Moviebase Elysium

Elysium
Elysium

Bewertung: 70%

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Originaltitel: Elysium
Kinostart: 15.08.2013
DVD/Blu-Ray Verkauf: 17.12.2013
DVD/Blu-Ray Verleih: 17.12.2013
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 110 Minuten
Studio: Media Rights Capital
Produktionsjahr: 2012
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp
Darsteller: William Fichtner, Jodie Foster, Matt Damon, Sharlto Copley

In der griechischen Mythologie war das Elysium der Ort, an dem die Menschen ihre Unsterblichkeit erlangten. Es war so etwas wie das Paradies auf Erden, das viele anstrebten und doch nur wenige Auserwählte jemals erreichten. Diese Insel der Glückseligen liegt in nicht allzu ferner Zukunft weit draußen – jenseits der Erdumlaufbahn, beschützt und bewacht wie eine Festung, auf der Menschen ohne das entsprechende Kleingeld unerwünscht sind. Man bleibt lieber unter sich. In Neill Blomkamps Science-Fiction-Thriller „Elysium“ sind das jene oberen Zehntausend, die sich schon lange weder um ihr Vermögen noch um ihre Gesundheit Sorgen machen müssen.

Max (Matt Damon) gehört nicht dazu. Doch nach einem Arbeitsunfall, bei dem ihn eine tödliche Strahlendosis trifft, lässt er sich auf eine wagemutige Mission ein. Er soll den auf Elysium lebenden Unternehmer und Milliardär John Carlyle (William Fichtner), seinen Boss, entführen und sich von ihm geheime Kontodaten und Informationen beschaffen. Max willigt ein, auch weil er sonst keine andere Chance mehr sieht, nach Elysium zu gelangen, dem einzigen Ort, wo jetzt noch Heilung auf ihn wartet. Seine Gegner kennen allerdings keine Skrupel, um ihre paradiesische Festung vor illegalen Flüchtlingen und Eindringlingen zu beschützen. Die resolute Sicherheitschefin (Jodie Foster) fürchtet zudem um ein besonderes Geheimnis, weshalb sie ihren vermeintlich besten, weil grausamsten Undercover-Agenten (Sharlto Copley) auf Max ansetzt.

Mit der Apartheid-Parabel „District 9“ gelang dem Südafrikaner Blomkamp vor vier Jahren der internationale Durchbruch. Der düstere Science-Fiction-Film spielte bei überschaubaren Produktionskosten weltweit dreistellige Millionensummen ein. Eine solche Rechnung bleibt in Hollywood natürlich nicht lange unbemerkt und so durfte Blomkamp mit einem 100-Million-Dollar-Budget nun erneut eine finstere Dystopie realisieren. Neben Stars wie Matt Damon und Jodie Foster, die mit gnadenlosem Overacting für Erstaunen sorgt, bietet „Elysium“ auch einen im Vergleich zu seinem Vorgänger deutlich ausgebauten Action-Anteil. Beides ist der Produktionslogik Hollywoods geschuldet und Voraussetzung für die Umsetzung der politisch durchaus brisanten Geschichte.

Denn so wie Blomkamp hier die Welt der Zukunft zeichnet, kann man seine Sicht nur als beißende Kapitalismus- und Systemkritik verstehen. Diese bekommt man als Zuschauer in einer auf die Dauer schon etwas ermüdenden Überdosierung vorgesetzt. Während sich die Schönen und Reichen auf Elysium vergnügen, knechten die Massen auf der Erde für den Profit von Wenigen. Golfplatz gegen Slum, Villa gegen Wellblechhütte. Dazu bietet die Geschichte einige angesichts der aktuellen Datendebatte recht amüsante Seitenhiebe auf die Allmacht der Informations- und Überwachungstechnologie. Ideologisch passt Blomkamps pessimistische Zukunftsvision somit perfekt in das linke Mindset der Traumfabrik. Gleichzeitig ist der Film eine Abrechnung mit der aus Sicht des Regisseurs unmenschlichen Einwanderungspolitik des Westens.

Die Nähe zu „District 9“ zeigt sich auch bei der Wahl der filmischen Mittel. Wieder setzte Blomkamp vorwiegend auf Handkamera-Shots und die daraus resultierende Nähe zu seinen Figuren. Die Action ist rasant und unmittelbar. Statt großer Schlachten interessiert Blomkamp das Duell Mann gegen Mann. Dabei hat er mit „District 9“-Veteran Sharlto Copley einen genialen Jäger, der als in Ungnade gefallener Geheimagent dem entrechteten Helden seinen Wahnsinn und Sadismus entgegensetzt. Das nunmehr weitaus höhere Budget nutzte Blomkamp für visuelle, bittersüße Bonbons wie das komplett computergenerierte Elysium, das ob seiner irritierenden Künstlichkeit wie ein einziges, falsches Werbeversprechen erscheint.

Mit seiner beißenden Sozialkritik, die Blomkamp in die nicht allzu ferne Zukunft spiegelt, befindet sich „Elysium“ in bester Gesellschaft. So scheint die Geschichte um die oberen Zehntausend und ihre entrechteten Arbeitssklaven von vielen Klassikern des Genres zumindest „Inspiriert“. Von Ridley Scotts „Blade Runner“ über „Children of Men“, „Gattaca“ bis hin zum unterschätzten „Die Insel“ sind die Anleihen zahlreich und unübersehbar. Und dennoch fühlt sich Blomkamps Version nicht wie eine bloße Kopie an. Dafür kennt er sein Material zu gut. Mit Verve treibt er uns und Max in Richtung Finale, das mit dem maroden System kompromisslos abrechnet. Da verzeiht man ihm sogar die arg dick aufgetragene Erlöser-Symbolik. Gegen diesen „Mad Max“ kann Jesus einpacken.

>> verfasst von Marcus Wessel

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