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Bewertung: 70%

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Originaltitel: Captifs
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: - Minuten
Studio: Sombrero Productions
Produktionsjahr: 2010
Regie: Yann Gozlan
Drehbuch: Yann Gozlan, Guillaume Lemans
Darsteller: Goran Kostic, Arié Elmaleh, Zoé Félix, Eric Savin

Der Horrorfilm lebt ja von Szenen, in denen Filmfiguren Dinge tun, von denen man ihnen dringend abraten möchte: dunkle Keller ohne Licht erkunden zum Beispiel, oder mal eben nachsehen, was da so auf dem Dachboden knarzt. Fast ärgerlich aber wird es schon, wenn jemand, der sich in größter Gefahr befindet, einen Raum voller potentiell hilfreicher Waffen verlässt, ohne auch nur eine einzige mitzunehmen.

Einen solchen Moment gibt es in dem französischen Thriller „Captifs“, als eine der Hauptfiguren dem Operationssaal entkommen kann, wo schon die sehr unfreiwillige Entnahme von Lebendorganspenden vorbereitet wurde – und kein Skalpell, keine Knochensäge, nichts, was zur Verteidigung ihrer selbst und der Mitgefangenen eingesetzt werden könnte, nimmt die Figur mit. Etwas Ähnliches wiederholt sich kurz darauf, aber es ist die einzige echte Inkonsistenz und Schwäche, die man dem ersten Langfilm von Yann Gozlan wirklich vorwerfen kann, und diese bleibt eigentlich konsequent: Sind doch die Protagonisten, die er in einen Keller einsperren lässt, alles andere als geborene Mörder.

Ganz im Gegenteil: Carole (Zoé Félix) und ihre zwei Freunde haben gerade ihre humanitäre Arbeit in einem Krankenhaus irgendwo im Kosovo beendet (vor dem Gebäude stehen demonstrativ ein paar KFOR-Soldaten herum) und wollen eigentlich nur ein Flugzeug nach Hause erwischen. Wegen eines Militäreinsatzes, bei dem Minen entschärft werden sollen, ist jedoch die Hauptstraße gesperrt – und natürlich nehmen die drei, was man ja im Film nie tun sollte, eine Abkürzung, verfahren sich und finden sich dann unversehens in einem verbarrikadierten Keller wieder.

„Captifs“ ruft in seinem Szenario natürlich den Backwoods-Horror auf, die Bedrohung des zivilisierten Stadtbewohners durch brachiale, moralisch deformierte Landeier; aber hier geht es keineswegs um den Gegensatz zwischen Stadt und Land oder Reichtum und Armut. Genauso wenig wird der Handlungsort Osteuropa als stereotypische Bedrohungskulisse inszeniert, wie dies etwa in den „Hostel“-Filmen zu sehen war (beziehungsweise, mit auf Südamerika verschobenem Handlungsort aber zugleich inhaltlich näher, in „Turistas“) – ein Kontext, in dem der reiche Westen gerne als willkommener Antagonist auftaucht, für dessen kolonialistischen Habitus in Folter und Organhandel die rechte Strafe liege.

Gozlans Film interessiert sich für derlei nicht. Zwar wird verwiesen in überall sichtbaren Zerstörungen und Verheerungen auf den Kosovo-Krieg hingewiesen – die KFOR-Soldaten sind mit Minenräumen beschäftigt, ein kleines Mädchen hat offenbar das Augenlicht verloren –, es gibt aber keine wirren Rechtfertigungsreden wie in „Turistas“ oder ähnliche Hinweise auf speziell gegen etwa Westeuropäer gerichtete Aggression.

Überhaupt geht „Captifs“ aber sehr zurückhaltend mit großen Gesten um und verlässt sich stattdessen mehr auf die Tugenden klassischer Spannungs- und Schreckenserzeugung. Es gibt keine unnötigen Unterhaltungen der Protagonisten über das, was ihnen zuzustoßen droht, sobald es eh’ offen zutage liegt; Gozlan lässt nicht bereden und beschreiben, was er zeigt oder – im Halbdunkel des Kellerverlieses, das für gut die Hälfte des Films Handlungsort ist – andeutet. Und so geht es zwar in einer Szene recht blutig und gelegentlich auch brutal zu, von Splatterästhetik ist das aber noch weit entfernt, und dem Film tut das sehr gut.

Überhaupt steht nicht immer allein das Visuelle im Vordergrund; Gozlans Team setzt vor allem den Ton hochgradig effektiv ein. Das geht weit über die übliche Schreckerzeugung und dramatisch eingesetzte Musik hinaus. Wenn einzelne Figuren etwa zeitweilig ihr Hörvermögen verlieren oder gezielt einschränken, ahmt die Tonspur des Films das nach. Das wirkt zunächst wie ein Gimmick, wie eine für die Erzählung überflüssige Wahrnehmungsveränderung, wird dann jedoch zu einem sehr wirksamen Instrument der Spannungserzeugung und -verstärkung.

Aus der eigentlich recht simplen Geschichte werden so – mit fast minimalistischem Aufwand an Handlungsorten und Personal – aufregende 84 Minuten. Einziger Wermutstropfen der Erzählung ist, dass Caroles Kindheitstrauma, welches viele ihrer Handlungen motiviert und behindert, sich allzu glatt in die Ereignisse des Films einfügt – alles, was damals traumatisch war, wird nun wieder relevant, bis hin zur allerletzten Szene des Films. Dass das Trauma zudem in allzu offensichtlich erkennbaren Alpträumen immer wieder auftaucht, verstärkt nur noch den Eindruck, dass es nur zur Vervollständigung der Handlung überhaupt entwickelt wurde; zur Charakterisierung der ansonsten großartigen Protagonistin (die fast in jeder Szene zu sehen ist) wäre dieses Handlungselement nicht einmal nötig gewesen.

>> verfasst von Rochus Wolff

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