Moviebase A Quiet Place

A Quiet Place
A Quiet Place

Bewertung: 80%

Userbewertung: 85%
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Originaltitel: A Quiet Place
Kinostart: 12.04.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 90 Minuten
Studio: Platinum Dunes, Sunday Night
Produktionsjahr: 2017
Regie: John Krasinski
Drehbuch: Bryan Woods, Scott Beck
Darsteller: Emily Blunt, John Krasinski, Noah Jupe, Millicent Simmonds, Cade Woodward, Evangelina CavoliTexas Chainsaw Massacre),

Stärker geht es kaum. Gleich am Startwochenende spielte der Endzeitthriller „A Quiet Place“ in Nordamerika satte 50 Millionen Dollar ein und übertraf damit nicht nur die Erwartungen, sondern auch die anfänglichen Einnahmen der letztjährigen Horrorhits „Split“ und „Get Out“. Problemlos verwies der mit 17 Millionen Dollar moderat budgetierte Spannungsstreifen von John Krasinski („Die Hollars – Eine Wahnsinnsfamilie“) außerdem Steven Spielbergs aufwendige Bestselleradaption „Ready Player One“ auf den zweiten Platz der Kinocharts. Ein Grund für die bemerkenswerten Zahlen dürfte die simple, aber originelle Prämisse sein, mit der „A Quiet Place“ schon im offiziellen Trailer für großes Unbehagen sorgt. Auch wenn der konstant beklemmende Schocker, vor allem in der zweiten Hälfte, einige konventionelle Genremittel bemüht, fühlt sich Krasinskis postapokalyptisches Szenario kraftvoll und wenig abgenutzt an.

In einer nahen Zukunft haben gefährliche Monster die Erde überrannt und die menschliche Zivilisation zerstört. Verschont bleiben nur diejenigen, die ein Leben in kompletter Stille führen, da die blinden Kreaturen ein übernatürlich sensibles Gehör besitzen. Jeder noch so kleine Mucks lockt die blutrünstigen Geschöpfe an und kann den Tod bedeuten, wie die Familie Abbott schmerzhaft erfahren muss. Evelyn (Emily Blunt, „Edge of Tomorrow“), ihr Ehemann Lee (Regisseur Krasinski, der auch im wahren Leben Blunts Gatte ist) und ihre Kinder Regan (die gehörlose Jungdarstellerin Millicent Simmonds aus „Wonderstruck“) und Marcus (Noah Jupe, „Suburbicon“) haben sich auf ein einsames Gehöft in der Einöde zurückgezogen und kommunizieren lediglich in Gebärdensprache, was der tauben Regan entgegenkommt. Der ohnehin dauerhaft angespannte Alltag der Abbotts wird auch deshalb zu einer unglaublichen Herausforderung, weil Evelyn in Kürze ein Baby erwartet.

Ähnlich wie Regiekollege Trey Edward Shults, der mit „It Comes at Night“ einen minimalistischen, aber durchgehend fesselnden Horrorthriller vorlegte, hält sich Krasinski mit Erklärungen über den Zusammenbruch der Gesellschaft zurück. Ohne großen Vorlauf schleudert er den Zuschauer in sein Endzeitsetting hinein und baut geschickt eine schnell steil ansteigende Spannungskurve auf, die ihren ersten Höhepunkt mit dem Ende des auch emotional erschütternden Prologs erreicht. Dass die Abbotts tunlichst auf Geräusche verzichten sollten, ist nach dem Einstieg, der schon recht überzeugend die Dynamik innerhalb der Familie beschreibt, offensichtlich.

„A Quiet Place“ interessiert sich ernsthaft für die Figuren und skizziert daher eingehender die Strategien, die sie zum Überleben entwickelt haben. Obwohl Evelyn, ihr Mann und die Kinder alles dafür tun, nicht aufzufallen, ist die Gefahr stets nur einen Laut weit entfernt, was sowohl die Protagonisten als auch den Zuschauer in einen ständigen Alarmzustand versetzt. Geschickt wechselt Krasinski zwischen absoluter Stille – im Fall von Regan blendet er manchmal sogar den Ton vollständig aus –, kurzen, plötzlich hervorbrechenden Geräuschen und der immer mal wieder ertönenden, bedrohlich pulsierenden Filmmusik, die vielen dramatischen Szenen zusätzliche Wucht verleiht. Gerade weil der kammerspielartige Thriller fast gänzlich auf verbale Kommunikation verzichtet, begegnet man den zuweilen klaustrophobischen Bildern mit überdurchschnittlicher Aufmerksamkeit. Förderlich für das Mitleiden mit den Abbotts sind nicht zuletzt die eindringlichen Leistungen der Darsteller – besonders gefordert ist Emily Blunt –, auf deren Gesichtern sich der Schrecken der Lage, aber auch der Wille, nicht aufzugeben, eindrücklich spiegelt. Ein Punkt, der „A Quiet Place“ klar von vielen mittelmäßig oder schwach gespielten Genrebeiträgen abhebt.

Dass Krasinski an einigen Stellen krachende Schockeffekte auffährt und seine todbringenden Kreaturen schon weit vor dem Finale zeigt, tut der bedrückend-nervenaufreibenden Stimmung keinen Abbruch. Vielmehr darf man sich freuen über ein erstklassiges Monsterdesign, das die Eigenschaften der aggressiven Invasoren treffend visualisiert. Einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt der zu pathetische, mit großen Gesten aufgepumpte Showdown. Und ein wenig schade ist es, dass die faszinierende, mit Frustrationen und Gewissensbissen hadernde Figur der gehörlosen Regan nicht noch mehr Entfaltungsraum bekommen hat. Der Endzeitthriller schafft es trotzdem durchgehend, den Betrachter emotional zu involvieren und seinen Puls oben zu halten – womit mal wieder bewiesen wäre, dass es für einen intensiven Horrortrip keine Unsummen braucht. Schon eine griffige Idee und ein solides Verständnis für den Einsatz filmischer Mittel reichen aus, um das Publikum anderthalb Stunden gefangen zu nehmen.

>> von Christopher Diekhaus

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