Sophie & Sterbehilfe – Zwei Kurzfilme unter der Lupe

Im undurchdringlichen Hollywooddschungel, in dem fast – so scheint es – täglich ein neues Horrormachwerk auf den Markt geschmissen wird, fällt unser Auge heute auf zwei Amateurfilme aus dem deutschsprachigen Raum. So gut wie kein Budget, Laiendarsteller, kein vermögendes Filmstudio, aber jede Menge Leidenschaft, Mut und Kreativität stehen hier im Vordergrund. Unser Fokus liegt hierbei auf dem aus Österreich stammenden Kurzfilm Sophie und dem aus Bayern kommenden Spielfilm Sterbehilfe. Junge Filmemacher mit dem Willen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und dieses auch zu verwirklichen. Die beiden Beispiele zeigen, dass man sich nicht scheuen sollte, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen – auch wenn das Endprodukt es anfangs natürlich nicht sofort das Gelbe vom Ei sein wird. Viel Spaß beim Lesen unserer Besprechungen zu Sophie und Sterbehilfe!

Sophie

Sophie Liechtenstein (Jasmin Devi) und ihr Mann Clemens (Mario L. Ross) führen eine Ehe, die von nun an nicht mehr zu kitten ist. Um die Scheidungspapiere endlich zu unterzeichnen versucht die Ex Ehefrau in spe, ihren Gatten telefonisch zu erreichen, um ihm die Ernsthaftigkeit der Lage noch einmal begreiflich zu machen. Sie selbst nützt ihre wenige Freizeit, um sich inmitten der Natur etwas zu sammeln. Sie schlendert gedankenvoll einen Waldweg entlang, als ein umgefallener Baum ihr den weiteren Weg versperrt. Deshalb muss sie den vorgegebenen Pfad aus besagten Gründen kurzzeitig verlassen. Sophie wagt es, den Baum nahe dem Abhang zu umgehen. Jedoch verliert sie den Boden unter den Füßen und fällt auf halsbrecherische Weise hinab. Leicht verletzt, aber unter Schock stehend, realisiert Sophie, dass ihr Handy beim Sturz verloren ging. Es sind nur ein paar kurze Schritte, um das dringend benötigte Telefon zu erlangen. Aber gerade diese wenigen Meter ergeben für Sophie eine lebensbedrohliche Falle…

Was Vlado Priborsky in den knapp 21 Minuten erzählt ist gewiss nichts Neues, aber allemal sehenswert. Dank einer talentierten Hauptdarstellerin, die den Kurzfilm fast über die gesamte Spiellänge tragen muss, gelingt ein mitunter verstörendes und beklemmendes Spiel. Die Anfangssequenz, mit gefühlsbetonter Musik aus heimischen Landen, lässt zunächst eine freie, erleichterte Sophie (sehr nett anzusehen: Jasmin Devi) erscheinen. Die Landschaft Österreichs in schönen Naturaufnahmen eingefangen, begeben wir uns alsbald, nach einem kurzen Handydialog, in den nächstgelegenen Wald. Dort geschieht dann das Missgeschick. Auch wenn man ahnt, was folgt, zuckt man dennoch zusammen, als unsere Protagonistin ins nächste Fettnäpfchen tappt. Die folgenden Minuten gehören nun allein ihr. Als die Nacht hereinbricht, macht Sophie von einem Trick Gebrauch, den wir aus dem ersten Saw-Film kennen dürften. Mittels des Blitzes ihrer Kamera versucht Sophie, in der Finsternis den Ursprung der unheimlichen Geräusche ausfindig zu machen. Auch die nächste verzweifelte Tat am Tag darauf kommt uns irgendwie aus Saw bekannt vor.

Doch das macht SOPHIE keineswegs schlechter. Die Make Up-Verantwortlichen leisteten nämlich akzeptable Arbeit, was das Leiden der jungen Frau betrifft. Auch geschichtlich gesehen knallt das Ende im wahrsten Sinne vor die Stirn, wendet alles zum Glück im Unglück. Was uns Priborsky mit SOPHIE bietet ist ein allemal gelungener Kurzfilm aus dem schönen Österreich, und er zeigt, dass Thriller/Horror der Low Budget Liga im deutschsprachigen Raum keinesfalls schlecht sein müssen. Hut ab!

 

Sterbehilfe

Ein weiterer Independent-Film kommt aus dem südlichen Bayern. Nach einer Geschichte von Michael und Heinrich Brandl sowie Christian A. Endl inszenierte letzterer den knapp 78-minütigen Film. Dass hier Amateure am Werk waren, lässt sich zu keiner Sekunde verleugnen.

Stefan Streifinger zeiht rastlos und mordend quer durch Bayern. Er versucht, den Tod seiner Eltern und die Erinnerungen an seinen Bruder Andreas zu verdrängen. Doch nach Stefan wird bereits gefahndet. In seinem gestohlenen Nissan ist er nicht mehr sicher unterwegs. Ein neues Auto muss so schnell wie möglich her. Zeitgleich plant Tobias Buchner mit drei Freunden eine große Feier in der Jagdhütte seines Onkels. Dort angekommen überschlagen sich allerdings die Ereigniss…

Hätte man STERBEHILFE nicht auf über eine Stunde ausgeweitet, würde der Streifen womöglich besser wirken. Wir befinden in uns in nahezu vier Zeitebenen: 5 Jahre früher, 4 Jahre später, Gegenwart und 2 Stunden später. Dabei wird die Vergangenheit in schwarz/weiß-Bildern erzählt, was an dieser Stelle aber eigentlich unnötig ist. Würde man die Epochen nicht genannt bekommen, wäre so ein effektvolleres Stilmittel enstanden. Die Regie von Christian A. Endl entpuppt sich zudem mehr als Kamera-auf-Stativ-und-Record-Knopf-gedrückt-Arbeit. Schwenks oder Zoomaufnahmen sind nahezu überhaupt nicht vorzufinden, was für einen Horrorfilm aber mitunter einfach sein muss. Eine stillstehende Einstellung erzeugt leider kaum bis gar keine Spannung, da kann das Spiel der Akteure auch noch so gut sein.

Doch das ist es natürlich – einem Amateurfilm entsprechend – mitnichten. Hier wird sich zwar redlich Mühe gegeben, aber letzten Endes holpern und stolpern sich die Darsteller durch das unausgereifte Drehbuch. Die Dialoge sind karg und kommen teils sehr auswendig gelernt und merkwürdig daher. Nett gemacht aber sind die Mordszenen, bei denen das Kunstblut natürlich im Übermaß quillt. Mit der Axt und einem selbstentwickelten Stock als Waffe attackiert Stefan seine Opfer. Die Gründe allerdings liegen oftmals verborgen, wie zum Beispiel bei einer zufällig nach vier Jahren im Wald vorbei spazierenden Passantin. Sie möchte partout nicht mit Herrn Streifinger (apropos: Bitte bei der Namensgebung im nächsten Film etwas kreativer sein) nach Hause gehen und wird dann direkt mal im Off ermordet. So schnell kann’s gehen.

STERBEHILFE fehlt der zündende Kick, eine mutigere und nicht gar so statische Kamera würden dem nächsten Projekt mehr als gut tun. Auch ist die Laufzeit für eine solche Geschichte einfach viel zu lang geraten. Selbst Hollywood gehen bei weniger Spielzeit schon deutlich die Ideen aus.

Der Versuch ist löblich, jedoch sollten sich die Macher für einen neuen Film mehr Zeit für ein ausgefeilteres Drehbuch nehmen und die Regie überdenken.

Für weitere Informationen zum Film: Webseite.

Geschrieben am 27.02.2008 von Janosch Leuffen
Kategorie(n): News





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