Hitman: AbsolutionEin Mann. Eine Glatze. Eine Nummer. Mehr Details braucht es eigentlich nicht, um einen der erfolgreichsten Auftragskiller der Videospielgeschichte vorzustellen. Kenner wissen natürlich längst, um wen es hier geht. Die Rede ist von demjenigen, der lediglich mit dem Codenamen 47 bezeichnet wird: Hitman. Zum kommenden Start des fünften Videospiels Hitman: Absolution beleuchten wir die Anfänge des namenlosen Killers und seinen Ausflug auf die Kinoleinwand.

Vor rund zwölf Jahren erschien das erste Spiel der Hitman-Reihe mit dem prägnanten Namen Hitman: Codename 47. Der Spieler schlüpfte darin in die Rolle des glatzköpfigen Killers, der im Genlabor aus der DNA von fünf Superschurken zum Leben erweckt wurde. Seine Mission: möglichst unentdeckt töten. Außerdem gab es gute Bewertungen für den Killer, wenn so wenige Schüsse wie möglich abgefeuert wurden. Was bei vielen Spielern gut ankam, war den Kritikern allerdings ein Dorn im Auge. Vor allem die mitunter qualvollen Mordszenarien wurden kritisiert und sorgten dafür, dass der Erstling nur von Personen über 18 Jahren käuflich erworben worden konnte. Kurz darauf wurde das Spiel, welches lediglich als PC-Version erschien, auf den Index gesetzt und durfte seitdem in Deutschland nicht mehr öffentlich beworben werden.

Ob diese Wachen den Braten bereits riechen? (Hitman: Silent Assassin)

Die Wende kam erst nach geschlagenen elf Jahren, nämlich kurz vor der Veröffentlichung von Hitman: Absolution. Durch die Bemühungen von Square Enix konnte Hitman: Codename 47 im September von der Liste jugendgefährdender Medien gestrichen werden. Das Spielprinzip lautete damals wie heute: der Spieler erreicht das höchste Missionsziel erst dann, wenn er unentdeckt durch die Abschnitte schleicht und ausschließlich die Zielpersonen ausschaltet. Wie es passiert, ist dabei fast Nebensache. Den Reiz der Spieleserie macht vor allem die große Handlungsfreiheit aus. Die meisten Missionen bieten eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten, an deren Ende Ziele lautlos ausgeschaltet werden, ohne dass Dritte davon etwas mitbekommen oder dabei zu Schaden kommen.

Eine Fortsetzung erschien im Jahr 2002 unter dem Titel Hitman 2: Silent Assassin dennoch. Auch der zweite Teil wurde mit einer USK-Freigabe ab 18 Jahren versehen. Neben einer Windows-Ausgabe erschien „Silent Assassin“ außerdem auf den Konsolen GameCube, Playstation 2 und Xbox. Die Grafik wies gegenüber seinem Vorgänger eine deutliche Verbesserung auf, zusätzlich gab es nun die Möglichkeit, Personen mittels Chloroform zu betäuben. Neuartig war auch der Wechsel zwischen Ego- und Third Person-Sicht. Besonders einschneidend gestaltete sich aber die Einführung dieses Features: erstmals konnte man durch ein Barometer direkt erkennen, wie das eigene Ich auf die Umwelt wirkt. Wer zu auffällig vorgeht, bekommt die Resonanz also direkt im Spiel angezeigt und kann dementsprechend handeln.

Auftragskiller führen ein einsames Leben (Hitman: Contracts).

Die nächsten Teile Hitman: Contracts und Hitman: Blood Money erschienen bis zum Jahr 2006 im Zwei-Jahres-Takt. Ab 2004 wurde das Spiel zudem für die Xbox 360 veröffentlicht, die PlayStation 3 löste die PlayStation 2 ab. Außerdem standen neben der Collector’s Edition von Blood Money vor sechs Jahren auch die gesamte Hitman-Collection und die Spielesammlung „The World of Hitman“ in den Händlerregalen zum Kauf bereit. Was Contracts noch an Neuerungen vermissen ließ, holte Blood Money im doppelten Sinne nach. Nicht nur, dass jetzt immer häufiger auch moderne Gerätschaften wie Videokameras zum Einsatz kamen, die man geschickt umgehen musste. Erledigte Missionen wirkten sich auch direkt auf nachfolgende Aufträge aus, indem die Taten Hitmans in den Tageszeitungen thematisiert und mögliche Ziele oder Aufpasser im Vorfeld informiert wurden.

Und schließlich blieb der große Erfolg des Shooters auch von Filmemachern in Hollywood nicht unbemerkt. So kam es, dass sich der Auftragskiller im Jahr 2007 plötzlich nicht in einer neuen Mission auf den heimischen Videospielgeräten wiederfand, sondern auf den Kinoleinwänden der gesamten Welt. Schauspieler Timothy Elephant ließ sich für seine Rolle eine Glatze scheren und den ominösen Strichcode „640509-040147“ auf den Hinterkopf malen. Die Regie der Videospielverfilmung übernahm der Franzose Xavier Gens, der im Vorfeld durch sein brutales Genrewerk Frontière(s) auf sich aufmerksam gemacht hatte. Als Drehbuchautor wurde Skip Woods verpflichtet, der zuvor das Skript zum Actionthriller Password: Swordfish verfasste. Um den charismatischen Killer „Agent 47“ für das Kino tauglich zu machen, stand den Filmemachern ein geschätztes Budget von 24 Millionen Dollar zur Verfügung. Davon konnte bereits am Startwochenende allein in den USA die Hälfte wieder eingefahren werden. Kritiker nahmen die Verfilmung mit gemischten Gefühlen auf. Vor allem die flache Handlung und groben Logikfehler stießen sauer auf.

Gefährlichen Konfrontationen sollte man aus dem Weg gehen (Hitman: Blood Money).

Seit diesem unerwarteten Ausflug ins Filmmetier war es ruhig geworden um Hitman. Bis die dänische Spieleschmiede IO Interactive, die Hitman im Jahr 2000 seinen ersten Auftrag erteilte, auf der Games Convention vor vier Jahren eher zufällig einen weiteren Teil ankündigte. Lead-Designer Jens P. Kurup antwortete auf die Frage eines Journalisten, der nach einem weiteren Spiel fragte, mit „definitiv“ und gab zugleich bekannt, dass es dazu spielerische Änderungen geben würde. Doch nachdem diese Aussage Fans in freudige Erwartung versetzte, dauerte es weitere drei Jahre, bis das fünfte Spiel mit dem Titel Hitman: Absolution im Mai 2011 endlich enthüllt wurde.

Am 20. November dieses Jahres ist es dann endlich soweit: Agent 47 kehrt auf PC, Xbox 360 und PlayStation 3 zurück. Mit Glatze. Mit Nummer. Und mit der ungehemmten Leidenschaft, zu töten.

>> verfasst von Janosch Leuffen




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