Orphan - Das Waisenkind (2008)
Orphan - Das Waisenkind (2008) (Orphan)
Kinostart: 22.10.2009
DVD-Start: 18.03.2010
FSK-Freigabe:  ab 16
Länge: 119 Minuten
Studio: Dark Castle / Kinowelt Filmverleih
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: David Johnson, Alex Mace
Darsteller: Vera Farmiga, Peter Sarsgaard, Skye Peters
Mehr
80%
Zur Filminfo
Inhalt
Basierend auf einem Drehbuch von David Leslie Johnson (The Green Mile) erzählt The Orphan von dem Ehepaar Kate (Farmiga) und John Coleman (Sarsgaard), die auf tragische Weise ihr eigenes Kind verlieren. Um die klaffende Lücke in ihrem Alltag zu schließen, möchten sie ein Neugeborenes adoptieren. Als das kleine Mädchen endlich im Haus der Familie eintrifft, scheint das Glück wieder perfekt zu sein. Sie hätten nicht ahnen können, dass sich Esther (Fuhrman) als etwas herausstellt, dass alles Glück in ihrer kleinen Welt verschwinden lässt.

Kritik

Viele Paare, die sich sehnsüchtig ein Kind wünschen, ziehen irgendwann einmal eine Adoption in Betracht, wenn sich aus anderen Gründen kein Nachwuchs einstellen will. Bei Kate (Vera Farmiga) und John (Peter Sarsgaard) Coleman liegt der Fall etwas anders. Beide haben bereits zwei gesunde, wohl erzogene Kinder, als Kate erneut schwanger wird. Kurz vor dem anberaumten Geburtstermin kommt es dann jedoch zu ernsten Komplikationen, woraufhin das Baby noch im Mutterleib verstirbt. Insbesondere für Kate sind die Folgen der dramatischen Fehlgeburt anfangs nur schwer zu ertragen. Mit der Zeit lässt der Schmerz allmählich nach und es reift in ihr immer stärker der Wunsch heran, die Liebe und Zuwendung einem anderen Kind zukommen zu lassen. Warum also nicht eines adoptieren? Gesagt, getan. 

Anscheinend ist eine Adoption in den USA eine recht unbürokratische Angelegenheit. Denn während hierzulande Paare oftmals Jahre warten müssen, spazieren Kate und John einfach in das nächstgelegene Waisenhaus. Dort erweckt ein junges Mädchen ihre Aufmerksamkeit. Esther (Oscar-verdächtig: Isabelle Fuhrman) scheint anders als die anderen Kinder zu sein. Sie bleibt gerne für sich, zeichnet, malt und gibt sich auch ansonsten recht erwachsen. Das gefällt den Colemans, die großen Wert auf eine gute Erziehung und Bildung legen. Esther darf mit ihnen das Waisenhaus verlassen und in die schicke Designer-Villa ziehen, wo bereits ein eigenes, komplett eingerichtetes Zimmer auf sie wartet. 

Mit Esthers Einzug sind dann auch die letzten Vorbereitungen für den später einsetzenden, sehr realen Albtraum abgeschlossen. Und während Kate und Ben ihr Glück zunächst kaum fassen können, ahnen wir bereits, dass die brave Esther in Wahrheit alles andere als brav ist. Statt kindlicher Unschuld schlummert in ihr eine eiskalte Psychopatin, die vor nichts zurückschreckt. Der Film versucht folglich erst gar nicht, Zweifel an ihrer mentalen Unausgeglichenheit aufkommen zu lassen. Das mit diesem Kind etwas nicht stimmt, wird schnell klar. Oder welches „normale“ 10-jährige Mädchen schlägt mit einem Stein lustvoll auf einen verletzten Vogel ein? Eigentlich sollten spätestens zu diesem Zeitpunkt sämtliche Alarmglocken läuten. Doch das tun sie nicht. Zumindest trauen sich Esthers Stiefgeschwister Max (Aryana Engineer) und Daniel (Jimmy Bennett) nicht, ihren Eltern davon zu erzählen. 

Obwohl Esthers Absichten nie in Frage gestellt werden, führt uns Regisseur Jaume Collet-Serra des Öfteren aufs Glatteis. Vor allem das Motiv der kleinen Psychopatin gibt lange Zeit Rätsel auf. Als es schließlich enthüllt wird, ist es, als würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen. Orphan - und das ist eine echte Leistung - besitzt nicht nur einen originellen Plot-Twist, die Wendung fügt sich im Rückblick auch plausibel in den Rest der Geschichte ein. Wo andere Filme die Intelligenz des Zuschauers mit unlogischen Story-Tricksereien beleidigen, gelingt den Autoren David Johnson und Alex Mace ein echtes Kunststück. Ihre Auflösung erstaunt, irritiert und begeistert - und das alles in ein und demselben Moment. 

Nun ist der Film nur deshalb noch kein One-Trick-Pony, das allein von dieser einen Überraschung leben würde. Der Twist erweist sich vielmehr als eine überaus reizvolle Zugabe, die den Rest der Erzählung nicht ab- sondern aufwertet. Dass jedes Familienmitglied überdies in einer anderen Beziehung zu Esther steht, dokumentiert die Komplexität des Skripts. Davon abgesehen nimmt sich Orphan sehr bewusst Zeit, um Suspense und Spannung Szene für Szene zu entwickeln. Zwar verzichtet auch Collet-Serra nicht vollständig auf laute Schockmomente, die meiste Zeit über erscheint die von Esther ausgehende Bedrohung allerdings weitaus subtiler und weniger eindeutig. Erst zum Ende hin fügt sich die Handlung pflichtbewusst der Logik und Dramaturgie des Horror-Kinos, woraus ein gewisser stilistischer Bruch resultiert. 

Bis es allerdings zu diesem letzten, durchaus blutigen Kräftemessen zwischen Esther und ihrer neuen Familie kommt, ähnelt Orphan mehr einem sorgsam austarierten Psycho-Thriller. Mit Das Omen und anderen Vertretern des Satansbraten-Genres hat der Film - anders als es der Trailer und das Plakat etwas unglücklich suggerieren - nichts gemein. Auch für höhere Mächte und übersinnliche Geistererscheinungen ist im perfide geführten Kampf um Liebe und Zuneigung kein Platz. Stattdessen arbeitet das Drehbuch mit einem möglichst realistischen, nachvollziehbaren Szenario, bei dem wir uns in die Rolle der zunehmend überforderten Eltern versetzen sollen. Diese Rechnung geht auch deshalb auf, weil die Charaktere nie ihrer Glaubwürdigkeit beraubt werden. Getragen von durchweg starken Darstellerleistungen - über Isabelle Fuhrmans wahrlich denkwürdigen Auftritt wird man noch lange reden - funktioniert Orphan sogar als Familiendrama, das tief in die Vergangenheit seiner Akteure hineinleuchtet und dabei allerhand Dunkles zu Tage fördert.

>> verfasst von Marcus Wessel

User - Kurzkritik/Kommentar


Kommentar Nr. 4 - Geschrieben von Debby am 05.02.2010 10:21 Uhr 80 %
Für mich die überraschendste Auflösung seit Saw 1! Der Film ist wirklich toll, man überlegt die ganze Zeit worum es Esther im Endeffekt geht. Ich hatte schon Angst am Ende steht sowas wie: joa der machts einfach Spaß böse zu sein :) Aber weit gefehlt! Toller Film, tolle Darsteller, sehr geile Story! Die Blu-ray ist schon vorbestellt ;)

Kommentar Nr. 3 - Geschrieben von Elodia am 24.10.2009 17:55 Uhr 90 %
Review sehr gut geschrieben und sehr passend! Hab den Film gestern im Kino gesehen und muss sagen: Wow. Der Film überzeugt, der Spannungsbogen ist klasse und man steht die ganze Zeit unter Strom vor Spannung. Und dann das Finale - mir viel die Kinnlade runter. Ich muss da ein großes Kompliment an die Filmemachen loswerden und auch an Isabelle Fuhrmans wirklich absolut toppe Leistung! Hut ab - der Film ist klasse!

Kommentar Nr. 2 - Geschrieben von seven am 24.10.2009 01:56 Uhr 30 %
ich kann dem autor des reviews und dem redner über mir nun gar nicht zustimmen. der film war in meinen augen käse. die tatsache das ein 10-jährige mädchen angst und schrecken verbreiten soll lässt den film etwas lächerlich erscheinen, ganz zu schweigen von der auflösung am ende. durch die kameraeinstellungen in manchen szenen wird der film durchaus ab und zu spannend, was aber nicht die inhaltliche leistung des werkes verbessert. gibt bei weitem sehenswertere filme des genres.

Kommentar Nr. 1 - Geschrieben von Filmpapst am 13.09.2009 21:08 Uhr 90 %
Sehr gutes und passendes Review! Habe den Film auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest in Stuttgart gesehen. War mehr als nur positiv überrascht, einen so guten Film hatte ich nicht erwartet. Klasse Story, top Darsteller (vor allem Isabelle Fuhrman in der Rolle der Esther - what a sick girl ;o) und eine gesunde/wohldosierte Härte. Einer meiner diesjährigen FFF-Favoriten neben Moon, Descent 2 und District 9. Ist für mich ein klarer Blu-ray-Pflichtkauf :o)

Kommentar verfassen

Name
Bewertung
Kommentar
BlairWitch.de BlairWitch.de - News BlairWitch.de - Reviews BlairWitch.de - Moviebase