Moviebase We Need to Talk About Kevin

We Need to Talk About Kevin
We Need to Talk About Kevin

Bewertung: 65%

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Originaltitel: We Need to Talk About Kevin
Kinostart: 16.08.2012
DVD/Blu-Ray Verkauf: 18.10.2012
DVD/Blu-Ray Verleih: 18.10.2012
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: 112 Minuten
Studio: BBC Films, UK Film Council
Produktionsjahr: 2011
Regie: Lynne Ramsay
Drehbuch: Lynne Ramsay
Darsteller: John C. Reilly, Tilda Swinton, Siobhan Fallon, Lauren Fox, Anna Kuchma, Ezra Miller, Ashley Gerasimovich, Leslie Lyles, Aaron Blakely, James Chen, Ursula Parker, Leland Alexander Wheeler, Anthony Del Negro, Caitlin Kinnunen, Paul Diomede, Erin Maya Darke, Suzette Gunn, Alex Manette, Joseph Basile, Jennifer Kim, Kimberley Drummond, Daniel Farcher, Jamal Mallory-McCree, Todd Fredericks, Jasper Newell, Susan-Kate Heaney, Mark Elliot Wilson, Blake DeLong, Georgia X. Lifsher, Tah von Allmen, Arianna Costanzo, Louie Rinaldi, Rock Duer, Johnson Chong, Kenneth Franklin

Es gibt Vornamen, mit denen es Eltern ihrem Kind im Leben schwer machen können. Studien aus der Vergangenheit zeigen sogar, dass die schulischen Leistungen von Kindern mit gewissen Namen deutlich schlechter sind. Vorurteile haften zum Beispiel an Jaqueline und Chantal, die gerne mal als exorbitante Damen gesehen werden. So eben auch die Kevins dieser Welt, die – und der Ausdruck sei an dieser Stelle erlaubt – oftmals als „Arschloch-Kinder“ bezeichnet werden. Genau diese Beschreibung passt auf die titelgebende Hauptfigur im Familiendrama von Regisseurin Lynne Ramsay. Doch heraus sticht jemand ganz anderes: Die 51-jährige Tilda Swinton verkörpert Kevins Mutter mit einer solchen Inbrunst, dass jede Leinwandsekunde der Schauspielerin zum Genuss wird. Das zunehmend abflachende Szenario kann da nicht ganz mithalten.

Eva (Tilda Swinton) stand am Beginn einer vielversprechenden Karriere, als eine unerwartete Schwangerschaft ihr ganzes Leben über den Haufen warf. Selbstlos stellte sie ihre eigenen Lebensplanungen hinten an, um ihrem Sohn ein gutes Leben zu bieten. Von dem Moment an, als Kevin (Ezra Miller) geboren wurde, herrschte eine spürbare Anspannung zwischen Mutter und Sohn. Im Teenageralter wird Kevin zunehmend merkwürdiger. Eine erneute Schwangerschaft Evas strapaziert die zu eskalieren drohende Situation zunehmend. Bis es eines Tages zu einer großen Tragödie kommt. Eva, die endlich wieder Arbeit gefunden hat, wird panisch zur Schule ihres Sohnes gerufen. Etwas Schreckliches sei passiert, sie solle sofort kommen. Nicht ahnend, welch schockierende Nachricht die zweifache Mutter vor Ort erwartet, macht sie sich auf den Weg…

Der Einstieg in den Psychokrieg zwischen Mutter und Sohn erfolgt durch prägnante Bilder. Auf einem Brauchtumfest lässt sich Eva auf den Händen der anderen Besucher inmitten von zermatschten Früchten tragen. Die vorherrschende Farbgebung der nächsten zwei Stunden drängt sich damit förmlich auf. Eine Frau sieht rot, und mit ihr der Zuschauer. Dabei ist die Bedeutung der Grundfarbe auch in Ramsays Werk unverkennbar. An nahezu jeder Stelle drücken die stets in rötlichen Tönen gehaltenen Bilder eine Bedrohung aus. Sei es durch Evas innere Zerrissenheit oder den Teufel in Person, in diesem Falle Kevin.

Das einnehmende Spiel von Tilda Swinton („Der seltsame Fall des Benjamin Button“) ist unglaublich intensiv. Sie verkörpert die einst so erfolgreiche, durch die Geburt Kevins völlig abgewrackte Mutter so, als sei ihr das alles selbst widerfahren. Eingefallenes Gesicht, verdreckte Klamotten und ein Leben, welches keines mehr ist. Swinton trägt diese schwere Bürde mit Bravour, liefert zu jeder Zeit eine Bestform ab. Dagegen kommen die anderen, nicht weniger engagierten Darsteller kaum an. John C. Reilly, überwiegend bekannt aus derben Komödien wie „Stiefbrüder“ oder „Walk Hard – Die Dewey Cox Story“, zeigt sich hier abermals von seiner anderen Seite. Dass Reilly auch ernst kann, hat er zuletzt in Roman Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ unter Beweis gestellt. Seine Rolle als Ehemann von Tilda Swinton fällt hier aber weitaus kleiner aus. Bei seiner geringen Leinwandpräsenz kann der Schauspieler so sein Talent für Seriöses nicht ausgiebig zeigen. Anders dagegen Titelfigur Kevin, der von verschieden alten Darstellern verkörpert wird. Da sticht vor allem der junge Jasper Newell heraus, der Kevin im Alter zwischen sechs und acht Jahren mimt. Seine Blicke allein demonstrieren die komplette Abneigung gegen seine verzweifelte Mutter. Wie verhält man sich als Elternteil gegenüber einem solch dreisten Kind?

Doch während das Schauspiel über die Dauer des Films sein Niveau hält, lässt die Intensivität immer mehr nach. Wirken die Aufnahmen gerade zu Beginn unkonventionell und stark, flacht die Stimmung zunehmend ab. Kamermann Seamus McGarvey („Abbitte“, „The Avengers“) beeindruckt mit stilistisch exzellenten Bildern. Allerdings lässt der Sog dieser kontinuierlich nach. Auch geschichtlich verliert die Wirkung gen Ende. Erzählerisch ist die Geschichte ausgelegt als Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenem. Der Schluss verkommt zu einer seltsamen Gleichgültigkeit. Auch wenn auf diesen hingearbeitet wurde: vollkommen überzeugen kann er nicht. Viele Fragen haben sich während des Gezeigten aufgebaut, die dann lediglich mit einer plumpen und kaum nachvollziehbaren Aussage Kevins beantwortet werden.

„We Nee to Talk About Kevin“ punktet mit einer überzeugenden Tilda Swinton und einer omnipräsenten Bild- und Tonspur. Das heikle und interessante Thema wird eindringlich dargestellt, wenn auch ein paar Durchhänger zu vernehmen sind. Im Finale bleibt das düstere Thriller-Drama dann hinter den Erwartungen zurück. Dennoch ist Ramsays siebte Regiearbeit nach der Romanvorlage von Lionel Shriver eben durch seinen exzellenten Cast eine Sichtung wert.

>> verfasst von Janosch Leuffen

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