Im Interview – Wächter des Tages-Regisseur Timur Bekmambetov

Ein Mann, der in den Kampf zwischen den Wächtern des Tages und den Wächtern der Nacht verstrickt ist, gerät in Besitz eines Gegenstandes, mit dessen Hilfe man Moskau, das durch ein apokalyptisches Ereignis fast vollständig zerstört wurde, wiederherstellen kann. Wächter des Tages, das Sequel zum Kinoerfolg Wächter der Nacht, begibt sich hierzulande nächste Woche Donnerstag in die Lichtspielhäuser. Ein Interview mit dem Regisseur Timur Bekmambetov findet Ihr anbei unter diesem Text. Bekmambetov drehte auch schon den Vorgänger Wächter der Nacht, der zum erfolgreichsten Film seines Heimatlandes Russland avancierte. Wächter des Tages kommt mit über zwei Stunden Laufzeit (132 Minuten) und zeigt dem Zuschauer unter anderen Konstantin Khabensky, Mariya Proshina und Vladimir Menshov.

Im Interview – Timur Bekmambetov

Von Nurai Mukades

Aus dem Russischen von Peter Klassen

Seit dem Erfolg von "Wächter der Nacht" ist die kreative Truppe rund um Timur Bekmambetov ins Blickfeld der Journalisten gerückt. Dennoch hat sich Bekmambetov und sein Team ein Schweigegelübde aufgelegt. In den Interviews, die er anderen Journalistenkollegen gab, beschränkte er sich auf lakonische "Ja" und "Nein".

Obwohl bis zur Premiere nur noch wenige Tage bleiben, hat Timur Bekmambetov verkündet, dass es sein erstes und letztes Interview vor der Premiere wird – nicht nur für seine Landsleute, sondern für ganz GUS. Kasachstan hat Glück: Almaty ist die erste Stadt der Erde, in der der Film seine allererste Premiere feiert.

Während der Arbeit an "Wächter des Tages" haben Sie sich verschwiegen gegeben. Der Schnittraum war komplett abgeriegelt. Es ist an der Zeit, die aufgestauten Emotionen loszulassen: gefällt Ihnen das, was Sie den Zuschauern bieten wollen?

Nachdem ich in diesem Projekt anderthalb Jahre vor mich hingekocht habe, kann ich nur schwer objektiv urteilen, was gelungen ist – es ist überhaupt schwer, etwas zu beurteilen. Wir haben jedoch alles gemacht, damit der Film zu einem Ereignis wird.

Gerüchten zufolge hat der zweite Teil mehr Poesie und Liebe drin. Wenn ja – warum? Ist das ein taktischer Schachzug, den die Zuschauer erwarten, oder war er durch den Plot bedingt?

Ich würde nicht behaupten, dass es so kalkuliert wurde. Das Drehbuch wurde lange diskutiert, hat sich oft verändert, es kam ein ständiger Strom unterschiedlicher Ideen: neue Ideen kamen, alte tauchten wieder auf, sie wurden in eine Story eingegliedert, manchmal auch wieder verworfen. Nachdem wir etwas Handfestes hatten und über Zeit zum Verschnaufen verfügten, haben wir das Ergebnis von der Seite angeschaut. Zuerst muss man sich in das verlieben, was man tut, und erst dann den Kopf einschalten.

Ich hatte versucht, eine Raubkopie von "Wächter des Tages" vor der Russlandpremiere zur Vorbereitung auf das Interview zu kaufen. Eine bei uns ganz ungewöhnliche Situation: es gab keine im Handel! Hat Ihr Team ausgerechnet, wie hoch Ihre Verluste durch Raubkopien waren?

Nein, mein Team hat das nicht gemacht. Was das Fehlen von Raubkopien von "Wächter des Tages" angeht, ist es kein Wunder. Sehr wenige Menschen hatten Zugang zu den Arbeitsversionen des Films, es sind alles zuverlässige Leute, und jedes Exemplar ist registriert. Sobald eine neue Schnittfassung fertig war, und eine alte nicht mehr aktuell war, wurde sie vernichtet.

Ich möchte auch noch etwas zu "Wächter der Nacht" fragen. Leider konnten wir die Version für den westlichen Verleih hier nicht sehen. Wie viel Zeit wurde in die Adaptation für die Zuschauer im Westen aufgewendet? Ist es wahr, dass der Film sehr stark verändert wurde? Wurde das mit Einverständnis der Autoren und der russischen Produzenten gemacht, und gefällt Ihnen so ein "Night Watch" persönlich?

Es gibt nicht allzu viele Unterschiede. Der Schnitt ist etwas anders, es fehlen einige Plot-Linien, das Lied im Abspann wurde durch ein englischsprachiges ersetzt. Es ist in der Tat einiges vereinfacht worden – das meiste davon wurde durch die amerikanische Filmgesellschaft gemacht. Bis auf einige prinzipielle Momente hatten wir aber nichts dagegen: sie wissen wohl besser, was ihr Publikum braucht.

Wie erfolgreich ist der Film im Westen gelaufen?

In Europa hat sich der Film wacker geschlagen. Sehr gute Einspielergebnisse erzielte er in Deutschland, ziemlich gute in Frankreich und Spanien.

Es heißt, in USA laufen ausländische Filme schlecht, weil sie untertitelt sind, und die Amerikaner lesen nicht sonderlich gerne. Gibt es in USA eine Praxis der vollständigen Synchronisation, wie in Russland? Und gab es dabei Probleme bei "Wächtern der Nacht"?

In der Regel laufen ausländische Filme in den Staaten mit Untertiteln, aber davon kommen dort sowieso viel zu wenige in den Verleih. Es ist tatsächlich nicht allzu populär. Es gibt herausragende Ausnahmen der letzten Jahre: "Hero", "Lola Rennt"… Die Variante mit der Synchronisation wurde diskutiert, aber nur als eine der Möglichkeiten.

Konnte Konstantin Khabensky durch diesen Film das westliche Publikum beeindrucken? Kriegt er Angebote, woanders mitzuspielen?

Das Spiel der russischen Schauspieler hat die Leute sehr beeindruckt. Das, was die russische Schauspielerschule auf die Leinwand bringt ist die Fortsetzung der Methode von Marlon Brando. Was Angebote angeht, fragen Sie Khabensky am besten selbst.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Schauspieler aus der Hollywood-Riege zu wählen, wen würden Sie für Ihr amerikanisches Debüt anheuern?

Ich mag Gary Oldman sehr.

Unser Publikum ist aber auch recht launisch. "Wächter der Nacht" hat Schelte sowohl von den Kritikern, als auch von Lukianenkos Buchfans bekommen. Wo finden Sie die Kraft, der negativen Publicity zu widerstehen?

Warum denn? Es gab doch auch viel positives Feedback. Hätten wir gedacht, dass es niemand braucht, hätten wir den zweiten Teil nicht gemacht. Aber auch die Kritiker unter den Fans haben auf die Fortsetzung gewartet.

Es heißt, diejenigen, die an einer Adaptation von "Der Meister und Margarita" arbeiten, werden Opfer von schwarzer Magie. Haben sich die Mächte der Finsternis in Ihre Drehprozesse eingemischt?

Am ersten Tag der Nachdrehs in Moskau ist unser GORSVET-Laster kaputtgegangen, den wir filmen sollten. Das hat die Dreharbeiten stark verzögert. In der Nacht hatten wir, glaube ich, -15°C. Es gab so einiges… Es gibt um uns herum viel Phantastisches. Die Frage ist bloß, ob wir es den mystischen Kräften zuschreiben, oder pragmatische Erklärungen suchen. Vielleicht ist ja beides richtig.

Sie haben mal eine Analogie zwischen den Mächten des Dunkels und unserer Welt formuliert, und haben diejenigen, die unser Leben stören, "Vampire" genannt. Kann man annehmen, dass Sie sich nicht von Ihrem Weg durch irgendwelche Kräfte abbringen lassen?

Ja, meistens ist der Mensch, der mich vom gewählten Weg abbringt, ich selbst. Ich glaube einfach sehr stark an das, woran ich glaube.

Quelle:
http://www.centrasia.ru/newsA.php4?st=1135925700

Geschrieben am 11.09.2007 von Janosch Leuffen





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