedem Belko-Mitarbeiter implantierte Chip, der dazu dient, die Angestellten jederzeit auffindbar zu machen. Eine Überwachungsmaßnahme, die der Arbeitgeber mit der hohen Entführungsquote in Kolumbien begründet. Ironischerweise wird ausgerechnet die technische Vorrichtung im Rahmen des tödlichen Spiels dramatisch zweckentfremdet. Ab und an unternimmt der Film nette Ausflüge in den Bereich des schwarzen Humors. Zu einer bissigen Abrechnung mit den Auswüchsen der heutigen Arbeitswelt entwickelt sich der Schocker aber nicht. Dafür bleibt „Das Belko Experiment“ zu sehr seiner schlichten Abzähldramaturgie verpflichtet.

>> von Christopher Diekhaus

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