Moviebase Cold Skin - Insel der Kreaturen

Cold Skin - Insel der Kreaturen
Cold Skin - Insel der Kreaturen

Bewertung: 55%

Userbewertung: 50%
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Originaltitel: Cold Skin
Kinostart: 17.08.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: 02.10.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 02.10.2018
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: - Minuten
Studio: Kanzaman
Produktionsjahr: 2009
Regie: Xavier Gens
Drehbuch: Alex Pastor, David Pastor
Darsteller: Ray Stevenson, David Oakes, Aura Garrido

Während „Frontier(s)“-Schöpfer Xavier Gens 2017 mit dem enttäuschend formelhaften Dämonengrusler „The Crucifixion“ auf dem Fantasy Filmfest vertreten war, beehrte der Franzose das hiesige Publikum bei den diesjährigen White Nights mit seinem historischen Monsterstreifen „Cold Skin“, dem der deutsche Verleiher Tiberius den vielsagenden Untertitel „Insel der Kreaturen“ angeheftet hat. Der Film, der hierzulande eine limitierte Kinoauswertung erhält, basiert auf Albert Sánchez Piñols Roman „Im Rausch der Stille“ und ist sicherlich allein optisch reizvoller als der eingangs erwähnte Exorzismus-Ausflug nach Rumänien. Der kraftvolle, intellektuell provozierende Survival-Thriller, den Gens zweifelsohne im Sinn hatte, lugt jedoch zu selten hervor, weshalb erneut einiges an Ernüchterung zurückbleibt.

Im Jahr 1914 verschlägt es einen jungen Mann (David Oakes, „The Living and the Dead“), dessen Name kein einziges Mal genannt wird, auf eine karge Insel im Südatlantik, wo er als Wetterbeobachter Stellung beziehen soll. Statt seines Vorgängers trifft er auf dem rauen Fleckchen Erde seltsamerweise nur den verlotterten, ungehaltenen Leuchtturmwärter Gruner (Ray Stevenson, „Die Bestimmung – Allegiant“), der einer Unterhaltung nichts abgewinnen kann. Gerade als sich der Neuankömmling in seiner Hütte, so gut es eben geht, häuslich eingerichtet hat, muss er erkennen, dass es rund um das Eiland noch andere Bewohner gibt. Amphibienartige Kreaturen, die ihn mit nächtlichen Überfällen begrüßen. Nur wenig später zündet er beim Versuch, sich zu verteidigen, seine Bretterbude an und bittet daraufhin um Unterschlupf im Leuchtturm. Gemeinsam mit Gruner, der sich eines der merkwürdigen Wesen (Aura Garrido, „The Body – Die Leiche“) als Haustier und Beischlafsklavin hält, muss sich der Wetteroffizier fortan wiederkehrenden Angriffen erwehren.

Mysteriöse Geschöpfe, die dem Wasser entsteigen. Sex-Akte zwischen verschiedenen Spezies. Und deutliche Hinweise auf die destruktive Ader des Menschen. „Cold Skin“ weckt unweigerlich Erinnerungen an Guillermo del Toros preisgekröntes Fantasy-Märchen „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“, das in betörend schönen Bildern eine mitreißend-unkonventionelle Liebesgeschichte erzählte. Auch wenn Gens die visuelle Opulenz seines mexikanischen Kollegen nicht erreicht, gehören die von ihm vorgelegten Impressionen zu den größten Stärken der Romanverfilmung. Wunderbar gelingt es Kameramann Daniel Aranyó („Regression“), den Eindruck einer weitab der Zivilisation liegenden Insel zu erzeugen und das grau-schwarze Lavagestein des Drehortes Lanzarote sowohl in seiner Trostlosigkeit als auch in seiner rauen Schönheit zu zeigen. Das Gefühl endloser Einsamkeit stellt sich sofort ein und sorgt für eine ansprechende atmosphärische Grundierung.

Was die geheimnisvollen Kreaturen betrifft, legt „Cold Skin“ die Karten erstaunlich schnell auf den Tisch. Schon nach wenigen Minuten erblicken wir gemeinsam mit dem Wetterbeobachter durch ein Fernglas zum ersten Mal einen Schatten. Und nur kurze Zeit später betreten die Amphibienwesen, deren Design Arturo Balseiro („Pans Labyrinth“) kreiert hat, in voller Pracht die Bühne und stoßen im weiteren Verlauf einige höchst spannende Überlegungen zum Verhältnis von Mensch und Umwelt an. Leider belassen es Gens und Drehbuchautor Jesús Olmo („28 Weeks Later“) häufig nur bei hingeworfenen Schlagworten und formulieren ihre zentrale These im Grunde bereits mit einem vorangestellten Nietzsche-Zitat aus. Bei den Figuren werden bestimmte Entwicklungsmöglichkeiten angedeutet, dann aber recht plump wieder verworfen. Großes Potenzial verschenkt der Film mit Blick auf Gruners Sklavin, die eine eher oberflächliche Funktionsrolle bekleidet, obwohl sich eine genauere Beleuchtung ihrer qualvollen Lage geradezu aufdrängt. Gezwungen bedeutungsschwanger wirken darüber hinaus die unregelmäßig eingestreuten Voice-over-Kommentare des neuen Inselbewohners, in die sich mehr als einmal langweilige Plattitüden mischen.

Das Misstrauen zwischen dem Wetteroffizier und dem abgestumpften Leuchtturmwärter, ihre regelmäßig aufflammenden Konflikte und ihr gemeinsamer Kampf gegen die anstürmenden Kreaturen liefern eigentlich genug Material für einen packenden zweiten Akt. Mit der Zeit wiederholen sich jedoch bestimmte Handlungen und Situationen, was dem Zuschauerinteresse wenig zuträglich ist. Viel rausreißen kann auch die pessimistische, auf den Anfang des Films verweisende Schlusspointe nicht, mit der man bei einer stärkeren Figurenzeichnung noch mehr Betroffenheit hätte erzeugen können.

>> von Christopher Diekhaus

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