Mit über 50 3D Filmkopien startet My Bloody Valentine 3D, ein Remake des gleichnamigen Slashers aus dem Jahr 1981, bereits heute in den deutschen Lichtspielhäusern. In unserem aktuellen Interview, das sich wie gewohnt im Anhang dieser Meldung findet, haben wir mit Regisseur Patrick Lussier, der unter anderem schon für Werke wie White Noise 2 verantwortlich zeichnete, über technische Möglichkeiten und die Besonderheiten des 3D Kinotrends gesprochen. In den Hauptrollen der Lionsgate Produktion spielen Jensen Ackles (Supernatural) und Jaime King (They Wait). Eine schreckliche Tragödie veränderte einst die Kleinstadt Harmony auf ewig: Der junge Bergarbeiter Tom verursachte im Schacht einen Unfall. Fünf Kollegen starben, einer konnte im Koma geborgen werden: Es war Harry Warden. Genau ein Jahr später, an einem Valentinstag, erwachte Warden und brachte 22 Menschen mit der Spitzhacke um. Zehn Jahre danach kehrt Tom nach Harmony zurück. Die Todesfälle von einst machen ihm ebenso zu schaffen wie das ungeklärte Verhältnis zur Ex-Freundin Sarah, die inzwischen mit Kleinstadt-Sheriff Axel liiert ist. Ausgerechnet in dieser Nacht wird Harmony von seiner grausamen Vergangenheit eingeholt: Der Spitzhacken-Killer geht wieder um!

BlairWitch.de: In Deutschland sind 3D Kinos noch nicht so weit verbreitet wie in den USA. Was bietet My Bloody Valentine Zuschauern, die mit einer 2D Version vorlieb nehmen müssen?
Patrick Lussier: My Bloody Valentine bietet durchgängig gute Unterhaltung und wirklich jede Menge Spaß. Geneigte Kinogänger sitzen hier nicht etwa in einer typischen Gruselmär aus Japan, sondern kehren vielmehr zu den Wurzeln des Slashers zurück, also den eigentlichen Ursprüngen des Genres, um zu sehen, was sich noch heute daraus machen lässt. Zusammengefasst handelt es sich also um einen sehr spaßigen und witzigen Horrorfilm im Stile der Slasher aus den Achtzigern. Natürlich möchte ich die Möglichkeiten und zusätzlichen Schauwerte, die uns 3D als neue Technologie bietet, nicht unter den Teppich kehren. Es ist eine völlig neue und unvergessliche Erfahrung, die den Kinobesuch zu etwas Besonderem macht. Der Zuschauer befindet sich mitten im Geschehen, was dem Gefühl einer fahrenden Achterbahn entspricht, die ihren höchsten Punkt erreicht hat und sich nun langsam auf den Abgrund zubewegt.
Teenie-Slasher waren in den Neunzigern sehr populär. Denkst Du, dass das Slasher-Genre durch My Bloody Valentine neue Impulse gewonnen hat?
Das denke ich auf jeden Fall. Ich bin jedoch der Meinung, dass das Genre als solches sehr wankelmütig geworden ist und es eigentlich auch schon immer war. Die Zeit bestimmt also, was populär ist und was nicht. Wir haben uns daher auf eine Reise in die Vergangenheit begeben, um einen Film dieser Art zu realisieren. Dabei sind wir auf viele Namen gestoßen, die in den Siebzigern und später entstanden sind, zum Beispiel Black Christmas, The Texas Chainsaw Massacre, Prom Night oder Friday the 13th. Es bestand schon immer ein gewisses Interesse an diesen Filmen, was sich nicht bestreiten lässt. Die Denkweise war also: Adaptieren wir eines dieser bekannten Werke, unterlegen es mit einer aktuell im Trend liegenden Technologie und die Menschen werden erkennen, dass diese Machart auch heute spaßig sein kann, wenn man sich nur auf sie einlässt. Mit My Bloody Valentine springen wir daher herausstechende Vertreter einer jeweiligen Epoche an. Als wichtige Frage galt dabei zu klären, was diese Filme so besonders machte. Was machte sie so effektiv und warum haben sie das Publikum derart in den Bann gezogen?

Im Film geht es stellenweise sehr blutig zu. War die MPAA mit der ersten Schnittfassung sofort einverstanden?
Das war eine sehr witzige Angelegenheit, denn die Version, die sie zu sehen bekommen haben, kam nicht durch. Aber nicht etwa wegen der Gewaltdarstellung, sondern wegen einer gewissen Sexszene, die im Film enthalten ist. Das war überaus amüsant, da genau diese Szene der Auslöser dafür war, dass der Film abermals zurückgewiesen wurde. Mit der Gewaltdarstellung an sich hatten wir also lustigerweise kaum oder weniger Probleme.
Bei einer kommenden DVD-Auswertung wird My Bloody Valentine die 3D Funktion aus dem Kino genommen. Was macht die Veröffentlichung dennoch einzigartig?
Die Käufer werden auf jeden Fall die Möglichkeit dazu haben, den Film in gewisser Weise in 3D zu sehen. Auf DVD bzw. Blu-Ray Disc wird es eine Funktion geben, die dem Zuschauer erlaubt, das Erlebnis durch eine Rot/Grün-Brille zu sehen, weshalb wir dieses Gefühl also doch irgendwie auf DVD wiedergeben. Natürlich können wir dieses einzigartige Feeling, diese besondere Atmosphäre, die sich in einem Kino abspielt, dennoch nicht 1:1 ins Wohnzimmer übertragen, da die Technik eine völlig andere ist. Aber wie gesagt: Auch im Heimkino wird man ihn sich sowohl in 2D als auch in 3D ansehen können, nur eben nicht in der modernisierten Version und mit eingeschränkten Möglichkeiten. Aber auch so wird die DVD einige sehr schöne Extras beinhalten. Unter anderem zeigen wir ausführlich, wie jede beliebige Todesszene, die teilweise wirklich sehr blutig, brutal und witzig sind, entstanden sind und wie wir sie durch die 3D-Möglichkeit realitätsnäher kreieren konnten. Diese ganzen Eindrücke von den Dreharbeiten finden sich also auch auf DVD.
Lionsgate Films soll kein Interesse an einem Sequel haben, obwohl das Remake sehr positiv aufgenommen wurde. Wie erklärst Du diesen Umstand?
Die Darsteller, also die Charaktere im Film, die dieses Massaker überleben, haben schon darüber gesprochen, ob man unser Abenteuer fortsetzen könnte, wenn sich die Chance ergibt. Lionsgate Films hat es mit einem Sequel aber nicht eilig. Vielleicht ändern sie ihre Meinung später noch, aber im Augenblick ist es so, dass sie es nicht realisieren möchten.
My Bloody Valentine konnte zum Start einen Kopienschnitt von 19.000 Dollar in US-3D Kinos verbuchen. Bleibt das Interesse deiner Meinung nach auch in Zukunft bestehen?
Ich denke, dass es sich in absehbarer Zeit den Sehgewohnheiten annähern wird. Es werden immer mehr Säle mit dieser Funktion ausgestattet sein, weshalb Lichtspielhäuser dann bald zwei oder drei Filme dieser Gattung gleichzeitig spielen können. Irgendwann geht es dann so weit, dass 3D Filme nicht mehr auschließlich als Eventkino konzipiert werden, sondern auch in ruhigere Regionen vorstoßen, zum Beispiel als Drama oder Komödie. 3D ist momentan noch etwas, das man sich ansehen muss, weil es einfach einzigartig ist und ein außergewöhnliches Filmerlebnis mit vielen Menschen in einem Saal verbindet. Daher stellt sich auch nicht die typische Frage: 'Gehe ich lieber ins Kino oder warte auf die DVD?'. Es wird jedoch nicht immer so bleiben.

Bereits im Jahr 2000 bist Du vom Editing Room auf den Regiestuhl gewechselt, hast deine Regiearbeiten bisher jedoch vornehmlich selbst geschnitten. Würdest Du diesen Schritt jedem Filmemacher empfehlen, um noch freier arbeiten zu können?>> geführt und verfasst von Carmine Carpenito, Torsten Schrader
Links: Patrick Lussier - Interview
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