Moviebase Gräfin, Die

Gräfin, Die
Gräfin, Die

Bewertung: 50%

Userbewertung: 65%
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Originaltitel: Countess, The
Kinostart: 25.06.2009
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: Unbekannt
Studio: X-Verleih
Produktionsjahr: 2009
Regie: Unbekannt
Drehbuch: Unbekannt
Darsteller: Unbekannt

In Eli Roths blutigem Osteuropa-Trip Hostel 2 erregte vor allem eine Szene die Gemüter der staatlichen Jugendschützer. Darin steigt eine junge, äußerst attraktive Frau unbekleidet in eine Wanne, nicht um zu baden oder sich bei einem Bad zu entspannen. Die Dame hat ganz andere Pläne, die ersichtlich werden, als die Kamera zur Decke dreht. Dort hängt eine der drei amerikanischen Europa-Touristinnen, gefesselt und geknebelt. Schon im nächsten Augenblick wird deren nackter Körper mit einer scharfen Klinge mehrmals penetriert. Mit sichtlicher Freude und in sexueller Erregung badet die Schlitzerin im Blut ihres Opfers, das wie ein Stück Vieh allmählich ausblutet bis schließlich der Tod eintritt. Zurück bleibt eine Riesen-Sauerei, die nach Meinung der FSK dem deutschen Kinozuschauer nicht zugemutet werden konnte. 

Obwohl es nicht direkt gesagt wird, so bezieht sich Roth mit der Szene doch auf eine historische Figur, welche ihm zumindest als „Inspiration“ diente. Die ungarische Aristokratin Erzebet Bathory, besser bekannt auch unter ihrem Beinamen „Die Blutgräfin“ mit dem sie in die Geschichte einging, pflegte zu jungen Frauen ein ähnlich grausames Verhältnis. Zwar ist nichts darüber bekannt, dass sie sexuelle Lust verspürte, wenn sie im Blut ihrer Opfer badete, für die schätzungsweise über 600 (!) Mädchen war das Resultat jedoch ähnlich fatal. So glaubte die Gräfin, dass der rote Saft ihr zu ewiger Jugend und Schönheit verhelfe, vorausgesetzt die Spenderin war zum Zeitpunkt des unfreiwilligen Aderlasses noch Jungfrau. 

Die Gräfin, eine europäische Co-Produktion mit Starbesetzung (u.a. Daniel Brühl, William Hurt), nimmt sich der an Mythen und Spekulationen überaus reichen Geschichte der Erzebet Bathory (1560-1614) an. Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Julie Delpy war daran gelegen, Erzebet nicht als das personifizierte Böse zu portraitieren, sondern als widersprüchliche, für die damalige Zeit äußerst emanzipierte Frau, die selbst zwischen Intrigen, Wahnvorstellungen und einem zunehmenden Kontrollverlust gefangen war. Als Auslöser für ihr blutiges Handwerk identifiziert Delpy die unglückliche, weil unerwiderte Liebe zu dem weitaus jüngeren Istvan (Daniel Brühl). Dessen Vater, der einflussreiche Graf Thurzo (William Hurt), zwingt ihn, den Kontakt zur Bathory abzubrechen, was diese wiederum als Zurückweisung aufgrund ihres Alters missversteht. In der Folge verfällt sie immer mehr der bizarren Idee, wonach jungfräuliches Blut wie eine moderne Anti-Aging-Creme wirke, die Falten verschwinden und die Haut jünger erscheinen lasse. 

Die Person der Erzebet Bathory wäre auch ohne ihr grausames Geheimnis eine überaus faszinierende historische Figur. Ende des 16. Jahrhunderts und damit zu einer Zeit, als Europa vornehmlich von Männern regiert wurde, zählte die ungarische Gräfin zu den wenigen Frauen, deren gesellschaftlicher Einfluss die Emanzipation der letzten Jahrzehnte bereits vorweg nahm. Erzebet war die Repräsentantin eines nach heutigen Maßstäben modernen Rollenbildes (das Morden einmal ausgenommen, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen). Nach dem Tod ihres Mannes verwaltete sie die Ländereien und kümmerte sich um alle gesellschaftlichen wie diplomatischen Angelegenheiten. Sogar der ungarische König hatte Respekt vor der strengen Aristokratin. Doch gerade ihr selbstbewusstes Auftreten war manch einem ein Dorn im Auge wie die von ihrem Widersacher eingefädelte Intrige beweist. 

Die Gräfin ist weniger Thriller denn ein differenziertes Charakterstück vor historischer Kulisse, bei dem Erzebets Taten entgegen mancher Erwartungen nicht im Vordergrund stehen. Dass Delpy die grausamen Exzesse nur andeutet und dabei weit weniger explizit als Eli Roth wird, ist hingegen keine Überraschung. Schließlich versteht sich ihr Film nicht als schmuddelige Genre-Produktion. Den Mangel an Suspense und Gore kann das französische Multitalent allerdings nur bedingt mit einer interessanten Geschichte ausgleichen. Die folgenschweren Liebesverwicklungen im Hause Barthory mit ihren sorgsam gesponnenen Intrigen bewegen sich auf dem Niveau eines eher altbackenen Period Piece. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Die Gräfin nur unwesentlich von vergleichbaren Kostümschinken á la Jane Austen. Allein der dunkle Unterbau hilft einem dabei, das eine vom anderen zu unterscheiden. Denn so unschuldig wie Austens Heldinnen ist die nach Jungfrauenblut lechzende Erzebet zu keiner Zeit. Schon lange bevor sie die vermeintliche Anti-Aging-Wirkung des roten Körpersaftes entdeckt, verbreitet sie mit ihrer resoluten Art Angst und Schrecken.

Unfreiwillig komisch klingen indes die schmachtenden, kitschigen Liebesschwüre, die Erzebet und ihr junger Liebhaber im Überfluss austauschen. Auch weil manche der selbst für ein Kostümdrama seltsam steifen Dialoge kein Ende zu nehmen scheinen, stellt sich statt Spannung und Interesse oftmals nicht mehr als gepflegte Langeweile ein. Die Person Erzebet Bathorys mitsamt ihrer unfassbaren Taten erklären zu wollen ist ein hehrer Anspruch, an dem Delpy letztlich scheitert. Dass sie sich dieser im Grunde schwachen und einsamen Frau nur mit dem nüchternen Blick eines interessierten Therapeuten nähert, macht aus ihrem Film eine leidenschaftslose und – man mag es in Anbetracht der Geschichte kaum glauben – blutleere Angelegenheit.

>> verfasst von Marcus Wessel

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