Moviebase Herrschaft der Schatten, Die

Herrschaft der Schatten, Die
Herrschaft der Schatten, Die

Bewertung: 55%

Userbewertung: 55%
bei 19 Stimmen

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Originaltitel: Vanishing on 7th Street
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 26.08.2011
DVD/Blu-Ray Verleih: 22.07.2011
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 93 Minuten
Studio: Plum Pictures
Produktionsjahr: 2010
Regie: Brad Anderson
Drehbuch: Anthony Jaswinski
Darsteller: Thandie Newton, Hayden Christensen, John Leguizamo, Taylor Groothuis, Jordan Trovillion, Jacob Latimore, Arthur Cartwright, Christina Benjamin, Courtney Benjamin, Benjamin Brennan, P.J. Edwards, Pamela Croydon, Shawntay Dalon, Dennis Budziszewski, Kyle Clarington, Jennifer Lynn Bryant

Wie fragil unser Leben allein schon dadurch geworden ist, dass wir in den westlichen Industriestaaten uns auf einen enormen Überbau an technischer Zivilisation verlassen müssen, ohne den wir praktisch nicht lebensfähig sind, spielt der fantastische Film von jeher in immer wieder neuen Variationen durch. Brad Andersons aktueller Film „Vanishing on 7th Street“ reduziert die zivilisatorische Notwendigkeit fast noch weiter, nämlich auf die Beschaffung und Erzeugung von Licht. Paul (John Leguizamo) ist Filmvorführer in einem Kino, eines jener Multiplexe, wie es sie in amerikanischen Einkaufszentren zu Hunderten gibt. Gerade noch hat das Mädchen hinter der Getränketheke mit ihm geflirtet, da fällt auf einmal das Licht aus, alles wird dunkel – und alle Menschen sind mit einem Schlag verschwunden, nur ihre Kleider, Brillen, Schuhe, Schmuckstücke und künstlichen Gebisse lassen sie zurück.

Paul hat überlebt, so wird bald klar, weil er für seine Arbeit eine elektrische Stirnlampe trug. Nur mit Licht, einer Lampe, die man möglichst stets bei sich trägt, lassen sich der Schatten vertreiben, der – man muss sich das ziemlich wörtlich vorstellen – aus dem Dunkel nach den Menschen greift und sie mit sich nimmt. Sind das die Verstorbenen, die da aus dem Dunkel leise flüstern, deren Silhouetten man als Schatten an den Wänden sieht? Und warum geht am dritten Tag die Sonne gar nicht mehr auf?

Anderson gibt in „Vanishing on 7th Street“ auf viele Fragen, aber lange nicht auf alle, eine Antwort. Vor allem präsentiert er für seine Story keine zwingende Begründung, er lässt die Figuren spekulieren, die Zuschauer aber wortwörtlich im Dunkeln – man mag eben diese Verschwörungstheorie oder auch jene religiöse Überzeugung schlüssiger finden als anderes. Im Kontext des Filmes geht das als Konzept so lange auf, wie Anderson seinen Bildern noch einen gewissen dunklen Zauber geben kann. Nachdem jedoch Paul und die anderen Überlebenden (Hayden Christensen, Thandie Newton, Jacob Latimore) in einer Bar eingetroffen sind, wo es noch ein wenig Licht gibt, gehen dem Drehbuch von Anthony Jaswinski allerdings die Ideen aus, was sich mit diesen Figuren noch originelles anstellen ließe.

Natürlich kennt man das Motiv der menschenleeren Städte auch schon aus unzähligen anderen Genrefilmen – meist sind die Gründe dafür jedoch handfester Gangart, wie etwa bei den Infektionen unterschiedlicher Natur in „I am Legend“ oder „28 Days Later“, oft haben es die Menschen mit konkreten Monstren oder gar außerirdischen Invasoren zu tun.

„Vanishing on 7th Street“ dagegen thematisiert einen anscheinend ausschließlich metaphysisch fassbaren Schrecken, der direkt auf die Angst vor dem Dunkel zurückweist – die ganz grundlegende Furcht vor dem, was man nicht sieht. Zudem handelt es sich um einen Schrecken, der geradezu vollkommen dem Medium des Films entspricht. Denn nicht nur ist Kino ja zunächst einmal vor allem Licht und Ton, Schatten und Stille – dem an dieser Stelle also Existenz, Verschwinden, das Flüstern der Schatten als Entsprechung beigestellt werden. Was geschieht eigentlich mit den Schauspielern, wenn der Projektor ausgeht?

Der Schatten ist darüber hinaus aber auch die Heimat des Monströsen im Horrorfilm (mit herausragenden Ausnahmen wie Darabonts „Der Nebel“). In Andersons Film ist es aber nun sogar das Dunkel selbst, das Schrecken verbreitet und darstellt – das „Monster“ bekommt nicht nur keine feste Gestalt, es ist auch körperlos, nicht fassbar. Nur das seinerseits körperlose Licht kann es vertreiben. Am Ende von „Vanishing on 7th Street“ ist vor allem klar geworden: Wir verdanken unser Dasein und unser Weiterbestehen nicht allein unserem eigenen Willen zu existieren. In der Welt von Anderson und Jaswinski gibt es da draußen noch jemand oder etwas anderes, und ohne dies existieren wir nicht. Das ist zwar ein vage philosophischer Gedanke, zu einem wirklich komplexen Ganzen formt der Film ihn jedoch leider nie.

>> verfasst von Rochus Wolff

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