Der deutsche Horrorfilm stirbt angeblich aus. Und wird dann doch mal ein Horrorstreifen in heimischen Gefilden produziert, findet der beim Publikum kaum Anklang. Ausnahmen bestreiten da vielleicht gerade noch „Anatomie“ und „Flashback – Mörderische Ferien“. Nun versucht sich der Neuling Frank W. Montag am Problemkind Horrorware aus Deutschland. „Slasher“ soll Unterhaltung im Stile der 80er Schlitzerfilme bieten. Unterhaltend ist er – auf unterstem Niveau.
Gestresst und genervt beschließt die Psychologiestudentin Erin (Christiane Imdahl) mit ihrer besten Freundin Julie, ihrem Freund Danny (Christian Stock) und dem Rest der Clique, ein entspanntes Wochenende in den Wäldern fernab des Studienalltags zu verbringen. Der anfänglich ausgelassenen Freude folgt jedoch ein wahrer Höllentrip, der nicht nur die Freundschaft der Gruppe auf eine harte Zerreißprobe stellt, sondern auch eine schwarze Vergangenheit zur grausamen Gegenwart werden lässt...
Oh je… Und wieder einmal geht ein deutscher Horrorfilm baden. Da versucht sich schon jemand erneut an dem schwierigen Thema, und dann eine solche Katastrophe. Bei „Slasher“ stimmt wirklich fast nichts. Der Streifen wurde komplett mit HD-Kameras gefilmt, was aber für die Wertung weniger interessant war. Viel mehr ist es die völlig misslungene Story, die unfassbar schlechte Inszenierung und die Tatsache, dass „Slasher“ wohl jetzt schon als größter Flop des Kinojahres 2007 angesehen werden kann. Was uns Neu-Regisseur und Drehbuchautor Frank W. Montag in seinem Erstlingswerk präsentiert, gehört nicht zu der Sorte „total daneben“, sondern eher in die Sparte „warum?“. Dabei kann man den agierenden Schauspielern noch nicht einmal einen Vorwurf machen.
Denn diese standen allesamt nahezu das erste Mal vor einer Kamera. Klar, dass die Erfahrung dann fehlt und das zeigt sich während des gesamten Films. Dialoge kommen teilweise so holprig und auswendig gelernt über die Lippen der Mimen, dass einem Angst und bange wird. Allerdings haben gerade die Darstellerinnen einen entscheidenden Vorteil gegenüber der männlichen Fraktion: Sie sehen recht gut aus. Allein das reicht aber – wie wir schon öfters festgestellt haben – nicht aus, um eine extrem schwache Geschichte davor zu retten, ins Peinliche abzurutschen.
Wenn man doch wenigstens irgendetwas Positives an „Slasher“ finden könnte. Noch nicht einmal die Morde des Klischee-Killers kommen so zur Geltung, dass man sich ekelt oder gruselt. Nein, schlichtweg lächerlich wirken die Aktionen des stummen Brutalos, dessen wahre hanebüchene Beweggründe seiner Taten zu einem späteren Zeitpunkt im Film aufgeklärt versucht werden. Gott sei Dank hat eines der Opfer zum Zelten am Baggersee eine Maske mitgebracht, die natürlich am Lagerfeuer liegen gelassen wird. Somit hätte unser glatzköpfiger Zwei-Meter-Riese dann auch seine perfekte Tarnung.
Nach einer peinlichen Hetzjagd in deutschen Wäldern, die mehr zum Lachen als zum Schreien einlädt, platzt dann auch noch ein krampfhaft zusammen gereimter Plottwist über den Zuschauer herein, der so was von einfallslos ist, dass man sich wirklich fragt, was das Ganze soll. Das Ende, so belanglos wie der Titel des Films an sich, wird dann wohl auch beim letzten Horror-Begeisterten die Falten auf die Stirn werfen und ein unzufriedenes Gesicht hinterlassen. „Slasher“ unterstreicht das, was viele Genreliebhaber die ganzen Jahre über sagen: Horrorfilme made in Germany kann man vergessen.
Bei der Premiere in Bochum sorgten diverse Sound- und Bildfehler für ein Kinoerlebnis der anderen Art, der völlig misslungenen Art. Ob der Film durch die Behebung dieser Störelemente allerdings besser gewesen wäre, darf zurecht und lautstark bezweifelt werden. Leid tun können einem da nur die verheizten Jungschauspieler, die ihre angestrebte Karriere noch allesamt vor sich haben. Hoffen wir, dass sie ihren Weg dennoch erfolgreich gehen werden und dieses Machwerk später als Jugendsünde abstempeln können. Ich hatte das Glück, mich mit einer der Darstellerinnen vor Vorstellungsbeginn lange unterhalten zu können. Wenn man dann sieht, wie sie sich im Film wirklich Mühe gibt, authentisch und engagiert zu spielen, steigen einem fast die Tränen in die Augen, dass sie ausgerechnet für diesen Film unterschrieben hat. Aber hinterher weiß man bekanntlich immer mehr.
„Slasher“ braucht niemand, schon gar nicht im Kino. Wer auf die Schnapsidee gekommen ist, dieses C-Filmchen in die Lichtspielhäuser zu bringen und vor allem wie derjenige auf diesen Geistesblitz gekommen ist, wollen wir gar nicht wissen. Es dürfte so gut wie sicher sein, dass „Slasher“ in den 56 Kinos, die sich erbarmt haben, das Ding in ihr Programm aufzunehmen, untergehen wird wie die Titanic – nur mit deutlich weniger Aufmerksamkeit. Geld verschenkt, Schauspieler verheizt. „Slasher“ gehört weggesperrt.
>> verfasst von Janosch Leuffen